Bewerberzahlen in Südwestfalen sinken, Stellenangebot wächst

Demografisch bedingt sinken die Bewerberzahlen in Südwestfalen.
Demografisch bedingt sinken die Bewerberzahlen in Südwestfalen.
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Was wir bereits wissen
Halbzeit im Ausbildungsjahr: Südwestfalen auf der Sonnenseite. Eine Lehrstelle pro Bewerber im Siegerland. Insgesamt sinken die Bewerberzahlen.

Hagen/Siegen.. Die Lücke wird kleiner - demografisch bedingt sinken die Bewerberzahlen, und das Stellenangebot wächst. Das ist die wichtigste gute Botschaft der Halbzeitbilanz am NRW-Ausbildungsmarkt. Es gibt aber noch mehr davon, und sie gelten vor allem für die Ausbildungsregion Südwestfalen.

Was heißt das? Die Relation von Angebot und Nachfrage verschiebt sich zugunsten der Bewerber, und ganz besonders stark in Südwestfalen, berichtet Werner Marquis, Sprecher der Regionalagentur für Arbeit in NRW: „Beträgt das Verhältnis von Bewerbern und angebotenen Ausbildungsstellen in NRW gute 1:0,8, so liegt es im Bezirk Siegen bereits bei 1:1,02“.

Starker Ausbildungsbedarf

Das heiße, rechnerisch mehr als eine Stelle pro Bewerber. Zum Vergleich: Das Münsterland muss sich mit 1:0,91 begnügen. Das liege am starken Ausbildungsbedarf mit der Industrie als Treiber, ist Marquis überzeugt. Siegen sei mit 49 Prozent Beschäftigten im industriellen Sektor bundesweit Spitzenreiter, Hagen folge mit 47 Prozent knapp dahinter. „Insgesamt stellt sich die Entwicklung in Südwestfalen sehr günstig dar.“

Die Ausbildungsquoten in Südwestfalen sind traditionell deutlich höher als im NRW-Schnitt von 23,9 Prozent. Sie bewegen sich aktuell zwischen 24,9 Prozent im Bezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer Hagen und 28,4 Prozent in Siegen.

Ausbildungsmarkt Demografischer Bewerberrückgang

Hier ist allerdings auch der Bewerberrückgang demografisch bedingt am höchsten: 9,8 Prozent bei knapp 17 Prozent angebotenen Ausbildungsplätzen mehr. In Hagen (Bewerber: -2,9 Prozent/gemeldete Stellen: -1,0), Meschede (-5,6/+1,5), Iserlohn (-2,6/-8,3) und Südwestfalen insgesamt (-6,2/+3,0) stellt sich die Situation anders dar.

Experten zeigen sich überrascht: „Uns wundert der derzeitige Stand, weil er besser aussieht, als wir ihn nach der Rückmeldung aus den Betrieben erwartet haben“, erklärt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen. Wegen des demografischen Wandels hätten manche Firmen wohl zur Sicherheit die Arbeitsagenturen eingeschaltet. Für eine endgültige Betrachtung sei es noch zu früh.

Unternehmen mit guten Namen

„Die Zahlen werden sich im weiteren Verlauf des Jahres auf dem jetzigen Niveau einpendeln“, ist Thomas Haensel überzeugt, Geschäftsbereichsleiter berufliche Bildung bei der SIHK zu Hagen. Die Unternehmen in der Region hätten gute Namen, und die jungen Leute hätten das verstanden. Er beziffert das Plus an eingetragenen Ausbildungsstellen Stand Ende März sogar mit 14 Prozent für den SIHK-Bezirk und 17,7 Prozent für den IHK-Bezirk Siegen. Zum Vergleich: Bochum verzeichne minus 19,8 Prozent.

Wirtschaft Landesweit hatten sich 104 500 Jugendliche in den vergangenen sechs Monaten bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern in NRW auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz gemeldet - 3,3 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Die Unternehmen gaben 83 800 Ausbildungsplätze an, das sind 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatten im März 2015 17 449 Bewerber - ein Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Bewerberzahl zurückgegangen

Bemerkenswert auch: Nach dem doppelten Abiturjahrgang 2013 und der Nachfolgewelle im vergangenen Jahr ist landesweit die Zahl der Bewerber in allen Schulformen stark gesunken. Mit 14 435 Lehrstellen-Interessenten mit Abitur zählten die NRW-Arbeitsagenturen bis März 7,5 Prozent weniger als 2014.