Beim Silvesterlauf nach Soest startet Dieter Schenzer zum 33. Mal

Immer geradeaus auf der B1 - der Silvesterlauf gehört für viele Läufer zum letzten Tag des Jahres dazu.
Immer geradeaus auf der B1 - der Silvesterlauf gehört für viele Läufer zum letzten Tag des Jahres dazu.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Über 15 Kilometer führt der Silvesterlauf von Werl nach Soest, Dieter Schenzer aus Soest war seit dem ersten Mal im Jahr 1982 jedes Mal dabei.

Soest.. Dieter Schenzer ist halt ein Mann der klaren Worte. „Die Strecke ist langweilig“, sagt er, „darüber müssen wir gar nicht diskutieren.“ Kurz hinter dem Ortsausgang von Werl biegen die Teilnehmer beim Silvesterlauf nach Soest auf die Bundesstraße 1 ab - und die führt sie Kilometer um Kilometer geradeaus fast bis ins Ziel. An diesem Mittwoch ab 13.30 Uhr zum mittlerweile 33. Mal.

Und zum 33. Mal wird Dieter Schenzer einer von mehreren Tausend Teilnehmern am größten Silvesterlauf Deutschlands sein - obwohl die 15 Kilometer lange Strecke doch so langweilig ist und die Minusgrade einige Mal so tief sanken, dass nicht nur Schenzer mit Eiszapfen im Bart ins Ziel kam.

Ihm geht es wie vielen: Sie sind in gewisser Weise dem Ereignis Silvesterlauf verfallen. Sie sind süchtig nach dem Lauf, der drei Dörfer, zwei Städte und eine ganze Region für einen Tag in seinen Bann zieht. „Besonders in den Ortschaften ist die Stimmung sagenhaft“, sagt Dieter Schenzer und erinnert sich an Bilder ähnlich derer der Tour de France, wenn sich die Radprofis etwa den Berg nach L’Alpe d’Huez hochquälen und die Straße von Zuschauermassen zu einem schmalen Rinnsal verengt wird. So sieht es in Westönnen, Ostönnen und Ampen teilweise auch aus.

Als Schenzer 1982 erstmals den Lauf für den guten Zweck unter die Füße nahm, wagten die Organisatoren von der anschließenden Erfolgsgeschichte nicht zu träumen. „Ich habe auch einfach mal mitgemacht“, sagt der 66-Jährige rückblickend. Sein halbes Leben verbrachte er seitdem am Silvestertag mit immer den selben Abläufen - und vielen Laufkollegen.

Dominik Fabianowski Favorit

„Es sind ja nicht die Spitzenleute, die diesen Silvesterlauf prägen“, sagt der Soester, dessen Bestzeit bei 56:30 Minuten notiert ist. „Diesen Lauf prägen die Läufer im Hauptfeld“, erklärt er. Die Atmosphäre mit teilweise brasilianischen Rhythmen oder Knüppelmusik an der Strecke ist das eine, die Stimmung im Teilnehmerfeld das andere. „Man trifft immer wieder gute Freunde oder Bekannte, da wird angefeuert oder auch mal gefrotzelt“, erzählt Schenzer.

Er hat sich vorgenommen, in diesem Jahr eine Zeit von unter einer Stunde und 30 Minuten zu laufen, „weil ich nach einer verschleppten Grippe erst seit vier Wochen wieder im Training bin“. Den Gewinner wird Schenzer deshalb höchstens am Start oder bei der Siegerehrung zu Gesicht bekommen. Als Favorit gilt Titelverteidiger Dominik Fabianowski (ASV Köln). Bei den Damen dürfte Laura Lienhardt von der SG Wenden weit vorne zu finden sein.

Weil Schenzer die breite Läufermasse als die Seele des Silvesterlaufes ansieht, missfällt ihm allerdings seit Jahren ein Punkt: „Früher wurden auch die Altersklassen-Sieger geehrt. Dass das abgeschafft wurde, verstehe ich nicht, da es so viele starke Läufer in den Altersklassen gibt“, sagt er.

Wolfgang Paul gibt Startschuss

Wie dem auch sei. Wenn der Sauerländer Wolfgang Paul, Fußball-Legende von Borussia Dortmund, um 13.30 Uhr den Startschuss gibt und das Läufer-Pulk auf die 15 Kilometer lange Strecke schickt, ist Dieter Schenzer einer von ganz wenigen, die seit der Premiere keinen Silvesterlauf von Werl nach Soest verpasst haben. „Und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre mit dabei sein werde“, sagt das Urgestein. Wenn auch die Strecke für ihn langweilig sein mag, wird es auf ihr nie langweilig.