Berlin feiert Lehrerin aus der Provinz für Großstadt-Knigge

Touristen in Berlin - ein schwieriges Thema.
Touristen in Berlin - ein schwieriges Thema.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zehn Regeln gibt eine Lehrerin ihren Schülern mit auf den Weg in die Hauptstadt. Die Liste sorgt im Netz für große Freude - nicht nur bei Berlinern.

Berlin.. Mit diesen Benimmregeln im Gepäck kann nichts mehr schiefgehen: Kurz vor der anstehenden Berlin-Klassenfahrt hat eine Lehrerin ihren Neuntklässlern zehn Regeln aufgeschrieben, wie sie sich in der Hauptstadt zu verhalten hätten. Offenbar hat sie einen Nerv getroffen, denn das Netz feiert sie, seit sie den "Berlin-Knigge" veröffentlicht hat.

Dabei handelt es sich keineswegs um revolutionär neue Hinweise; vieles sollte auch pubertierenden Teenagern hinlänglich bekannt sein. So wie Punkt 4: "Man bietet älteren Menschen seinen Platz in der Bahn an." Oder Punkt 2: "Man isst keine übelriechenden Speisen in der Bahn oder im Aufzug."

Knigge-Verfasserin will anonym bleiben

Vielleicht ist es der Tonfall, der zur rasanten Verbreitung des "Berlin-Knigges" beiträgt, vielleicht auch das Spiel mit den Provinz-Klischees, aus der sie und ihre Schüler anscheinend kommen. So schreibt sie in Punkt 8: "Junge, leicht bekleidete Frauen, die euch freundlich ansprechen, sind nicht zwangsläufig einfach nur nett. Vielleicht arbeiten sie auch." Und, noch einmal Thema Verkehr: "Auch innerorts gibt es dreispurige Straßen (in eine Richtung!) Nicht darauf stehen bleiben, auch wenn das Licht für ein Selfie mit irgendeinem C-Promi gerade perfekt erscheint."

Wer hinter der Lehrerin steckt, die sich auf Twitter @MsVerstaendlich nennt, ist nicht bekannt. Im Gespräch mit der "Berliner Morgenpost" bittet sie darum, ihre Anonymität zu wahren. Wer sich in ihrer Twitter-Timeline ein wenig in die Vergangenheit scrollt, findet Einträge, die daraufhin deuten, dass sie in Südwestfalen zu Hause ist - auch wenn sie ein nicht immer ungetrübtes Verhältnis zur Region und ihren Bewohnern zu haben scheint.

Gegenüber der "Morgenpost" schildert die Lehrerin ihre Beweggründe für das Aufsetzen der Benimmregeln: "Ich war schon oft in Berlin, das erste Mal übrigens auf Klassenfahrt, und habe andere Touristen erlebt. Dass Berliner sich genervt fühlen, kann ich nachvollziehen. Ich möchte, dass wenigstens unsere Schüler sich ordentlich verhalten."

Ihren Schülern wünscht sie "ganz viel Spaß, lasst es euch und den Einheimischen gutgehen". Und sie schließt mit: "Bringt mir was Schönes mit". (dor)