Bundestrainer Christoph Langen fordert Medaillen bei Bob-WM

Ein derzeit gefragter Gesprächspartner ist Cheftrainer Christoph Langen.
Ein derzeit gefragter Gesprächspartner ist Cheftrainer Christoph Langen.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Ein Jahr liegt das Medaillen-Debakel von Sotschi zurück, ein Jahr, in dem die deutschen Bob-Piloten den Anschluss an die Weltspitze wieder herstellten. Sagt Bundestrainer Christoph Langen. Er erwartet bei der WM in Winterberg mindestens zwei Medaillen.

Winterberg.. Als die ersten Töne der Nationalhymne aus den Lautsprechern schallen, nimmt Christoph Langen Haltung an. Er zieht die linke Hand aus der Hosentasche, er schaut in Richtung des Podiums, auf dem die drei Erstplatzierten stehen und verharrt in dieser Position - nur wenige Augenblicke. Es ist die amerikanische Hymne, welche für den Sieger Brian Shimer abgespielt wird. Ein Kollege Langens auf der Position des Cheftrainers, kein Athlet der deutschen Mannschaft, für die der Bob-Bundestrainer verantwortlich ist.

Immerhin grinst sein Pilot Johannes Lochner als Zweitplatzierter in die zig Kameras und verpasst dem Sieger wenige Augenblicke später eine ordentliche Sektdusche. Der krönende Abschluss einer Kart-Challenge, mit welcher sich die internationale Bob-Elite samt DTM-Fahrer Timo Glock als Gast an diesem Nachmittag in Neuastenberg im Hochsauerland ein wenig Ablenkung verschafft.

Bewährung nach Sotschi

Denn im nur gut fünf Kilometer entfernten Winterberg geht es ab Donnerstag um mehr als um Spaß und einen eher unauffälligen Lorbeerkranz. Der derzeit tief verschneite Wintersportort ist bis zum 8. März Gastgeber der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft, Gastgeber einer WM, bei der besonders die deutschen Bobs unter strenger Beobachtung stehen. Ein Jahr nach der historischen Medaillen-Nullnummer bei den Olympischen Spielen in Sotschi.

„Natürlich ist ein gewisser Druck da“, erzählt Christoph Langen, bevor die Karts ihre Runden drehen. „Und wenn es - aus welchen Gründen auch immer - wieder nicht klappt mit Medaillen, wird die Diskussion vielleicht erneut losgehen“, ergänzt er. Doch der 52-Jährige, der bei der WM 1995 in Winterberg im Zweierbob einen seiner zahlreichen Titel als Pilot gewann, wirkt dabei ziemlich tiefenentspannt.

Denn Langen sieht seine Schlitten-Armada, nie war Deutschlands WM-Team so groß wie in diesem Jahr, gut gerüstet für die Medaillenjagd im Eiskanal an der Kappe. „Wir haben beim Material zu den anderen aufgeschlossen“, sagt er und weist auf die neuen Fahrwerke der meisten deutschen Bobs hin. Außerdem stimmen ihn die Ergebnisse im Weltcup zuversichtlich. „Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Bahn ein bisschen anspruchsvoller ist.“

Kaum Heimvorteil

Das Eis von Winterberg verzeiht diesmal Fehler leichter, so dass der Heimvorteil der Deutschen ein wenig aufgeweicht wird. Trotzdem setzt der Bundestrainer klare Ziele: Mindestens zwei Medaillen erwartet er. Eine von Francesco Friedrich, der als amtierender Weltmeister im Zweierbob startet, und eine von Maximilian Arndt, der vor zwei Jahren im Vierer Gold holte. Dass Anja Schneiderheinze bei den Frauen zu den Medaillenkandidatinnen zählt, streitet Langen ebenfalls nicht ab. „Winterberg liegt ihr und uns generell. Wir haben hier immer gute Erfahrungen gemacht. Wir wollen um die Titel mitfahren“, sagt er.

Dass der größte Teil des Teams noch im Juniorenalter ist, ändert an dieser Vorgabe nichts. „Das ist eine Fohlenmannschaft“, erzählt Langen grinsend, „ich hoffe, dass wir bald viele Rennpferde haben.“ Wenn nicht bei der WM in Winterberg, dann spätestens bei den Olympischen Winterspielen 2018, auf welche alle Planungen ausgerichtet sind. Am liebsten würde Christoph Langen aber bereits am Samstag und Sonntag, wenn die ersten Entscheidungen fallen, bei der Siegerehrung Haltung annehmen - und die deutsche Nationalhymne hören.