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Bürger werfen den Rettungsring

19.05.2012 | 10:00 Uhr
Bürger werfen den Rettungsring

Fröndenberg. Da stehen sie, am Beckenrand, und freuen sich, dass die Schwimmer endlich wieder ihre Bahnen ziehen. Zwei Freibad-Retter, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine, der die Geschichte des Bades im Örtchen Dellwig im Fröndenberger Westen kennt wie kaum ein anderer. Weil er seit der Eröffnung 1975 jeden Sommer im Freibad verbracht hat – bis auf den vergangenen. Der andere ist mit seiner Frau vor zehn Jahren zugezogen. Und wäre da nicht seine Tochter im Grundschulalter, dann hätte er das Freibad in dem kleinen Ort wohl vor der großen Diskussion nicht gekannt. „Ich war vorher vielleicht dreimal hier“, sagt er. „Ich bin nicht der große Schwimmer.“

Seit 15 Monaten haben Werner Sander, der Freibad-Anhänger der ersten Stunde, und Dr. Frank Wendlandt, der Zugezogene, Seite an Seite mit zahlreichen weiteren Dellwiger Bürgern dafür gekämpft, dass ihr Freibad wieder geöffnet wird. Sie haben es geschafft. Sander und Wendlandt sind die beiden Geschäftsführer der Betriebs-gGmbH, die sich derzeit in Gründung befindet, aber voll handlungsfähig ist. Seit zwei Tagen kann wieder geschwommen werden.

2011 war für die Dellwiger kein schönes Jahr. Im Februar verkündeten die Stadtwerke Fröndenberg, dass sie das Freibad Dellwig nicht mehr öffnen würden. Im defizitären Bädergeschäft könne man es sich nicht mehr erlauben, zwei Freibäder für 22 000 Bürger vorzuhalten. Denn im Kernort, in Fröndenberg, betreiben die Stadtwerke ein weiteres Freibad.

Als wäre die Bäderschließung nicht genug für das 2000-Einwohner-Dorf, wurden im vergangenen Jahr auch noch zu wenig Erstklässler an der Grundschule angemeldet, und dann beschloss die evangelische Kirchengemeinde obendrein, eines von zwei Gemeindehäusern im Fröndenberger Westen zu schließen. Es formierte sich breiter Protest, der sich in Bürgerinitiativen kanalisierte, die angetreten waren, die jeweilige Einrichtung zu retten. Wenigstens die Bäder-Freunde können nun einen Erfolg vorweisen.

Die Stunden, die Werner Sander und Dr. Frank Wendlandt in das Projekt Bürgerbad gesteckt haben, können sie nicht zählen. „Aber nur darüber meckern, dass das Bad geschlossen wird, bringt nichts. Es war mir wichtig zu zeigen, dass man ein Konzept nicht nur entwickeln, sondern auch umsetzen kann“, sagt Wendlandt, der wie die meisten seiner Mitstreiter berufstätig ist und mehr als 40 Stunden in der Woche arbeitet. Inzwischen haben sie selbst drei neue Stellen für die Saison geschaffen: eine Vollzeit-Stelle für den Schwimmmeister und zwei Teilzeit-Stellen für Kassiererinnen. Ein zweiter Schwimmmeister wird noch in diesen Tagen eingestellt.

Die Basis für den Bäder-Betrieb liegt im Förderverein Freibad Dellwig, der inzwischen mehr als 400 zahlende Mitglieder hat. Hier fanden sich auch rund 40 Freiwillige, die sich stetig darum kümmern, dass das Bad in einem einwandfreien Zustand ist. Für die engagierten Dellwiger um Werner Sander und Dr. Frank Wendlandt hat sich mit der Wiedereröffnung ein Traum erfüllt. Und jetzt? „Jetzt hören wir auf zu träumen und fangen an zu arbeiten“, sagt Werner Sander.

Birgit Kalle



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