Dank Elektroautos - Spritrechnung auf ein Drittel reduziert

Der Hagener Unternehmer Hans-Peter Scheene hat seinen Fuhrpark auf Elektroautos umgestellt.
Der Hagener Unternehmer Hans-Peter Scheene hat seinen Fuhrpark auf Elektroautos umgestellt.
Foto: Michael Kleinrensing, Westfalenpost
Unternehmer Hans-Peter Scheene stellt Fuhrpark auf Elektroautos um. Doch die Versorgungslage mit Aufladestationen im Hochsauerland ist schwierig.

Hagen.. „Man erlebt schnell, wie sich die Argumente gegen Elektroautos in Luft auflösen.“ Niemand musste den Hagener Unternehmer Hans-Peter Scheene (47) überzeugen, seine Flotte von zehn Autos nach und nach auf Elektrofahrzeuge umzurüsten. Kein Hybrid-, sondern reiner Batterieantrieb. „Wir haben unsere Mineralölrechnung auf ein Drittel reduziert“, sagt Scheene, Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma. „Es gibt Korridore, wo sich das für Unternehmer rechnet.“ 100 000 Kilometer sind die fünf Fahrzeuge, die Scheene ersetzt hat, schon gefahren – zu seiner vollen Zufriedenheit. Strom wird nachts in der Garage getankt; die Reichweite der Fahrzeuge beträgt rund 100 Kilometer.

Südlich und östlich von Hagen, wo das Land beginnt und sich innere Überzeugung und betriebswirtschaftliche Rechnung nicht mehr so harmonisch ergänzen, wird E-Mobilität kritischer gesehen. „Das reine Elektroauto nur mit Batteriebetrieb ist ein Kostenfaktor, der für Privatkunden noch nicht darstellbar ist“, sagt Markus Müller, Klimanetzwerker bei der Bezirksregierung Arnsberg. „Die Politik muss jetzt die Voraussetzungen schaffen“.

Viele Förderprogramme

Die handelt zwar, aber nicht so schnell und umfassend, wie es sich die Elektromobilitäts-Netzwerker vorstellen. „Es sind in NRW sehr viele Förderprogramme aufgelegt, die alle auf das Ziel 2020 ausgerichtet sind – das magische Datum, wenn der Markt von selbst laufen soll“, meint Gerd-Uwe Funk, Berater bei der Energieagentur NRW. Er sieht das Thema vor allem bei gewerblichen und kommunalen Anbietern, also Fahrzeugflotten. Das ist auch in Südwestfalen zu spüren, das bei der Versorgung ein starkes West-Ost-Gefälle aufweist – bei der Zahl der Fahrzeuge wie der Stromtankstellen. Flottenbetreiber sind die regionalen Energieversorger wie Enervie, AVU oder Bigge-Energie, die die Fahrzeuge selbst nutzen und sie vereinzelt Kommunen zur Verfügung stellen. Auch der Ladestecker-König Mennekes aus Kirchhundem hat zu Demonstrationszwecken vier Elektroautos angemeldet: je einen Volvo und Audi als Hybridfahrzeuge sowie je einen Golf und Tesla als reine Elektroautos.

Auf Bundesschnitt

Fahren nun in Südwestfalen vergleichsweise viele oder wenige Autos emissionsfrei durch die Lande? Petra Schaller, Klimaschutzbeauftragte des Märkischen Kreises, sieht die Region genau auf Bundes- und Landesschnitt; 0,02 Prozent des Fahrzeugbestandes fahren rein elektrisch. Von den kreisweit 49 Fahrzeugen dieses Antriebs sind unter anderem 14 in Iserlohn, 13 in Lüdenscheid und fünf in Menden angemeldet. Bei den Hybridantrieben liegen ebenfalls Iserlohn (144) und Lüdenscheid (88) an der Spitze.

Auch bei den Ladestationen, die vielen Elektromobil-Aspiranten wegen der unterschiedlichen technischen Ausstattung und der Abrechnungsmodalitäten Sorge machen, tut sich hier - im Gegensatz zum Hochsauerlandkreis, der immer mehr zur Elektrorad-Region wird, am meisten. Zusätzlich zu den 23 vorhandenen Ladestationen sind laut Schaller 9 weitere im Kreis geplant: in Plettenberg, Werdohl, Meinerzhagen, Kierspe, Halver, Schalksmühle, Altena, Menden und Lüdenscheid. Wie schrieb Petra Schaller 2013 in einem Strategiepapier: „Das Thema ist noch nicht präsent.“ Das könnte sich bald ändern.

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