Bahn lehnt Finanzierungs-Angebot für Obere Ruhrtalbahn ab

Hagen/Meschede..  Der Brief ist freundlich, aber enttäuschend: Die Deutsche Bahn lehnt das Angebot des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ab, sich mit elf Millionen Euro an der zweigleisigen Tunnel-Sanierung der Oberen Ruhrtalbahn zu beteiligen. Vielen Dank, aber das reicht uns nicht – so lässt sich das Schreiben von Frank Sennhenn, Vorstand DB Netz AG, an den NWL zusammenfassen.

Wie berichtet müssen drei Tunnel der Strecke Hagen - Kassel zwischen Arnsberg und Meschede saniert werden. Während die Bahn aus Kostengründen eine eingleisige Wiederherstellung der Bauwerke anstrebt, fordern Wirtschaft und Politik vehement die zweigleisige Sanierung, die 21 Millionen Euro teurer wäre. Sie fürchten, die Region müsse ansonsten auf Jahrzehnte Infrastruktur-Nachteile hinnehmen.

„Die verbleibenden Mehrkosten von rd. 10 Millionen Euro sind weiterhin nicht durch betriebliche Notwendigkeiten begründet“, schreibt die Bahn. Der NWL könne aber gerne Mehrverkehre bestellen, „auf deren Basis sich der zweigleisige Ausbau wirtschaftlich darstellen lässt“.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Michael Dubbi, NWL-Geschäftsführer, und kritisierte die „zu kurzfristige“ Planung der Bahn. Eine Auslastungsprüfung bei einem Prognosezeitraum bis 2025 sei nichts wert, da die Sanierung erst nach 2020 abgeschlossen sei. „Hier wird maximal fünf Jahre in die Zukunft geschaut, die Fakten, die dann aber geschaffen werden, betreffen mehrere Generationen.“

Die Politik will die Flinte allerdings noch nicht ins Korn werfen. „Die Region muss nun zeigen, dass sie geschlossen hinter dem Projekt steht“, forderte Dirk Wiese, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Brilon. „Parteipolitik sollte nun in den Hintergrund treten“, sagte er mit einem Seitenhieb auf den CDU-Kollegen Patrick Sensburg, der die Verantwortung für die Finanzierung des Projekts vorrangig bei der NRW-Landesregierung sieht.

Wiese und der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese (Meschede) setzen ihre Hoffnung auf einen Bahn-Gipfel beim Arnsberger Regierungspräsidenten Bollermann am 19. Mai.

Liese hat noch am vergangenen Montag mit einem führenden Repräsentanten der Deutschen Bahn über das Thema gesprochen und „Verhandlungsspielraum“ ausgemacht. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Die Bahn wolle auch vor dem Hintergrund, dass Siegen und Iserlohn zukünftig an das ICE-Netz angeschlossen werden, die mögliche Auslastung der Strecke noch einmal durchrechnen.

Der Zug ist also noch nicht abgefahren. Die Politik will ihren Druck vor dem 19. Mai erhöhen, und über Geld kann man ja immer reden. Die Bahn jedenfalls will offensichtlich noch ein bisschen pokern.