Der Biber ist wieder da! Spurensuche an heimischen Flüssen

Die Biber sind in Südwestfalen wieder öfter anzutreffen.
Die Biber sind in Südwestfalen wieder öfter anzutreffen.
Was wir bereits wissen
Fotos liefern letzte Beweise: Die Nager fühlen sich in Südwestfalen wohl. Naturschützer sorgen sich um die Herkunft - Kanadier sind nicht willkommen.

Lippborg.. Die Aufnahmen sind blass, verschwommen. Ein stark behaartes Tier ist grob gepixelt auf Fotos zu erkennen. Aufgenommen von Infrarot-Kameras an den Ufern der Lippe. Es sind die letzten entscheidenden Puzzleteile, die beweisen: Der Biber ist zurück in Südwestfalen. Eine kleine Sensation, die für die gelungenen Renaturierungsmaßnamen in der Region steht. Getrübt wird die Freude von der bangen Frage, ob es sich um den europäischen, sprich heimischen, oder um den kanadischen Biber handelt. Der Kanadier ist nicht willkommen und würde wohl zum Abschuss frei gegeben.

Für Olaf Zimball und Margret Bunzel-Drüke von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) mit Sitz in Bad Sassendorf ist es eher eine akademische Frage. Für die Naturschützer, die vom Kreis Soest und der Bezirksregierung Arnsberg damit beauftragt worden sind, die Rückkehr des Bibers zu begleiten, ist es unwahrscheinlich, dass Jäger zum Einsatz kommen. Kanadische Biber sind in Skandinavien ein Problem. „Jungtiere wandern auf der Suche nach einem Revier aber höchstens 40 Kilometer weit“, so Zimball.

„Es sind drei Familien“

Zimball und Margret Bunzel-Drüke sind seit Wochen auf der Suche nach den unter Wasser liegenden Eingängen der Biberbauten entlang der Lippe. Auf bis zu 24 Exemplare wird die Zahl der Tiere an Lippe und Glenne geschätzt. „Es sind drei Familien, die bei Lippstadt und rund um Lippborg heimisch geworden sind.“ Dass die Biber in Südwestfalen zuerst die Lippe-Auen aufgesucht haben, sei keine Überraschung. Dort fließe die Lippe wieder großflächig in einem naturnahen Bett.

Die beiden Umweltschützer sind zurzeit oft auf den Spuren der Biber in den Lippe-Auen. In naturbelassenen Weidelandschaften soweit das Auge reicht. Mit Ferngläsern suchen sie nach Fressspuren. Und werden regelmäßig an den Ufern entlang der Lippe westlich von Lippborg fündig.

Gnadenlose Jagd im 19. Jahrhundert

Stolz betrachtet der 39-jährige Soester Holzspäne. Zehn bis fünfzehn Zentimeter lange Stücke, die ein weiterer Beleg für die Rückkehr sind. Nach fast 200 Jahren. Im Jahr 1826 wurde nahe Lippstadt im Auftrag von Christine Luise Auguste Charlotte, der Äbtissin vom Stift Cappel, einer der letzten Biber Deutschlands erlegt.

Im 19. Jahrhundert wurden die Nager gnadenlos gejagt. Wegen ihres Felles, auf dem pro Quadratzentimeter 23 000 Haare wachsen (Mensch: 600 Haare), wegen ihres Fleisches – und wegen ihrer Drüsensekrete, die wie Medizin gegen Fieber wirken. Biber fressen Weidenrinde – und die Salicylsäure, die in der Rinde steckt, ist ein Hauptbestandteil, den man auch in Aspirin findet.

2010 erst Hinweise auf die Rückkehr

2010, erzählt Zimball, seien erstmals Biberspuren an den Lippe-Ufern entdeckt worden. „Es gab damals schon Gerüchte. Da die Tiere aber keinen Fellcode wie Tiger besitzen und nur sehr schwer zu unterscheiden sind, konnten wir nicht ausschließen, dass es sich um einen Kurzbesucher handelt.“ Nach all den nun vorliegenden Indizien sei man sicher: „Die Biber sind wieder heimisch geworden.“

Im Sommer sollen Klebefallen aufgestellt werden, um die Herkunft der Nagetiere zu bestimmen. Stammen sie von Biberpopulationen der Elbe ab oder sind es doch die unerwünschten Kanadier, die in Finnland bereits die einheimische Art verdrängt haben?

DNA-Analyse soll Gewissheit geben

An den Klebefallen, so erklärt es Margret Bunzel-Drüke, blieben nur ein, zwei Haare hängen. „Hoffentlich mit Wurzeln.“ Dann könnte das „CSI-Team“ im Labor des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz per DNA-Analyse Gewissheit verschaffen.

Das Unbehagen der Naturschützer ist zu spüren. Sollten es Kanadier sein, bliebe keine andere Wahl, als sie zu beseitigen, da sich die nordamerikanische Art zwar mit der europäischen paaren könne, aber der Nachwuchs ausbleibe.

Landwirt Herbert Vadim aus Westkirchen, der mit seinem Sohn Maximilian an der Lippe oft zum Angeln unterwegs ist, fürchtet den Biber nicht. „Solange die Fische anbeißen, ist mir egal, wer sonst noch im Wasser herumschwimmt.“ Noch vor kurzem will er einen Biber gesichtet haben. Dabei wird es sich laut Zimball wohl um Nutria, wie die Waserratte genannt wird, gehandelt haben. Diese Art, die aus Südamerika stammt, habe sich explosionsartig vermehrt. Einen echten Biber zu Gesicht zu bekommen, sei ein kleines Wunder, fügt er hinzu. „Sie haben einen Super-Geruchssinn und sind nur nachts unterwegs.“

Für Landwirte werde der Biber zu keinem Problem, so Zimball. Bisher habe sich nur ein Bauer gemeldet, dem eine Thuja-Hecke angenagt worden sei. Die Lippe, sagt der Soester, führe genügend Wasser. „Da muss kein Damm gebaut werden.“ Bis der Biber kleinere Nebenflüsse in Südwestfalen erobere, vergehe noch viel Zeit.

Erfahrung fehlt

Noch, so Margret Bunzel-Drüke, fehle nach 200 Jahren die Erfahrung mit Bibern. Deshalb habe man auch mit Biberberatern aus Bayern, wo mit 1600 Tieren die größte Population in Deutschland lebt, Kontakt aufgenommen. Natürlich werde der Biber nicht von allen willkommen geheißen. „Es gibt Menschen, die ärgern sich auch darüber, dass Singvögel singen“, beendet sie ihre Ausführung.

Für die Naturschützer aus dem Kreis Soest bedeutet die Rückkehr des Bibers in die Region viel: „Damit hat niemand gerechnet“, sagt Olaf Zimball. Zimball und Bunzel-Drüke blicken gemeinsam über die Weiten der Lippe-Auen – und hoffen, dass sich Südwestfalens Biber nicht als Kanadier entpuppen.