Annika Nußpickel: „Ein Salto ist schnell gelernt“

Die Trampolinturnerinnen des SV Menden freuen sich auf das Landesturnfest.
Die Trampolinturnerinnen des SV Menden freuen sich auf das Landesturnfest.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das NRW-Landesturnfest in Siegen ist ein Mix aus Spaß und Wettkampf-Ernst. Annika Nußpickel vom SV Menden spricht über Nächte in Klassenzimmern und das Trampolinturnen, das in Siegen ebenfalls auf dem Programm steht.

Menden/Siegen..  Überall herrscht Hochbetrieb, an zig Ecken wird in Siegen das 3. NRW-Landesturnfest vorbereitet, welches an diesem Mittwoch eröffnet wird. Eine der Teilnehmerinnen ist Annika Nußpickel, Jugendwartin der Trampolinturner des SV Menden. Die 23-Jährige erklärt den Reiz der größten Breitensportveranstaltung in NRW und den ihrer Disziplin.


Frau Nußpickel, können Sie mich in drei Sätzen für das Trampolinturnen begeistern?
Annika Nußpickel: (schmunzelt) Ich denke schon. Also: Das Trampolinturnen ist ein super Sport, weil man dadurch ganz viel Körperbewusstsein erlangt. Man turnt in der Luft, man spürt beim Absprung die Geschwindigkeit und ein Salto ist schnell gelernt. Außerdem ist unser Sport vielen durch die Gartentrampoline bekannt, nur dass unsere Trampoline natürlich viel besser sind. Gut so?


Das klingt sehr interessant. Aber wieso sind Ihre Trampoline besser als das, was ich im Garten stehen habe? Das war teuer.
(lacht) Die Wettkampf-Trampoline federn zum Beispiel viel, viel mehr. Sie erfordern außerdem eine ganz andere Körperspannung und machen deutlich mehr Spaß.


Apropos Spaß. Am Mittwochabend wird in Siegen das Landesturnfest eröffnet. Von Donnerstag bis Samstag stehen Wettkämpfe in zig Disziplinen an. Wie groß ist der Spaßfaktor dabei?
Riesig. Das Turnfest ist ein großes Breitensport-Ereignis. Man kommt mit Leuten zusammen, die man bei den eigenen Wettkämpfen nicht trifft. Es gibt eine Messe, es gibt eine Turnfestmeile. Man übernachtet gemeinsam in Hallen oder Schulen. Allerdings versuchen zwei unserer Mädchen auch, Punkte für die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft zu holen.


Behindert eine Nacht mit rund 20 anderen Mädchen oder Jungen in einem Klassenraum nicht die Vorbereitung auf einen Wettkampf?
(lacht) In erster Linie ist so etwas eine schöne Sache für das Vereinsleben, für das Gemeinschaftsgefühl. Wenn man weiß, dass am nächsten Tag ein Wettkampf ansteht, geht man eben ein wenig früher schlafen. Und notfalls hilft etwas immer: Ohropax! Ich bin schon traurig, dass ich nicht in Siegen mitübernachten kann, weil ich arbeiten muss.


Sie sind Trainerin und Jugendwartin Ihres Klubs - werden Sie oft mit dem angeblich verstaubten Image des Turnens konfrontiert?
Ach, unsere Sportart bietet mittlerweile so ein buntes Programm - da ist alles vertreten. Und es ist für jeden etwas dabei, für Jung und Alt. Das Programm des Turnfestes spiegelt diese Vielfalt ja wider.


Kämpfen Sie trotzdem gegen schwindende Aktivenzahlen?
Das ist ja kein Phänomen, das nur das Turnen betrifft. Die Kinder und Jugendlichen sind zum Beispiel immer länger in der Schule, die Ganztagsschule wird populärer und die Zeit knapper, um zum Training zu kommen. Wir haben das Glück, eine etwas ausgefallenere Sportart zu betreiben.


Trampolinturnen ist sogar bei den Olympischen Spielen vertreten...
Seit den olympischen Spielen im Jahr 2000 in Sydney gehört unsere Disziplin zum Programm. Anna Dogonadze gewann 2004 in Athen die Goldmedaille, Henrik Stehlik holte Bronze. Aber wie es mit Randsportarten so ist: häufig gehen sie in den Medien unter. In Siegen bietet sich nun über mehrere Tage eine ziemlich große Bühne. Das ist klasse.


Ist Trampolinspringen eigentlich gefährlich?
Natürlich gibt es ein Verletzungsrisiko, aber wir versuchen, dies zu minimieren...


...durch höhere Hallendecken?
(lacht) Die Hallenhöhe muss mindestens acht Meter sein. Das ist vorgeschrieben. Bei Wettkämpfen werden rund um das Gerät Großmatten gelegt. Außerdem gibt es eine so genannte Schiebematte, die weich wie eine Bettmatratze ist. Sie kann schnell auf das Trampolin geschoben werden, wenn ein Sprung misslingt oder geübt wird. Wir haben viele Jahre ohne Verletzungen hinter uns. Toi, toi, toi.