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Das Geheimnis der schwarzen Hand

06.03.2012 | 09:00 Uhr
Das Geheimnis der schwarzen Hand
Criminale 2012

Mozart ließ ihn hochschrecken. Schlaftrunken tastete seine Hand über den Nachttisch. Mozart spielte weiter. Die kleine Nachtmusik am frühen Morgen. Grauenhaft. Vielleicht sollte er sich doch einen anderen Klingelton für sein Handy aussuchen. Schließlich fand er das Telefon. Er richtete sich auf.

Mit einer wischenden Bewegung seines Daumens nahm er das Gespräch entgegen. „Ja“ nuschelte er zur Begrüßung.

„Hier ist Peter.“ Peter Wendler war Kriminalkommissar und in seiner Behörde zuständig für die Pressearbeit. „Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ „Kurz vor fünf Uhr.“ Hendrik Schulthof fiel zurück auf sein Kissen. „Du musst, wenn dir unsere Freundschaft etwas wert ist, einen verdammt guten Grund haben, mich zu dieser nachtschlafenden Zeit zu wecken.“ „Was denkst du denn.“ „So früh morgens nur wenig“, erwiderte Schulthof. Wendler lachte. „Kann ich mir vorstellen. Also, hör zu. Die schwarze Hand von Bödefeld ist verschwunden.“ „Die was?“ „Das ist eine mumifizierte Hand eines Mädchens. Sie wurde vor rund 250 Jahren gefunden und wird seitdem in der Pfarrkirche Bödefeld aufbewahrt. Seit gestern Abend ist sie weg.“

Jan Zweyer, Autor der Auftaktfolge.

„Wer klaut denn so etwas?“, wunderte sich Schulthof. „Sammler?“ „Wenn wir das wüssten, brauchten wir ja nicht zu suchen.“ „Auch wieder wahr.“ „Ich habe gedacht, das interessiert dich. Darum mein Anruf. Um neun geht die Pressemeldung an die Redaktionen. Natürlich hast du die Vorinformation nicht von mir.“ „Kannst dich auf mich verlassen.“ „Einen schönen Tag noch.“

Hendrik Schulthof arbeitete als freier Journalist und war mit Peter Wendler in den Kindergarten gegangen. Allerdings reichte das Wenige, was er verdiente, gerade dazu, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch deshalb versorgte ihn sein Freund von Zeit zu Zeit mit solchen und ähnlichen Informationen, damit er etwas schneller war als seine festangestellten Kollegen und seine Artikel an den Mann bringen konnte. ­Schulthof schraubte sich aus dem Bett und schlurfte ins Badezimmer. Was ihn dort aus dem Spiegel anblickte, gefiel ihm nicht besonders. Unausgeschlafen. Mit dicken Augenringen. Unrasiert. Aber da musste er durch.

Info
HSK-Bürgermeister als Krimi-Autoren auf Zeit
HSK-Bürgermeister als Krimi-Autoren auf Zeit

Die Criminale nimmt Fahrt auf: Das größte deutschsprachige Krimifestival macht vom 25. bis 29. April im Hochsauerlandkreis Station.

Bereits im Vorfeld dürfen unsere Leserinnen und Leser kriminalistisches Gespür beweisen: Ab heute stellen wir zweimal pro Woche eine neue Folge des Bürgermeister-Krimis vor.

Bürgermeister-Krimi? Alle HSK-Stadtoberhäupter sowie Landrat Dr. Karl Schneider sind für die Criminale zu Krimiautoren auf Zeit geworden und haben Fortsetzungen geschrieben.

Die Vorlage zur Geschichte um die schwarze Hand von Bödefeld stammt von Schriftsteller Jan Zweyer. Diesen Kurzkrimi veröffentlichen wir heute als erste Folge.

Wer hat die schwarze Hand von Bödefeld entführt? Auf der Suche nach dem Täter lassen die Bürgermeister den Journalisten Hendrik Schulthof und Kripomann Peter Wendler als Ermittlerduo durch das ganze Kreisgebiet fahren. Dabei lernen sie Land und Leute kennen, die Sehenswürdigkeiten schätzen und erfahren so manche Kuriosität am Rande.

In 14 Folgen entwickeln die Bürgermeister das Rätsel der schwarzen Hand. Und unsere Leser dürfen gespannt sein auf den detektivischen Spürsinn der Bürgermeister.

Nach einer ausgiebigen Dusche und nur mit einem heißen Instantkaffee im Magen war er eine halbe Stunde später in seinem altersschwachen Golf auf dem Weg nach Bödefeld. Er parkte seinen Wagen direkt vor der Pfarrkirche und marschierte zum Haupteingang. Verschlossen. Kein Wunder, um diese Uhrzeit. Er sah sich um. Vielleicht gab es ja einen Nebeneingang. Er ließ das Gotteshaus links liegen und machte einige Schritte auf ein Fachwerkgebäude zu, das nicht weit entfernt lag. „Suchen Sie etwas?“, rief ihn eine männliche Stimme an. Schulthof fuhr herum. Hinter ihm näherte sich ein Mann, den er im Halbdunkel der Bäume eben anscheinend übersehen hatte. „Ja. Ich würde mir gerne die Kirche ansehen.“ „Jetzt? Es ist noch nicht einmal sieben Uhr. Außerdem ist die Pfarrkirche heute geschlossen.“

„Warum?“ Der Mann senkte den Tonfall, als ob er ein Geheimnis erzählen würde. „Die Schwarze Hand wurde gestohlen.“ Schulthof tat überrascht. „Wegen ihr bin ich gekommen. Das ist ja unglaublich! “ „Nicht wahr. Der Pfarrer hat es gestern Abend bemerkt, als er die Kirche verlassen wollte. Wissen Sie, die Schwarze Hand wird im Eingangsbereich aufbewahrt, direkt gegenüber vom Marienwinkel. Komisch ist nur, dass die Glasscheibe, die die Nische schützt, unbeschädigt ist. Der Täter muss entweder das Schloss, mit der die Scheibe gesichert ist, geknackt haben, oder ...“ Der Mann machte ein wissendes Gesicht. Der Reporter tat ihm den Gefallen und fragte nach. „Oder was?“ „Einen Schlüssel gehabt haben. Na ja. Mal sehen, was die Polizei herausbekommt. Wie es heißt, sollen die Verbrecher ein Lösegeld verlangen.“

Jetzt wurde die Sache interessant. Kein Sammler, sondern eine Art Kunsträuber. Sofern man bei einer abgehackten, mumifizierten Mädchenhand überhaupt von Kunst sprechen konnte. „Wirklich?“ Sein Gesprächspartner flüsterte nun fast. „Und das Dollste ist, der Pfarrer hat einen Erpresserbrief gefunden. Die Gangster wollen 5000 Euro. Heute Abend um sieben Uhr soll die Geldübergabe stattfinden. Auf dem Arnsberger Schlossberg heißt es. Die Polizei will die Täter dort schnappen.“ Davon hatte ihm sein Kumpel allerdings nichts erzählt.

„Und woher wissen Sie das eigentlich alles?“, fragte Schulthof. „Ich bin im Pfarrgemeinderat aktiv. Da erfährt man so einiges.“ Das glaubte ihm der Journalist aufs Wort. Er bedankte sich und stieg in seinen Wagen. Dieses Ereignis würde er sich nicht entgehen lassen.

Jan Zweyer


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