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Dachwaage ersetzt Kletterpartie

07.02.2012 | 15:48 Uhr
Dachwaage ersetzt Kletterpartie
Das Schneelast-Mess-System kann Dächer schützen.

Lennestadt.„Das muss doch auch einfacher gehen“, dachte sich Dieter Rauchheld, als er Silvester 2010 aufs Dach der Bilsteiner Schützenhalle klettern musste, um zu prüfen, ob durch die Schneemassen Einsturzgefahr bestand. Deshalb entwickelte er ein Schneelast-Mess-System, das inzwischen auf der Veltins-Arena, der Abfüllhalle der Warsteiner Brauerei und vier Kölner Bahnhöfen steht.

Das ist ein schöner Erfolg für den seit 1983 selbstständigen Elektromeister, dessen Anlage (zum Preis von 3130 Euro netto) erst seit vier Monaten lieferbar ist. Über Absatzzahlen möchte Rauchheld nicht sprechen: „Ist schon in Ordnung“, sagt er nur. Offenbar hat es sich gelohnt, diese spezielle Elektronik-Waage zu entwickeln, sie von einem Werkzeugbauer zeichnen zu lassen, eine Metallbaufirma mit der Fertigung zu beauftragen und beim Patentamt im München ein Gebrauchsmuster schützen zu lassen, um Nachahmungen zu verhindern. „Obwohl es schon ein großer Aufwand war, das alles zu Papier zu bringen“, stöhnt er.

Demgegenüber ist das Prinzip seines Messgeräts simpel: Aufs Dach kommt ein stabiles Schneeauffangbehältnis mit Schlitzen an den Seiten, damit Tauwasser abfließen kann. Unter der Plattform sitzt die Waage, deren Signal per Kabel an ein Messgerät im Inneren des Hauses übertragen wird. An dem kann der Hausbesitzer die maximale Traglast seines Daches einstellen und erhält eine Warnung, wenn die erreicht ist. Oder eine Vorwarnung, wenn er dies wünscht. Die Daten können auch direkt in ein Haustechniksystem oder auf ein Handy geleitet werden.

Das ist eine bequeme Alternative zum winterlichen Dach-Erklimmen, zum Ausstechen eines Schnee-Kegels, zum Wiegen und Umrechnen auf den Quadratmeter. „Die Schneedicke ist ja kein Kriterium“, weiß Rauchheld. „Dazu ist das Gewicht zu unterschiedlich, je nachdem ob es frischer Pulverschnee ist oder eine mehrmals geschmolzene und wieder gefrorene Masse.“

Viel Werbung hat der Konstrukteur nicht gemacht. Es gab einen Artikel in der Dachdecker-Zeitung, und dann hat er 1300 Statiker in ganz Deutschland angeschrieben. Mit wenig Resonanz. Aber wer Schneewaage bei Google eingibt, landet gleich bei Rauchheld. So haben ihn wohl auch die Betreiber der Schalker Arena gefunden. Denen hatte die Stadt Gelsenkirchen nach den schneededingten Rissen in der Dachbespannung, die im Dezember 2010 auftraten, strengere Kontrollauflagen gemacht. Rauchheld bot per E-Mail seine Hilfe an und schickte einen Prospekt, der aber nie ankam. Stattdessen nahmen die Schalker von sich aus Kontakt auf und bestellten zwei Bilsteiner Schneewaagen.

Groß gewartet werden müssten die nicht, betont Dieter Rauchheld: „Man sollte bloß im Sommer mal nach Verunreinigungen suchen und darauf achten, dass kein Storch sein Nest hinein baut.“ Ein Scherz? Nicht ganz. Die Ablaufschlitze sind extra schmal gehalten, um zu verhindern, dass sich Wespen ansiedeln.

Damals, am Silvesterabend 2010, wurde die Bilsteiner Schützenhalle wegen des vielen Schnees gesperrt. „Nach Bad Reichenhall ist man sensibler geworden“, sagt Rauchheld. Und er weiß: Der nächste Schnee kommt bestimmt.

Harald Ries

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