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Metall-Tarifrunde

Das Geld ist nicht die größte Hürde

07.02.2012 | 18:21 Uhr
Das Geld ist nicht die größte Hürde

Hagen. In der deutschen Metall- und Elektroindustrie bahnt sich eine schwierige Tarifrunde an. Das dürfte weniger an der relativ üppigen Lohnforderung der IG Metall für die derzeit boomende Branche liegen. Größere Knackpunkte sind die Forderungen nach einer unbefristeten Übernahmegarantie für Azubis und Betriebsrats-Mitbestimmung bei der Leiharbeit.

6,5 Prozent. Die Empfehlung des IG Metall-Vorstandes kommt nicht überraschend. Als IG-Metall-Chef Berthold Huber sie gestern ausspricht, stößt dies im südlichen Westfalen bei Gewerkschaftern und Arbeitgeberverbänden auf ein geteiltes Echo. Auch keine Überraschung.

„Das ist das richtige Maß und trifft auch das Herz der Kollegen hier in der Region“, sagt Arnsbergs IG-Metall-Bevollmächtigter Wolfgang Werth und verweist auf die „durchgehend weiter gute wirtschaftliche Entwicklung“ bei den meisten Betrieben im Bezirk. „Mehr als gerechtfertigt“, meint auch Hubert Rosenthal, IG-Metall-Chef in Hagen. Schließlich hätten viele Betriebe das Boom-Niveau von 2008 wieder erreicht, teils sogar übertroffen.

Volker Verch dagegen weist die sich abzeichnende Tarifforderung als „nicht tragbar“ und „schlicht zu hoch“ zurück. „Tarifverträge müssen auch bezahlbar sein“, mahnt der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte in Arnsberg. Auch für Verchs Kollegen Werner Sülberg vom Märkischen Arbeitgeberverband (Hagen/Iserlohn) sind die 6,5 Prozent „nicht nachvollziehbar“. „Durch den Produktionsfortschritt begründen lassen sich höchstens drei Prozent.“

Zwischen den Zeilen indes deutet sich schon an, dass ein Kompromiss am Geld nicht scheitern dürfte. Gewerkschafter Rosenthal etwa weiß, dass „die Forderung nicht immer das Ergebnis ist“. Und dass die Branchenstruktur in NRW ganz anders ist, als in Baden-Württemberg mit seinen großen Konzernen, „die auch die 6,5 Prozent bezahlen könnten“. Arbeitgeber-Vertreter Sülberg plädiert neben einer „moderaten“ prozentualen Erhöhung angesichts der guten Wirtschaftslage für „eine vernünftige, nicht unmaßgebliche Einmalzahlung“. Damit sei sicher eine Verständigung möglich, „ohne dass es zum großen Knall kommt“.

Der allerdings droht aus anderen Gründen. Die IG Metall will die Gleichbezahlung von Zeitarbeitern und Stammpersonal und ein Mitspracherecht für Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern durchsetzen. Und sie fordert ein tarifliches Gebot zur unbefristen Übernahme von Azubis nach dem Abschluss. Gegen beide Forderungen laufen die Unternehmer Sturm. In NRW sondieren die Tarifpartner schon seit Wochen in Arbeitsgruppen über beide Themen. Eine Annäherung ist nicht Sicht. Die Fronten sind verhärtet - auch in Südwestfalen.

„Unsere Mitglieder sagen uns, wir wollen die Seuche Leiharbeit aus den Betrieben entfernt haben“, erklärt Werth. Da sei ordentlich „Druck auf dem Kessel“. Und nach Worten Rosenthals kann sich der Wirtschaftsstandort die Leiharbeit als „Instrument, um die Löhne niedriger zu setzen“, nicht länger leisten. Ein Argument, dem Sülberg energisch widerspricht: In der Region spiele Zeitarbeit nur als Puffer bei Auftragsspitzen oder zum Testen neuer Mitarbeiter eine Rolle. „Und mindestens ein Drittel landet später in der Stammbelegschaft.“

Ebenso groß ist das Konfliktpotenzial bei der Azubi-Übernahmeverpflichtung, die die Arbeitgeber als „Verbeamtung“ kategorisch ablehnen. „80 Prozent unserer Betriebe bilden aus“, sagt Sülberg. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels setzen die Firmen ohnehin von sich aus alles daran, ihre Azubis zu übernehmen. Und wenn ausnahmsweise nicht, so Sülberg, dann sollte das Sache des Unternehmers bleiben: „Das restliche Stückchen Entscheidungsfreiheit muss gewahrt bleiben.“ Werth dagegen vermutet in dieser Frage bei den Arbeitgebern weniger inhaltliche als ideologische Vorbehalte: „Ich glaube, über dieses Stöckchen müssen wir ihnen noch helfen.“ Das aber dürfte nicht einfach werden. „Es wird schwierig, hier einen Kompromiss zu finden“, ahnt Verch.

Sven Nölting

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