„Das macht den Zugang leichter“

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Was wir bereits wissen
Für südwestfälische Firmen ist der teurere Franken ein Konjunkturprogramm. Exporte werden günstiger. Aber Sorge um die Arbeitsplätze in der Schweiz

Hagen..  „Bei mit haben schon die ersten Kunden angerufen, um wieviel Artikel aus Deutschland jetzt billiger werden. Alles, was hier auf Lager ist, fällt unter die alten Einkaufsbedingungen.“ Ulrich Bettermann ist mittendrin im Thema. Der Mendener Unternehmer mit Schweizer Pass sieht die Entkoppelung des Franken vom Euro mit einem lachenden und einem weinenden Auge - je nachdem, wo er sich gerade aufhält.

Große Betroffenheit

Gerade ist er von einer Sondersitzung der Industrie- und Handelskammer der Zentralschweiz zurück, wo er im Vorstand sitzt. Dort herrscht große Betroffenheit. „Einige Mittelständler in der Schweiz werden das nicht überstehen, ich mache mir Sorgen um die Arbeitsplätze“, sagt er und meint die überraschende Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro, der die Schweizer Währung künstlich verbilligt hat, um Schweizer Exporte zu beflügeln.

Jetzt wird der Franken immer teurer, das stärkt die Position von südwestfälischen Exportunternehmen gegenüber Schweizer Wettbewerbern. Dem Elektrogerätehersteller Severin aus Sundern kommt ein stärkerer Franken gerade recht. „Das macht uns den Marktzugang leichter“, sagt Sascha Steinberg, Leiter der Marketing-Abteilung. „Wir können mit unserer Ware wettbewerbsfähiger auftreten.“

Severin arbeitet in der Schweiz mit einem Distributor zusammen, der den Vertrieb übernimmt und die Ware in den Läden platziert. Zwar macht die Schweiz am gesamten Exportgeschäft von Severin nur einen einstelligen Prozentsatz aus, aber das kann laut Steinberg „jetzt ausgebaut werden.“ In der Schweiz sind 35 Prozent der Läden mit Severin-Produkten ausgestattet, in Deutschland sind es 90 Prozent.

Wettbewerbsfähiger

Auf einen Knackpunkt weist Dr. Kai Wilke hin, geschäftsführender Gesellschafter des Kaltbandherstellers Risse + Wilke in Iserlohn. „Theoretisch müssten wir wettbewerbsfähiger werden. Allerdings im Vergleich zu Schweizer Unternehmen. Wir stehen aber im Wettbewerb mit Hagener Kaltwalzwerken. Da ändert sich für uns nichts.“

Positiver gestimmt über die Euro-Schwäche zeigt sich die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK). „Das ist ein Konjunkturprogramm für unsere Unternehmen“, sagt Außenhandelschef Frank Hermann. „Die Schweiz ist zwar ein Nischenmarkt, aber ein attraktiver.“ Über 600 Unternehmen aus der Märkischen Region exportieren in die Schweiz, sporadisch oder regelmäßig. 200 unterhalten Niederlassungen oder Vertretungen.

„Die Schweiz ist sehr abhängig vom deutschen Markt“, berichtet Hermann. 30 Prozent der Schweizer Importe kommen aus Deutschland.“ Und in Südwestfalen seien die Branchen querbeet betroffen. „Der Preis ist für die regionalen Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil und schafft eine andere Verhandlungsposition“, betont der Außenhandelsexperte. Der Schweizer Markt sei gesättigt und damit der Preis ein starkes Argument. Im Gegenzug aber auch für viele Touristen, die die Schweiz künftig meiden werden.