Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Brauchtum

Auflagen bei Umzugswagen machen Kirmesvereinen schwer zu schaffen

01.06.2012 | 18:26 Uhr
Auflagen bei Umzugswagen machen Kirmesvereinen schwer zu schaffen

Hagen.   Die verschärften Kontrollen nach der Loveparade-Katastrophe machen vielen Veranstaltern zu schaffen. Wurde früher oft ein Auge zugedrückt bei den Sicherheitsbestimmungen, müssen Vereine jetzt alle Auflagen erfüllen. Doch die Bestimmungen des Gesetzgebers sind oft unverständlich.

Als Symbolfiguren gehören die Wolkenschieber zur Hasper Kirmes einfach dazu. Die Männer in Frack und Zylinder sollen beim Umzug für einen blauen Himmel und Sonnenschein sorgen. In diesem Jahr dürfen sie das schlechte Wetter aber nicht von ihren Wolkenschieber-Wagen aus abwehren. Denn dieser ist nur einachsig und damit nicht für die Personenbeförderung zugelassen.

So steht es in den TÜV-Bestimmungen, die rund zwei Wochen vor Kirmesbeginn für Missstimmung im Hagener Stadtteil Haspe sorgen. „Wir verstehen schon, dass die Sicherheit eingehalten wird. Allerdings sollten die Bestimmungen es den Vereinen ermöglichen, ihr Brauchtum weiterhin zu pflegen“, erklärt Dietmar Thieser. Der Präsident des Hasper Heimat- und Brauchtumvereins (HHBV) stößt sich vor allem an der umständlichen Sprache. Im „Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen“ wimmelt es von Paragrafen und Klauseln. „Bei uns sind ja keine Juristen am Werk. Man müsste das mal übersetzen“, fordert Thieser.

150 bis 180 Euro pro Wagen

Die Sicherheitsbestimmungen gibt es übrigens schon länger, doch erst nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg, wurde die Kontrollen verschärft. Im vergangenen Jahr konnte der HHBV die Auflagen noch mühelos erfüllen, doch jetzt stellen sich den Mitgliedern höhere Hürden in den Weg. So kann kein Wagen ohne TÜV-Gutachten auf die Reise geschickt werden. Mit diesem müssen die Vereine dann zum Ordnungsamt, um eine Betriebserlaubnis zu beantragen. Schließlich sollen die Wagen nicht in der Garage bleiben. Der Vorgang ist nicht nur kompliziert, sondern auch teuer. 150 bis 180 Euro werden pro Wagen fällig. „Das kostet die Vereine insgesamt mehrere tausend Euro“, schätzt Thieser.

In Gevelsberg kommt die Stadt für anfallende TÜV-Rechnungen auf. Überhaupt sind die Kirmesvereine in der Nachbarstadt schon weiter, schließlich greifen die verschärften Bedingungen dort schon seit 2011. „Wir sind mit der Sache deshalb vertraut“, betont Michael Sichelschmidt, erster Vorsitzender im Gevelsberger Kirmesverein.

Sicherheit hat Priorität

Auch für ihn hat Sicherheit Priorität. Trotzdem übt Sichelschmidt Kritik am Gesetzestext: „Wir sind doch nur Hobbykünstler. Um das Brauchtum zu pflegen, müssen wir uns jetzt mit so komplizierten Bestimmungen befassen.“

Die Gevelsberger haben für den Umzug am 24. Juni schon vorgesorgt. Die Geländer am Wagen sind einen Meter hoch, zwischen Seitenabdeckung und Boden sind exakt 20 Zentimeter Platz. Alles vorschriftsmäßig, ebenso die Zugbegleiter, die jede Achse sichern.

Eine Tradition mussten die Gevelsberger jedoch aufgeben. Der Doppelwagen wurde vom TÜV aus dem Verkehr gezogen. In der Bestimmung heißt es, dass jeder Traktor nur einen Anhänger ziehen darf. „Das ist für uns schon ein großer Einschnitt gewesen“, sagt Sichelschmidt. Aber Jammern hilft nicht und so versucht der Kirmesverein vom Ein-Anhänger-Gefährt herab Freude an den Straßenrand zu verteilen.

Auch die Kollegen aus Haspe haben trotz der TÜV-Auflagen den Humor nicht verloren. Ihr Wolkenschieber-Wagen fährt am 16. Juni wie gewohnt durch die Straßen – jedoch mit ungewohnter Besatzung. „Wir stellen eine Pappfigur drauf“, sagt Thieser lächelnd. Diese soll dann aber, bitte schön, auch für sonnige Festtage sorgen.

Denis de Haas



Kommentare
Aus dem Ressort
Neun Kühe tot -  Blitzschlag in Schmallenberg-Grafschaft
Tierdrama
Drei Kühe und sechs Rinder sind bei den schweren Gewittern im Schmallenberger Ortsteil Grafschaft am vergangenen Wochenende vom Blitz erschlagen worden. Ein herber Verlust für den betroffenen Biolandwirt. Die Schrittspannung durch die Blitze gilt als Ursache für das Tierdrama im Hochsauerland.
Caritas sorgt sich um Kuchenbasar
EU-Verordnung
Ehrenamtler, die Selbstgebackenes für den guten Zweck verkaufen, befürchten, dass eine neue EU-Verordnung ihnen die Arbeit erschweren könnte , weil sie künftig über Allergene im Gebäck informieren sollen. Bei vereinen herrscht deshalb große Unsicherheit.
Blaue Stunde zum Herbstanfang auf Poesiepfad im Mühlbachtal
Poesiepfad
„Blaue Stunde“ bei Arnsberg-Rumbeck: Der 38. Poesiepfad im Mühlbachtal steht zum Herbstanfang für eine Stunde der Begegnung, mit der Natur und sich selbst. Die Veranstalter laden zu einer besonderen poetischen Reise ein. Der Rundweg der ausgewählten Lyrik führt dabei ins eigene Innere.
Pfarrer fordert Boykott von verkaufsoffenen Sonntagen
Kirche
Der katholische Pfarrer Paul Mandelkow fordert die Katholiken in Fröndenberg zum Boykott verkaufsoffener Sonntage auf. Anlass für seinen Brief war eine Nachfrage der Stadtverwaltung bei Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden. Dechant Mandelkow beließ es nicht beim Abnicken, sondern äußerte Protest.
Wenn der Wespenbussard der Windkraft im Wege steht
Windräder
Es ist nicht so einfach, Atomkraftwerke abzuschalten und dafür Windräder aufzustellen. Möglicherweise ist der Wespenbussard im Weg. Oder der Schwarzstorch. Oder das Landschaftsbild. Gutachten für das Stadtgebiet Meschede zeigen den Aufwand, der betrieben werden muss, bis sich die Rotoren drehen.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos