Beim Kultweltcup fühlt Stephan Leyhe sich Zuhause

Das Foto zeigt den FSI Skisprungweltcup in Willingen an der Muehlenpopfschanze am Freitag den 30.01.2015. Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices
Das Foto zeigt den FSI Skisprungweltcup in Willingen an der Muehlenpopfschanze am Freitag den 30.01.2015. Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Am Ende war es der 24. Platz - doch die zahlreichen Fans an der Mühlenkopfschanze von Willingen störte es kaum: Sie hatten ihrem Lokalmatadoren zugejubelt, hatten geschrieen und gewunken, damit Stephan Leyhe, wenige Kilometer von Willingen entfernt Zuhause, gute Sprünge hinunterbringt. Zum Auftakt des Weltcup-Wochenendes zeigte sich der junge Mann mit seiner Leistung zufrieden.

Willingen.. Stephan Leyhe zuckt mit den Schultern. Als müsse er sich entschuldigen. Als müsse er jeden Einzelnen der gut 8000 Zuschauer, die in seinem Rücken zum Takt der aus den Lautsprechern wummernden Bässe hüpfen, um Verzeihung bitten. „Wenn ich oben auf dem Bakken sitze, bekomme ich davon einfach nichts mit“, sagt der 23-Jährige. Weder die wild rasselnden Rasseln, noch die hin und her geschwenkten Deutschland-Fahnen oder die tausendfachen Anfeuerungsrufe.

Erst beim Flug hinein in dieses langgezogene „Ziiiiiiiieeeh“ nimmt Leyhe diese stets besondere Atmosphäre wahr, welche beim Weltcup der Skispringer in Willingen herrscht. Beim Kult-Weltcup am Rande des Sauerlandes. Bei seinem Heim-Weltcup, denn Stephan Leyhe startet nicht nur für den SC Willingen, sondern er stammt aus Schwalefeld, das nur rund drei Kilometer von der Mühlenkopfschanze entfernt liegt.

Rang 24 belegt der Lokalmatador am Freitagabend beim ersten von insgesamt drei Weltcup-Springen an diesem Wochenende mit Sprüngen auf 134,5 und 126,5 Meter sowie 217,2 Punkten. Zwischen ihm und dem Sieger Kamil Stoch (147,5/142,5; 276,6) oder dem Drittplatzierten Severin Freund (135,5/146,0; 261,8) liegen Skisprung-Welten. Doch Leyhe ist zufrieden mit seiner Premiere beim Heimspringen. 2012 rutschte er überraschend in die deutsche Mannschaft, weil Michael Neumayer kurzfristig ausfiel – und scheiterte in der Qualifikation.

In der erweiterten Weltspitze etabliert

Mittlerweile steht aber ein anderer Stephan Leyhe auf den überlangen Ski. Einer, der sich nicht nur in der deutschen Weltcup-Mannschaft, sondern sogar in der erweiterten Weltspitze etabliert hat – und die Party zum 20-jährigen Bestehen des Weltcups in Willingen mit seiner Anwesenheit ein weiteres Mal bereichern wird. Beim zweiten Einzelspringen am Sonntag, denn für das Mannschaftsspringen am Samstag nominiert Bundestrainer Werner Schuster am späten Freitagabend Richard Freitag, Severin Freund, Markus Eisenbichler und Marinus Kraus – Leyhe und Michael Neumayer müssen zuschauen.

Einige Jahre sprang der Nordhesse Leyhe in der zweiten Garde der deutschen Skispringer. Immer nah dran am Weltcup-Team, aber selten dabei. Vor dieser Saison gelang ihm schließlich der Durchbruch. Schuster honorierte den Leistungssprung mit der Nominierung für die höchste Serie. Und Sportsoldat Leyhe, der wegen der besseren Trainingsbedingungen mittlerweile in Hinterzarten lebt, sammelte bislang eifrig Weltcup-Punkte. Er ließ sich selbst bei der Vierschanzentournee nicht vom riesigen Rummel beeindrucken und beendete seine Premieren-Tournee als Gesamt-14. „Ein netter Kerl, der nur ein regionales Handicap hat“, sagte Severin Freund grinsend über den 23-Jährigen, „er muss nur beim Schafskopf noch lernen.“

Warten auf den perfekten Sprung

Auch auf der Schanze fehlt ihm noch einiges am perfekten Sprung oder für einen Satz auf das Podium. „Der erste Sprung heute war recht gut“, sagt Leyhe nach dem Wettbewerb. „Den zweiten fand ich auch ganz in Ordnung, da muss ich mal mit dem Trainer sprechen, was nicht gepasst hat.“

Seine Fans in Willingen feiern ihn dennoch. „Wir sind an diesem Wochenende alle ein bisschen Leyhe“, sagt SCW-Präsident Jürgen Hensel bei der offiziellen Eröffnung.

Familie, Freunde und Bekannte aus Schwalefeld halten derweil ein Plakat in die Höhe: „Stephan, wir verLEYHEn dir Flügel.“ Am Sonntag das nächste Mal. Und entschuldigen – entschuldigen muss er sich bei niemandem.