Als das Öl aus dem Acker quoll

Gronau/Arnsberg..  Die Wunde in der Landschaft ist deutlich zu sehen, aber wie mit allen Verletzungen: Die Narben sollen irgendwann verblassen. Das wird aber noch dauern. Ein Jahr und einen zweistelligen Millionen-Betrag später ist im Gronauer Ortsteil Epe noch lange nichts, wie es vorher war. Das Leck in einem unterirdischen Rohöllager ist zwar gefunden und abgedichtet, der Normalzustand indes noch nicht erreicht. Zumal: Noch immer tritt pro Tag rund ein Liter Öl-Wasser-Gemisch aus dem Untergrund an die Oberfläche.

„Wie ein übergroßer Sandkasten sieht das Gelände aus“, beschreibt Andreas Nörthen, Sprecher der Bergbauabteilung bei der Arnsberger Bezirksregierung, die Landschaft in Epe: Rund 36 000 Tonnen mit Öl verunreinigter Boden sind ausgebaggert und als Sondermüll entsorgt worden; das fehlende Erdreich wird mit Sand aufgefüllt. Von insgesamt 35 000 Quadratmetern Fläche ist bislang etwa die Hälfte rekultiviert worden. „Das erste Grün sprießt“, sagt Andreas Nörthen. Über die Sache wächst Gras.

Unterirdische Mauer

Im Untergrund ist eine Mauer gebaut worden: im Mittel 3,5 Meter tief, sie verläuft entlang einer wasserdichten Tonschicht. Auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern. „Hufeisenförmig“, so Nörthen, umschließt sie die Kavernen. Als „Dichtwand“, wie die Experten das Bauwerk, das niemand sehen kann, nennen. Die Beseitigung der Umweltschäden und die Absicherung der Kavernen laufen nach wie vor. Und das alles wohl wegen einer defekten Verbindung einer Rohrleitung. Ein Rückblick.

Im April 2014 wird im münsterländischen Gronau Öl gefunden. Auf einer Kuhweide. Kein Grund zur Freude, denn: Das schwarze Gold tritt an einer Stelle zu Tage, die schnell klar macht, dass ein riesiger, unterirdischer Rohölspeicher in einem ausgedienten Salzstock oder eine der Rohrleitungen undicht ist. Und die schwarze Flüssigkeit an die Oberfläche steigen lässt. An Kaverne „S 5“ wird später, nach aufwendiger Suche, die Ursache gefunden: „Eine defekte Verbindung“ an der Rohrleitung in 217 Meter Tiefe nennt die als Bergbauaufsichtsbehörde zuständige Bezirksregierung Arnsberg als Ursache und kommt zu dem Schluss: „Es handelt sich nicht um einen systematischen Fehler, sondern um einen Einzelfall.“

Defekte Muffe

Ein Material- oder Verschraubungsfehler an einer Rohrmuffe, also an einem Gewindestück zweier Rohre, hat bei „gebirgsmechanischen Bewegungen“ im Untergrund versagt und zu einem Leck geführt.

„Obwohl es sich um einen Einzelfall handelt, sollen alle Ölkavernen in Epe auf eine doppelwandige Verrohrung umgerüstet werden“, kündigte die Bezirksregierung Arnsberg unlängst gegenüber Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) vor Ort an.

An zwei Stellen, „auf einer Rinderweide und an einem Waldteich“, berichtet Andreas Nörthen, trete immer noch bis zu 1,5 Liter Öl-Wasser-Gemisch pro Tag an die Oberfläche. Obwohl das Leck abgedichtet ist. Es handelt sich um Austrittsreste, die noch immer im Boden sind und die durch „geologische Unregelmäßigkeiten“ im Untergrund langsam, nach und nach erst, aufsteigen. Und abgesaugt werden, sobald sie ans Tageslicht kommen. Eine genaue Prognose, wie lange dies anhalten wird, mag Nörthen nicht geben. Nur so viel: „Das wird wohl für längere Zeit noch so bleiben.“

Teure Beseitigung

Die Kosten für die Beseitigung des Umweltschadens sollen nach Informationen dieser Zeitung inzwischen einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Die Salzgewinnungs-Gesellschaft Westfalen (SGW), die die Kavernen in den Salzstöcken betreibt und an den Energiekonzern BP als Lagerstätte für Erdöl zur Verfügung stellt, sagt dazu nur so viel: „Wir sind gegen solche Schadensfälle versichert.“ Genauer möchte die SGW die Schadenshöhe nicht beziffern.