„Brauchen Vielfalt an Baumarten“

Kirchhundem..  Wie kann die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten im heimischen Wald gesichert werden? Für den grünen NRW-Umweltminister Johannes Remmel scheint die Sache klar: indem man Flächen im Staatswald stilllegt (also nicht mehr bewirtschaftet) und diese in eine Naturerbe-Stiftung einbringt. Fred Josef Hansen aus Kirchhundem, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), sieht die Pläne kritisch.

Wo haben Sie einen Dissens mit dem Minister, im Übrigen Parteifreund von Ihnen?

Fred Josef Hansen: Zuerst möchte ich die Gemeinsamkeiten benennen: Richtig ist, dass wir mehr Biodiversität (biologische Vielfalt) brauchen. Über den Weg dorthin sind wir uns uneinig. Die an der Bewirtschaftung des Waldes Beteiligten wie Waldbauernverband, Gemeindewaldbesitzerverband und der BDF waren nicht an der Entwicklung der von der rot-grünen Landesregierung verabschiedeten Biodiversitätsstrategie beteiligt. Dabei verlangt das sehr komplexe Thema Fachwissen und nicht nur politische Willenserklärungen. Die Biodiversitätsstrategie zielt aus unserer Sicht viel zu sehr auf die vermeintliche Schutzwürdigkeit der Buche ab. Aber wir brauchen keine einseitige Fokussierung auf die Buche, sondern eine Vielfalt an Baumarten, um besser auf den Klimawandel reagieren zu können.

Was spricht denn für Sie dagegen, Buchenwälder stillzulegen?

Die Buche ist die zweithäufigste Baumart in NRW, sie muss bis auf Ausnahmen nicht geschützt werden. Und sie hat nicht das Potenzial, um Artenvielfalt zu sichern. Im Gegenteil: Wenn man Wälder nicht mehr naturnah bewirtschaftet, ver­armen sie in Bezug auf bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Die Idee hinter einer Stilllegung von Teilen des Staatswaldes ist ja, Urwälder zu erzeugen. Ich sage aber: Man kann Urwälder nicht ­erzeugen. Der BDF will Biodiversität durch mehr naturgemäße ­Waldwirtschaft erreichen. Das ist sowohl aus Sicht des Naturschutzes als auch finanziell sinnvoll.

Glauben Sie, dass auf diese Weise die Vielfalt der Tierarten verbessert wird?

Alle Welt spricht von der Rückkehr des Wolfes, des Luchses, der Wildkatze, des Bibers und des Schwarzstorches. Allesamt Waldtierarten – das zeigt doch, dass in den Wäldern sehr viel in Ordnung ist.

Der Minister will stillgelegte Flächen in eine Stiftung übergeben. Können Sie das nachvollziehen?

Je nach Papier – Biodiversitätsstrategie oder Koalitionsvertrag –, will das Ministerium die Hälfte oder den gesamten Staatswald in eine Stiftung überführen, nicht nur die stillgelegten. Es gibt für den BDF aber keine schlüssige Erklärung dafür. Wir sind immer davon ausgegangen, dass der Landtag der Souverän ist. Das soll aus unserer Sicht auch so bleiben.

Welche Auswirkungen hätte dies für die waldbewirtschaftenden und holzverarbeitenden Betriebe?

Sie könnten in eine existenzgefährdende Lage geraten. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Wenn nur noch deutlich weniger Holz aus dem Staatswald verkauft werden kann, gehen der Landeskasse auch Einnahmen flöten. Nicht zu vergessen: Stillgelegte Flächen müssen u.a. wegen der Unfallgefahr besonders gesichert werden – was auch Geld kostet. Zudem wird die Erholung im Wald eingeschränkt.

Die Biodiversitätsstrategie ist Grundlage für ein neues Naturschutzgesetz in NRW. Sehen Sie dem hoffnungsfroh entgegen?

Wenn die Grundlagen nicht stimmen, stellt sich die Frage, ob ein darauf fußendes Gesetz zielgerichtet sein kann. Johannes Remmel macht sich ernsthafte Gedanken um den Wald. Aber er kommt zu den falschen Schlüssen, wie denn der Weg aussehen soll.