Badarmaturenhersteller: Plagiate kosten bis zu 100 neue Arbeitsplätze

Foto: WP
Badarmaturen sind beliebtes Ziel von Produktfälschern. Bei Dornbracht in Iserlohn sieht man zudem: Auch bei Kunden schwindet das Unrechtsbewusstsein.

Iserlohn.. Original oder Fälschung - egal? Die Einstellung der Deutschen zu geistigem Diebstahl hochwertiger Produkte hat sich offenbar verändert. Einer Umfrage des Meisterkreises zufolge, einer Vereinigung von Luxusmarkenherstellern (Porsche, Lange & Söhne, Chanel und andere) können sich 80 Prozent der Befragten vorstellen, ein Plagiat zu kaufen, berichtet Andreas Dornbracht, Geschäftsführer des Iserlohner Armaturenherstellers Dornbracht, Marktführer im Premium-Segment. Plagiate würden mit zunehmender Selbstverständlichkeit toleriert, Kunden fragten zum Teil gezielt nach, ohne dies als verwerflich zu betrachten.

„Das hat uns sehr überrascht“, sagt Dornbracht. Da gehe es um Status und Herzeigen. „Wir führen das darauf zurück, dass den Kunden die Konsequenzen nicht bewusst sind: Das ist kein Schnäppchen-Vorteil, sondern kostet Arbeitsplätze. Plagiate nützen Herstellern in Ländern, die nicht gerade für herausragende Sozial- und Umweltstandards bekannt sind.“ Es sei nun Aufgabe der Hersteller, die Kunden mit mehr Information dafür zu sensibilisieren.

Massenhaft Plagiate

Anlass für Dornbrachts Sorge ist das Ergebnis der jüngsten Frankfurter Sanitär- und Heizungsmesse ISH. Dort hatten Zoll und Staatsanwaltschaft wie schon in den Vorjahren massenhaft Plagiate geschützter Markenartikel beschlagnahmt: Auf 619 „bedenklichen“ Messeständen stellten die Fahnder 45 Ausstellungsstücke sicher, davon 18 gefälschte Dornbracht-Armaturen vorzugsweise des Armaturen-Klassikers Tara. Vier Fünftel der Nachbauten seien aus China.

Die Dornbracht-Gruppe (1020 Mitarbeiter, 170,3 Mio. Euro Jahresumsatz) ist aber nicht allein Ziel von Nachahmern. Andere südwestfälische Unternehmen aus der Branche ebenso, allerdings in geringerem Maße. Im vergangenen Sommer hatte das Hamburger Hafenzollamt Pakete mit 120 gefälschten Handbrausen der Grohe-Linie „Relexa“ von minderwertiger Qualität beschlagnahmt. Die Warensendung aus China hatte einen Empfänger in Hamburg erreichen sollen. Die Brausen wurden zerstört. Für die Firma Keuco aus Hemer sind Plagiate kein so großes Thema. „Wir haben ein breites Produktspektrum, und unser Design ist schwierig zu kopieren“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

"Ein Kampf gegen Windmühlen"

Die Tatsache, dass Dornbracht besonders von Plagiaten betroffen ist, führt der Geschäftsführer auf den Erfolg der Firma zurück: „Wir haben es geschafft, Design-Produkte auf den Markt zu bringen, die zu einer Art Marken-Standard geworden sind.“ Ein gewisses Marktvolumen müsse vorhanden sein, sonst lohne sich Nachahmung nicht.

Warum aber seit Jahr und Tag Aussteller aus Fernost zur ISH pilgern, um sich dort prompt am ersten Tag vom Zoll erwischen zu lassen und dann um in diesem Jahr insgesamt 51.000 Euro an Sicherheitsleistungen erleichtert zu werden, ist auch Andreas Dornbracht ein Rätsel. „Das verstehen wir auch nicht. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ Es kämen immer neue Firmen nach Frankfurt, die noch keine Erfahrungen mit dem Zoll gemacht hätten. Und die Nachahmer seien nicht nur aus Asien, sondern auch aus Deutschland.

Der Geschäftsführer umschreibt es diplomatisch: „Es gibt Wettbewerber, mit denen wir in fairem Wettbewerb stehen, die auch mal einen Fehler machen. Die plagiieren nicht bewusst.“ Man räume dann die Missverständnisse in beiderseitigem Einvernehmen aus. Dem schließt sich die Keuco-Sprecherin an: Es sei falsch, bei Plagiaten immer nur an Asien zu denken. „Es gibt auch deutsche Firmen, bei denen man große Ähnlichkeiten feststellt.“

Zehn Prozent des Umsatzes

Und der wirtschaftliche Schaden? Dornbracht sagt nur soviel: Es seien etwa „10 Prozent des Umsatzes, die uns durch Plagiate verloren gehen.“ Einen höheren Anteil an Nachahmerprodukten verzeichne nur noch die Uhrenindustrie mit Luxus-Chronometern, so der Geschäftsführer. Eine andere Zahl verdeutlicht das Dilemma: „Wir könnten am Standort Iserlohn bis zu 100 neue Arbeitsplätze schaffen, wenn keine Plagiate unserer Armaturen im Markt wären.“ Dornbracht investiere jährlich 100.000 Euro in eigene Patente, für Markenschutz sowie in Gebrauchs- und Geschmacksmuster.

Und weitere 100.000 Euro, um rechtliche Schritte gegen Produktpiraten einzuleiten.