Der Animateur von der Postwiese

Winterberg..  Es sind (nur) drei Schritte vom blutigen Anfänger zum sicheren Skifahrer: „Üben, üben, üben!“, sagt Uli Flasche und schaut auf „sein“ Skigebiet Postwiese in Winterberg-Neuastenberg. Der Hochsauerländer ist seit fast 40 Jahren Skilehrer, hat in ­seiner Skischule schon reichlich wackelige Beine auf Brettern stabilisiert. Seine Tipps für die, die bei den ersten Skiversuchen häufiger auf der Nase liegen: „Durchhalten! Sich nicht zu sehr unter Druck ­setzen. Irgendwann kommt der Moment, und es macht klack.“

Wir sitzen am späten Vormittag in der Neuastenberger Après-Ski-Bar Lawine bei einer Tasse Kaffee. Uli Flasche schaut aus dem Fenster und strahlt. Es schneit. Schnee ist so etwas wie die Lebensversicherung für einen Skischul-Besitzer. In den kommenden Tagen, so die Vorhersagen der Wetterfrösche, soll es weiter schneien. „Das trifft sich gut“, sagt der 63-Jährige. „Wir ­erwarten unter anderem viele ­Gäste aus Niedersachsen. Dort ­beginnen am kommenden ­Wochenende die Schulferien.“

Der Spaß steht im Vordergrund

Seit er denken und laufen kann, steht Uli Flasche auf Skiern. „Mit zwei, drei Jahren habe ich angefangen.“ 1968 hat er die Skilehrer-Prüfung abgelegt und seither viele Urlauber kommen und gehen und Skifahren lernen gesehen. „Es hat sich viel verändert in den 37 Jahren“, sagt er. „Zum Beispiel sind die Leute früher verdreht gefahren.“ Er meint die Körperhaltung, aber auch die Seele des Skifahrers wurde einst anders angesprochen. „Zehn Mann standen am Hang in Reih und Glied und bekamen im Kasernenton gesagt, was sie zu tun haben.“ Heute sei alles viel lockerer: „Der Druck ist nicht mehr da.“

In den Skikursen steht der Spaß im Vordergrund. „Es bringt nichts, Menschen zum Skifahren zu zwingen“, so der Neuastenberger. Beleg für ihn sind Schulklassen. „Wenn Du da einem sagst: ,Du musst’, steht der später am Hang völlig ­desinteressiert.“

Von einem Skilehrer muss Freude ausgehen, weiß Uli Flasche. „Er ist heutzutage eine Art Animateur.“ Der Skischul-Chef stellt dies einfach nur fest, weder euphorisch noch bedauernd. Es ist eben so. „Das Skifahren und das Lehren sind einem ständigen Wandel unterzogen.“ Der 63-Jährige bildet sich regelmäßig weiter, besucht Kurse und Kongresse beim Beruf­skilehrer-, beim Westdeutschen und Deutschen Skiverband. In seiner Schule stellt er nur Lehrer ein, die Qualifikationen nachweisen können. Aber es wird immer schwerer, ausreichend Personal zu finden. „Es gibt einfach sehr viele Schulen in den deutschen und europäischen Skigebieten.“

Fast 40 Jahre als Skilehrer sind eine lange Zeit. „So lange ich es noch kann, mache ich es“, sagt Uli Flasche und nennt eine Grundvoraussetzung für den Job im Schnee: „Man muss mit Menschen umgehen können.“ Das bedeutet durchaus auch, nach dem Unterricht mit dem Kurs noch etwas Apres-Ski zu halten. Aber alles in Maßen, wie Flasche findet. „Alkohol während des Unterrichts ist bei uns tabu.“

Der goldene Monat Februar

Die Saison an der familienfreundlichen Neuastenberger Postwiese geht immer vom 15. Dezember bis zum 15. März. Die derzeitigen Schneefälle verleiten Uli Flasche zu vorsichtigem Optimismus. Klimawandel? „Ach“, sagt der Elektroinstallateur mit eigenem Betrieb, „vor 20, 30 Jahren hat es auch schon schneearme Winter gegeben.“ Im Februar kommen die Krokusferien in den Niederlanden. „Es könnte insgesamt noch ein einigermaßen gutes Jahr werden.“

Unzählige Menschen haben bei Uli Flasche das Skifahren gelernt. „Schüler, die vorzeitig aufhören, sind die absolute Ausnahme“, sagt er. Für die anderen galt stets: üben, üben, üben.