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Auf Dauer wohl nur zwei Schulformen in der Region

11.01.2012 | 18:18 Uhr
Auf Dauer wohl nur zwei Schulformen in der Region
Die Sekundarschul-Bank drücken sollen ab dem kommenden Sommer viele Fünftklässler in Südwestfalen. Insgesamt 18 Schulträger haben einen entsprechenden Antrag bei der Bezirksregierung gestellt. Foto: Sebastian Widmann/dapd

Hagen.33 Sekundarschulen sollen im Sommer in Westfalen starten - allein 18 davon im Regierungsbezirk Arnsberg. Die neue Schulform scheint in Südwestfalen besonders beliebt zu sein.

Insgesamt 51 Anträge sind bei den fünf Bezirksregierungen in ganz Nordrhein-Westfalen eingegangen, davon im Arnsberger Regierungsbezirk aus folgenden Kommunen: Altena/Nachrodt-Wiblingwerde, Arnsberg (drei Schulen), Attendorn, Bochum, (zwei Schulen), Breckerfeld, Dortmund, Erwitte/Anröchte, Hamm, Netphen, Olsberg, Werl, Werne, Wetter, Wickede, Wilnsdorf.

Wenig gefragt dagegen sind in Südwestfalen die Gesamtschulen: Zwei Anträge aus Finnentrop und Menden sind bei der Bezirksregierung eingegangen. Insgesamt 21 Anträge verzeichnet das Schulministerium landesweit.

Warum aber ist die Sekundarschule in Südwestfalen so gefragt? Bereits für das Pilotprojekt „Gemeinschaftsschule“ hatten sich überdurchschnittlich viele Gemeinden aus der Region beworben. Im ländlichen Raum sei angesichts des Bevölkerungsrückgangs der Handlungsbedarf größer, mutmaßt ein Sprecher des Düsseldorfer Schulministeriums.

„Wir bekommen den demografischen Wandel wohl zu spüren als andere“, spekuliert Wolfgang Fischer, Bürgermeister von Olsberg. Tatsächlich ist die Entwicklung der Bevölkerungszahlen in anderen ländlichen Regionen wie dem Münsterland derzeit noch stabiler als in Südwestfalen.

In Olsberg zum Beispiel hätte die Hauptschule über kurz oder lang wohl geschlossen werden müssen, weil zu wenige Eltern ihre Kinder anmeldeten. „Wir haben hier aber viele gewerbliche Betriebe, die die Hauptschüler als Fachkräfte brauchen“, erklärt Wolfgang Fischer. Die Schule einfach aufzugeben, kam also nicht in Frage. Daher wollte man sie in Olsberg in die Sekundarschule hinüberretten.

Zumal die neue Schulform der Kommune die Chance eröffnet, künftig auch eine Ganztagsbetreuung an der weiterführenden Schule anzubieten, so Wolfgang Fischer. „Das wünschen sich viele Eltern.“ Eine Ganztagsbetreuung sei daher ein Standortfaktor.

„Im ländlichen Bereich ist der Bestand der Hauptschulen nicht mehr zu gewährleisten“, erklärt auch Heinz Joachim Hengstenberg, Beigeordneter in Netphen, warum seine Kommune eine Sekundarschule beantragt hat. Nicht einmal 18 Kinder sind in diesem Jahr zur Hauptschule angemeldet worden. Nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung habe man eine fünfte Klasse einrichten können.

Nicht nur, weil es so wenig Jungen und Mädchen in Netphen gibt. Sondern weil manche davon auch noch nach Siegen zur Gesamtschule abwandern. „Die Hauptschule ist auf Dauer nicht überlebensfähig“, sagt Hengstenberg.

18 Anträge im Regierungsbezirk dürften daher nur der Anfang sein: In der Arnsberger Bezirksregierung erwartet man für das kommende Jahr weitere: „Einige Kommunen haben bereits ihr Interesse signalisiert“, sagt Christoph Söbbeler, Sprecher der Behörde. Auf Dauer werde es im ländlichen Raum ein nur noch zweigliedriges Schulsystem geben, ist Bildungsforscher Bernd Zymek aus Münster überzeugt.

Nina Grunsky

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