Angehende Erzieher über Kita-Streik: "Mehr als Basteltanten"

Der Kitastreik aus der Sicht von angehenden Erzieherinnen und Erziehern an der Fachschule in Olpe.
Der Kitastreik aus der Sicht von angehenden Erzieherinnen und Erziehern an der Fachschule in Olpe.
Foto: Ralf Rottmann
Am Freitag haben die Streiks der Kita-Angestellten begonnen. Angehende Erzieherinnen und Erzieher an der Fachschule Olpe hegen viel Sympathie für den Kita-Streik.

Olpe.. Sie wollen nicht jammern. Sie freuen sich ja auf ihren Beruf. Heute beginnen die schriftlichen Abschlussprüfungen. Auf die folgt das Anerkennungsjahr. Dann sind die Absolventen der Fachschule für Sozialpädagogik in Olpe staatlich geprüfte Erzieherinnen und Erzieher und werden größtenteils in Kitas arbeiten. Dort, wo heute, zumindest wenn die Kommunen die Träger sind, ein Streik beginnt. Ein großes Problem für die Eltern. Die Nachwuchskräfte verfolgen den Konflikt allerdings mit großer Sympathie: Sie wünschen sich für ihren Traumjob mehr Geld und Anerkennung.

Eine Kindergärtnerin bespaße die Kinder nicht nur

„In der Öffentlichkeit lebt teilweise noch das Bild von der Kindergärtnerin als besserer Basteltante, die Kinder bespaßt“, benennt Bernard Schmidt das eine Defizit. Er ist Leiter des Berufskollegs des Kreises Olpe, zu dem die Fachschule für Sozialpädagogik gehört. Deren Leiter Jörg Angenendt erklärt, worum es wirklich geht: „Heute steht die Bildung im Fokus, die Sprachförderung und die Inklusion, die Beratung der Familien. Das sind wichtige und anspruchsvolle Aufgaben.“ Die mit einem tariflichen Eingangsgehalt von 2367 Euro honoriert werden. Nach 15 Jahren im Beruf sind es 3289 Euro. Brutto. „Davon kann man keine Familie ernähren“, sagt Felix Heimann (20) .Das dürfte einer der Gründe sein, warum so wenige Männer in den Kitas zu finden sind. Und weshalb will man trotzdem in den Beruf?

Die Antworten der angehenden Erzieherinnen und Erzieher unterscheiden sich nur geringfügig. Man spürt die Begeisterung für die Arbeit mit Kindern, die soziale Einstellung, die Entscheidung für einen Herzblutjob. Von der „unglaublichen Verantwortung, den Grundstein für die Bildung zu legen“, spricht die 21-jährige Anna Wagner. „Es ist so schön, die Kinder aufwachsen zu sehen“, sagt die 21-jährige Christine Bernardy. Kathrin Exner (20) erwähnt die Freude am Feedback, Michael Vitt (23) genießt es, wenn die Kinder lernen und positive Erfahrungen machen, Sarah Klein (24), die in einem Heim arbeiten wird, ist fasziniert von der Entwicklung, die Kinder aus schwierigen Verhältnissen nehmen können.

Wie ein Bachelor-Abschluss

Alle haben mehrere Praktika von insgesamt 16 Wochen hinter sich, manche auch schon eine Berufsausbildung. „Die Fachschule ist Weiterbildung“, erklärt Angenendt. Voraussetzung ist die Fachhochschulreife plus Soziales Jahr oder Beruf plus Fachoberschulreife. Für den Schulleiter steht die Ausbildung auf einer Stufe mit einem Bachelor-Abschluss. „Und im Beruf fängt die Weiterbildung und Spezialisierung erst an.“Deshalb würde er es bedauern, wenn eine bessere Bezahlung nur über eine formelle Akademisierung möglich wäre.

Doch wenigstens bekommen alle Absolventen sicher einen Job. Erzieher sind gefragt, vor allem wegen der zunehmenden Angebote für unter Dreijährige. „Aber leider gibt es fast nur auf ein Jahr befristete Stellen oder Teilzeit“, bedauert Kathrin Exner. „Der Wechsel ist auch für die Kinder blöd“, ergänzt Anna Wagner. Was könnte noch besser laufen? „Die Eltern erwarten immer mehr“, sagt Christine Bernardy, „dabei sollen wir doch die Erziehung nur begleiten.“

Kaum männliche Bezugspersonen

Alex Heimes (23) hat einen Männeranteil von acht Prozent in seinem Jahrgang errechnet. Das steigert sich nur sehr langsam. „Dabei wären mehr männliche Bezugspersonen wichtig“, ist er überzeugt. Doch da ist eben das Geldproblem. Felix Heimann und andere erwägen deshalb ein Studium. Als Sozialpädagogen kämen sie in höhere Gehaltsstufen. In Kinderheimen gibt es immerhin Nacht- und Wochenendzuschläge. Deshalb gehen viele Männer dorthin. Für Anna Wagner wären zusätzliche Stellen wichtiger als eine höhere Bezahlung. Andere Frauen in der Runde widersprechen. Sie möchten schon auch mehr Geld.

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