Campo Bahia von der Sonne verwöhnt

Santo André/Attendorn..  32 Grad und ein blauer Himmel. Günter Keseberg hat - „zum neidisch werden“ - den aktuellen Wetterbericht im brasilianischen Dorf Santo André nach Deutschland übermittelt. Die Sonne, so sieht es aus, scheint seit dem WM-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über dem 800-Seelen-Ort an der Ostküste des südamerikanischen Landes - und über dem Campo Bahia, dem Quartier der Weltmeister.

Die WM wirkt nach, sagt Keseberg, gebürtiger Sauerländer aus Attendorn-Neu-Listernohl. Er wohnt zusammen mit seiner Ehefrau Noelia 500 Meter vom Campo Bahia entfernt und erlebt den Aufschwung in Santo André seit dem vergangenen Sommer hautnah mit. „Es ist Geld reingekommen.“ Sichtbares Zeichen sind die vielen Hausbauten und -renovierungen. Und: „Ich habe hier noch nie so viele neue Autos gesehen.“

Die Strommasten neben den Straßen sind noch immer schwarz-rot-gold gestrichen, im Campo Bahia weht weiterhin die deutsche Flagge. „Touristen lassen sich vor dem Hotel-Schild fotografieren“, sagt Keseberg. Sie wollen ihren Lieben in der Heimat zeigen, dass sie dort waren, wo die deutsche Elf den „Geist vom Campo Bahia“ entwickelt hat.

Der Ort des deutschen WM-Quartiers ist zur Touristenattraktion geworden. „Rund um Weihnachten und Neujahr war Santo André so voll, wie ich es in 20 Jahren noch nicht erlebt habe.“ Alle Hotels und Pensionen seien ausgebucht gewesen. Ähnliches gelte für die nächste größere Stadt, dem 28 Kilometer entfernten Porto Selgado. „Dort hatte sich am 26. Dezember die eigentliche Einwohnerzahl von 100 000 verfünffacht.“ Am Flughafen in Porto Selgado stiegen Löw & Co. während der WM in die Maschinen, die sie zu den Spielorten brachten.

Pinscher heißt Podolski

Die deutschen Elite-Kicker haben in der brasilianischen Provinz einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Ihr Benehmen war tadellos. Keiner ist arrogant durch die Gegend gelaufen“, sagt Günter Keseberg. Besonders volksnah hätten sich Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski präsentiert. „Die beiden genießen Heldenstatus im Dorf. Nach dem Lukas wurde sogar ein Zwergpinscher benannt.“

Viele Dorfbewohner haben im Campo Bahia einen Arbeitsplatz gefunden. Der Fußballplatz im Dorf, der mit Hilfe des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) errichtet wurde, ist auf dem besten Weg, im Sinne seiner Bestimmung zu sein. Nach diversen Nachbesserungen „wird der Rasen so langsam“. Überhaupt seien die Aussagen der DFB-Verantwortlichkeiten, über den Zeitraum der WM hinaus sich in Santo André zu engagieren, keine Lippenbekenntnisse gewesen, wie es Keseberg ausdrückt. „Das Dorfschul-Projekt läuft weiter.“

Team-Building für Mitarbeiter

Der gebürtige Sauerländer war zusammen mit seiner Ehefrau zum Neujahrsbrunch im Campo Bahia. „Eine architektonisch wunderschöne Anlage.“ Das Hotel sei überraschend gut ausgelastet, sagt er, in einer Gegend im brasilianischen Hinterland. Er habe ein sehr gemischtes Publikum erlebt: „Deutsche, Amerikaner und wohlhabende Brasilianer.“

Das Campo Bahia sei sehr gefragt, schwärmt Marco Rocchi. Der PR-Manager aus München beantwortet alle Presseanfragen zu dem Ferienresort. Erst in den vergangenen Tagen, erzählt er, sei die berühmteste Fernseh-Moderatorin des Landes („die Oprah Winfrey Brasiliens“) im Campo gewesen. Und insbesondere deutsche Industriefirmen hätten das Anwesen für Team-Building-Maßnahmen entdeckt: „Die Mitarbeiter sollen auf den Spuren des Weltmeisters wandeln, der dort großen Team-Spirit entwickelt hat.“