Bernward Koch komponiert Musik gegen Flugangst

Der Komponist und Multiinstrumentalist Bernward Koch aus Wenden.
Der Komponist und Multiinstrumentalist Bernward Koch aus Wenden.
Foto: Annina Struve
Was wir bereits wissen
Bernward Koch komponiert in Wenden Musik, die weltweit gehört wird. Fluglinien spielen seine Klänge gegen die Angst vor dem Fliegen.

Wenden.. Seine Musik wird weltweit gehört, doch der Komponist und Multiinstrumentalist Bernward Koch wohnt und arbeitet nicht in den Metropolen, sondern im kleinen Dorf Brün in der Gemeinde Wenden. „Meine Inspiration gewinne ich aus der Natur, ich lebe auf dem Land, und das brauche ich auch“, sagt der 57-Jährige. Wer viel fliegt, dürfte seine Klänge kennen. Denn bekannt geworden ist Bernward Koch mit „Musik gegen Flugangst“. „Viele Fluggesellschaften wie die Lufthansa spielen meine Stücke in ihren Bordprogrammen. Und ich werde auch oft darauf angesprochen. Es muss wohl helfen.“

Dass Bernward Kochs Kompositionen eine besonders positive Wirkung auf die Seele haben, attestiert ihm die Weber State University in Ogden/Utah. „Die haben ein Antistress-Forschungszentrum und setzen meine Musik ein. Ich finde es interessant, dass sie meine Werke sozusagen zertifiziert haben.“ Auch zur Therapie von Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen nach Kriegseinsatz dienen seine Songs.

Seminare Heilende Klänge

In den USA ist das Genre der „Healing Music“, also der heilenden Musik, fest etabliert. Hierzulande tut man sich noch schwer mit Begriffen für Kompositionen, wie der Wendener sie schreibt. Die fachübergreifende Forschung im Bereich Medizin und Musik steckt erst in den Anfängen. Die Bezeichnungen Entspannungs- oder Meditationsmusik treffen es wohl am ehesten. Dieses Etikett stört den Musiker nicht. Seine Musik wird gebraucht, das freut ihn, aber sie ist alles andere als Gebrauchsmusik.

Denn die Funktion steht im Schöpfungsprozess überhaupt nicht im Vordergrund. Bernward Koch bezeichnet seine Stücke gerne als Lieder ohne Worte in der Verbeugung vor dem Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Klassik ist ihm ebenso ein Vorbild wie Jazz und Pop. „Für mich ist es ganz wichtig, dass ich eine hochwertige Melodie finde. Ich bin immer auf der Suche nach Melodien, die sich nicht abnutzen, die über den Tag hinaus halten, die Tiefe haben“, erläutert er seine Arbeit. Und eine Melodie, die nicht verwelkt, erkennt man nach einem alten Rezept der Beatles: „Wenn man einen Song im Kopf erarbeitet hat, und er fällt einem am nächsten Tag wieder ein, dann ist er gut.“

Vertrag bei US-Label Real Music

Kochs charakteristische Melodielinien werden fast immer vom Klavier, manchmal auch von Flötenfigurationen geprägt, die seine Frau Christiane Böhm, Flötendozentin an der Drolshagener Musikschule, spielt. Bruder Christoph Koch steuert gelegentlich Percussion und akustische Gitarre bei. Koch selber spielt Klavier, Bass, Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug.

Seit 1998 ist der Sauerländer bei dem US-Label Real Music unter Vertrag. Soeben ist sein jüngstes Album „Day of Life“ herausgekommen, seine inzwischen zehnte Solo-CD, die es in die Vorauswahl zur letzten Grammy-Verleihung schaffte. Das elfte Album ist bereits in Arbeit.

Koch gilt als führender Vertreter seines Genres

Auch auf vielen Kompilationen sind seine Stücke vertreten, zum Teil neben bekannten Komponisten und Interpreten wie Ennio Morricone und Lang Lang. Seine erste Platte „Flowing“ veröffentlichte er 1989 im Erdenklang-Label des Esloher Musikproduzenten Ulrich Rützel, sie war auf Anhieb in den USA erfolgreich.

In Amerika gilt Bernward Koch als führender Vertreter seines Genres. Gilt der Prophet im eigenen Land nichts? „Wenn ich in Deutschland Plattenfirmen hätte, die mich promoten würden, wäre ich hier ein bisschen präsenter, aber im Rest der Welt nicht. Das größte Ziel eines jeden Musikers ist es doch, in den USA zu veröffentlichen, denn das ist einfach der größte Markt. Man muss schon sehr, sehr gut sein, um dort einen Fuß in die Tür zu bekommen, vor allem, wenn man nicht da wohnt.“

Instrumentalmusik Im Musikverein großgeworden

Und so wird Bernward Koch rund um den Globus auf und über dem Erdboden gespielt, und die meisten seiner Fans wären überrascht, wenn sie wüssten, dass diese wie verzaubert anmutenden Klangwelten in Kochs Tonstudio in der alten Schule in Brün entstehen.

Im Musikverein im heimatlichen Wenden-Hünsborn ist Bernward Koch an der Trompete großgeworden. Dann kam der Klavierunterricht. Außerdem hat er in mehreren regionalen Bands gespielt und nach dem Abitur in Köln Musik studiert. Wie man erfolgreich und auf hohem professionellen Niveau komponiert, das bringt einem allerdings kein Professor bei, das muss aus einem selbst kommen. „In erster Linie bin ich Improvisationsmusiker und schreibe Songs. Für mich ist es wichtig, unabhängig zu bleiben und Musik zu kreieren, die alleine wirkt.“

Klangbeispiele gibt es im Internet: www. bernwardkoch.com