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Apothekensterben auf dem Land - Entwicklung in Südwestfalen macht Sorge

13.06.2012 | 18:32 Uhr
Apothekensterben auf dem Land - Entwicklung in Südwestfalen macht Sorge
Die Elseyer- und die Dorfplatz-Apotheke sind die einzigen Apotheken in Hohenlimburg, die künftig am Mittwochnachmittag geöffnet haben. Foto: WP

Arnsberg.   Laut Apothekenkammer sinkt die Zahl der Apotheken in Südwestfalen langsam, aber stetig. Es wird schwerer, für Apotheken, die aus Altersgründen abgegeben werden, einen Nachfolger zu finden.

In Südwestfalen, und hier besonders in den kleineren Städten auf dem Land, werden sich die Patienten auf eine schlechtere Arzneimittelversorgung einstellen müssen. „Hier sinkt die Zahl der Apotheken langsam, aber stetig, und das macht uns Sorge“, sagte Rene Graf; Vizepräsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Arnsberg, wo die 118 Delegierten des Apothekerparlaments erstmals seit 60 Jahren zu ihrer Frühjahrssitzung zusammenkamen.

Nach Grafs Worten ist die Entwicklung zwar noch nicht dramatisch, „aber die Entwicklung geht nach unten.“ So sank die Zahl der Apotheken den Berechnungen der Kammer zufolge in Südwestfalen um neun auf aktuell 382. Während es im Hochsauerlandkreis (von 80 auf 79), im Märkischen Kreis (von 113 auf 111) und im Kreis Olpe (von 38 auf 39) kaum Abweichungen gab, ging die Zahl der Apotheken im Kreis Soest von 84 auf 81 und im Kreis Siegen-Wittgenstein von 76 auf 72 zurück. Hier ist nach Kammerangaben mit einer Apotheke auf 3812 Einwohner auch die geringste Apothekendichte in Südwestfalen zu verzeichnen.

Junge Pharmazeuten scheuen Selbständigkeit

Selten wagen junge Pharmazeuten noch den Schritt in die Selbständigkeit. Der Trend geht zur Filiale. Foto: WAZ FotoPoolFoto: WAZ FotoPool

Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening wies auf die Gründe hin: „Wir stellen fest, dass so gut wie kein junger Pharmazeut mehr den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Zugleich wird es immer schwieriger für Apotheken, die aus Altersgründen abgegeben werden, eine Nachfolge zu organisieren.“ Die übrig bleiben, müssen sich zuweilen strecken. Nach Angaben von Rene Graf hat sich das Einkommen selbstständiger Apotheker seit 2004 nicht mehr verändert und liegt heute in einem Viertel der südwestfälischen Apotheken bei unter 50 000 Euro brutto im Jahr - vor Steuern und sonstigen Abgaben. Und dann ist da noch die wachsende Bürokratie. Konnte Graf nach eigenen Angaben in seiner Apotheke vor Jahren noch 100 Kunden pro Tag und Mitarbeiter bedienen, so sind das heute nur noch 70. Die Apotheker hätten wegen des steigenden Beratungsbedarfs ebenso gut zu tun wie Ärzte, doch während deren Zahl wachse, gehe die der Apotheker kontinuierlich zurück, klagte Graf.

Trend in Westfalen-Lippe geht zur Filiale

Fast jede fünfte der 2171 Apotheken in Westfalen-Lippe wird mittlerweile als Filiale geführt, somit gibt es in der Region nur noch 1763 selbstständige Apotheker. Die sehen sich vor allem von der Politik benachteiligt. Seit der letzten Bundestagswahl seien die Ausgaben für Krankenhäuser um 4,2 Milliarden Euro gestiegen, die Honorare für Ärzte und Zahnärzte um 2,5 Milliarden Euro, monierte Kammerpräsidentin Overwiening. Zugleich habe die Bundesregierung die Apotheken „um 300 Millionen Euro geschröpft.“ Die Krankenkassen betreiben ihrer Ansicht nach das Konzept der „reinen Ökonomisierung“. Es gehe aber immer um kranke Menschen.

Stefan Pohl


Kommentare
14.06.2012
11:42
Apothekensterben auf dem Land
von Alex9 | #2

Das Apothekensterben ist ja offensichtlich politisch gewollt, wobei man über die politischen Gründe nur rätseln kann. Bei einem Honorarvolumen für die Apotheker von nur etwa 4 Mrd. führt eine Kürzung um 7% bzw. 0,3 Mrd. natürlich zu zahlreichen Schließungen kleinerer Apotheken, die inzwischen nicht mehr nur auf dem Land, sondern auch schon in den Städten ins Auge fallen. Man fragt sich, warum beim Apothekenhonorar 7% gekürzt werden musste, für Ärzte und Krankenhäuser in den letzten drei Jahren das Honorarvolumen aber um jeweils 15% (4,5 bzw. 8 Mrd.) ausgeweitet werden konnte. Das ist nicht nur prozentual, sondern auch absolut betrachtet nicht ökonomisch begründbar. Es braucht nicht viel Phantasie um zu ahnen, dass die Politik in ein paar Jahren vor einem Versorgungsproblem stehen wird, wenn auch der letzte potenzielle Pharmaziestudent erkannt hat, dass man als Arzt mindestens doppelt so viel verdienen kann.

13.06.2012
20:32
Apothekensterben auf dem Land
von kpbierie | #1

Wenn Apotheken Apothekerpreise nehmen, ist es nicht verwunderlich, wenn die Internetapotheken boomen.
Bei verschiedenen Internetapotheken bekommt man die Hälfte der Zuzahlung zurück, wenn man an einer Umfrage teilnimmt. Verschiedene rezeptfreie Medikamente bekommt man in den Internetapotheken für die Hälfte. Ausserdem gibt es dort laufend Sonderangebote und massenweise Warenproben. Ausser einem Schlüsselanhänger und einen Jahreskalender habe ich von meiner Apotheke noch nichts bekommen.

Apotheker, macht es den Internetapotheken nach und es gibt auch wieder Zulauf.

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