Daniel Ginczek auf den Spuren von Mario Gomez

Daniel Ginczek (links) und Daniel Didavi klatschen sich ab. Foto:  Imago
Daniel Ginczek (links) und Daniel Didavi klatschen sich ab. Foto: Imago
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
Stürmer Daniel Ginczek ist mit seiner Torgefährlichkeit die große Hoffnung des VfB Stuttgart im Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga. Hinter dem 24-jährigen Neheimer liegt eine Leidenszeit. Und er gab ein pikantes Versprechen.

Stuttgart/Neheim..  Diese Trikotnummer, diese rote 33, lässt so viel Raum für romantische Gedanken. Daniel Ginczek trägt sie auf dem Rücken, wenn er bei Heimspielen die Kluft des VfB Stuttgart überstreift. Obwohl: überstreift? So eng schmiegen sich die modernen Trikots in der Fußball-Bundesliga mittlerweile an die durchtrainierten Oberkörper der Profis, dass Frauen schwärmen und Männer staunen oder grübeln, wie die Balltreter sich erst in die Jerseys zwingen und sich nach den Spielen verschwitzt wieder heraus schälen.

Ginczek, der Mann mit der 33, macht in diesem Punkt keine Ausnahme. Kein Gramm überflüssiges Fett enttarnt der weiße Stoff bei diesem Modellathleten. So wie einst Mario Gomez einer in Diensten des VfB Stuttgart war. Modellathlet und Torjäger vom Dienst. Ein Stürmer, der die Stuttgarter zur Meisterschaft schoss und den sie heute noch verehren. Ein Stürmer, dessen Rückennummer Daniel Ginczek nun trägt. „Zufall“, sagt der aus dem sauerländischen Neheim stammende 24-Jährige und lächelt den letzten Hauch Aberglaube oder Romantik frech weg.

Wenn Ginczek sich auch (noch) nicht auf Gomez’ Spuren sieht, so ist er in dieser heißen Schlussphase der Saison, in diesem noch zwei Spieltage andauernden irren Abstiegskampf doch der Mutmacher, der Hoffnungsträger des Tabellenletzten. Sechs Tore und zwei Vorlagen in den vergangenen sieben Spielen - ohne Ginczek sähe die Stuttgarter Welt anders aus. Trauriger. Viel trauriger.

Ein pikantes Versprechen

„Es geht nicht um Einzelne, sondern um die ganze Mannschaft“, sagt Ginczek und streicht sich mit der linken Hand etwas verlegen über seinen rechten, tätowierten Unterarm. Er befindet sich in einer Zwickmühle: Innerlich müsste er jubilieren, weil seine dauerhafte Rückkehr nach einer monatelangen Verletzungspause (Kreuzbandriss inklusive Komplikationen) als grandios bezeichnet werden darf und zeitlich einher geht mit dem spielerischen Aufschwung des VfB. Das brachte dem Klub allerdings nur bedingt Punkte, so dass äußerlich Demut angesagt ist.

„Die gute Leistung der vergangenen Wochen macht uns heiß auf die letzten Spiele“, sagt der Neheimer also. Und: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden.“ Mit weiteren Toren oder Vorlagen möchte er im Heimspiel am Samstag gegen den Hamburger SV und im Auswärts-Finale beim SC Paderborn dazu beitragen. Denn noch einen Abstieg, so wie Ginczek ihn vor Jahresfrist bei seinem damaligen Verein 1. FC Nürnberg erleben musste, will er nicht mitmachen müssen. Damals war er bereits verletzt und gezwungen, tatenlos zuzusehen, als der Klub in Liga zwei abstürzte. Eine Ausstiegsklausel im noch nicht abgelaufenen Vertrag ebnete ihm anschließend für 2,5 Millionen Euro Ablöse den Weg nach Stuttgart.

Ginczek sagte darüber: „Der Verein hat mich trotz der Kreuzband-Verletzung verpflichtet, dafür bin ich sehr dankbar. Ich will dieses Vertrauen zurückzahlen.“ Nach Monaten voller Qualen, unter anderem bei Sondereinheiten mit Reha-Trainer Christos Papadopoulos im Wald, hat er, um im Bild zu bleiben, die ersten größeren Summen überwiesen. Mit Martin Harnik und Filip Kostic bildet der Sauerländer das Stuttgarter „Dreieck der Hoffnung“, so der Boulevard.

Der entlockte dem 24-Jährigen, der sich seit der Hochzeit mit seiner Frau Wiebke in Remscheid und besonders seit der Geburt von Tochter Lou Carlotta, die bald ein Jahr alt wird, als „erwachsen geworden“ bezeichnet, vor kurzem ein pikantes Versprechen. „Wenn es mit dem Klassenerhalt klappt, bin ich dabei und strippe - aber die Boxershorts darf ich anbehalten!“, so Daniel Ginczek lachend gegenüber der „Sport Bild“.

Gute Laune nach Heimsieg

Huub Stevens, Trainer des VfB, nimmt solche Äußerungen im besten Fall schmunzelnd zur Kenntnis. Im schlimmsten Fall knurrend. Nach dem Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 am vergangenen Wochenende verdeutlichte Stevens aber, dass seine Laune derzeit gut ist. „Es hat Spaß gemacht, die Mannschaft heute anzuleiten“, sagte er - und das lag auch an seiner Nummer 33, diesem Ginczek auf Gomez’ Spuren. Ein Zufall vielleicht, aber hart erarbeitet.