Dämpfer für Hautkrebs-Vorsorge

Sonnenanbeter kennen die Gefahr: Exzessives Bräunen erhöht die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken. Früh erkannt jedoch gilt schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom) als heilbar: Deshalb gehen jährlich acht Millionen Deutsche zur Vorsorge. Doch ein Gutachten lässt jetzt Zweifel an der Wirksamkeit aufkommen.

Das Ergebnis der ersten offiziellen Untersuchung nach Einführung der Reihenuntersuchung 2008 sei katastrophal, berichtete das ARD-Magazin „Kontraste“. Das Gutachten, das vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beauftragt, bestätigte das, was längst diskutiert wurde: „Der eindeutige Nachweis für die Wirksamkeit wäre die Abnahme der Sterblichkeit. Das konnten wir bisher nicht zeigen“, sagt der renommierte Dermatologe Prof. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich.

Meist führten dicke Melanome zum Tod. „Die verpassen wir immer noch trotz Früherkennungsunterkampagnen“, so der Arzt. „Es ist also blanker Zufall, ob man die schnellwachsenden Melanome bei einem Früherkennungstermin erkennt.“ Die entdeckten Tumore seien die, die langsam wachsen und harmloser sind. Durch die Überdiagnose würde viel entdeckt, „das im Leben des Menschen niemals zu einem Gesundheitsproblem oder zu einer Lebensbedrohung geführt hätte“, so Prof. Hans-Werner Hense vom Krebsregister NRW.

Die Krankenkassen unterstützen das Hautkrebs-Screening, „um sich im Wettbewerb Vorteile zu verschaffen“, meint Hautarzt Jürgen Tacke aus Köln. Den Ärzten bringe das Screening Geld – deutlich mehr als die Behandlung kranker Menschen. „Absurd“, sagt Tacke.