Als das Grinsen gefror

Sie waren sofort wieder da, die Erinnerungen an den Rausch der Geschwindigkeit. Bäuchlings auf einem Skeleton-Schlitten liegend raste ich vor einem Jahr kopfüber durch die Bobbahn in Winterberg. Ein Selbstversuch im Vorfeld der Olympischen Spiele. Allerdings schickte mich Trainer Uwe Schupp lediglich den halben Eiskanal hinab – zu gefährlich wäre die Fahrt von ganz oben für einen Ungeübten gewesen, zu hoch und unkontrollierbar die Geschwindigkeit.

Bereits beim Probeliegen sank mein anfänglicher Mut rasant, denn der Ernst der Lage offenbarte sich. Links eine Eiswand, rechts eine Eiswand. Der Abstand von der Nasenspitze zum eisigen Untergrund: gefühlt null Zentimeter. Die erste von sieben Kurven nahm ich mit einem zufriedenen Grinsen, in der dritten musste ich mich bereits selbst anfeuern und anschließend erschien mein Verbleib auf dem Schlitten mehrfach ungewiss und pures Glück zu sein. 94 km/h – so lautete meine Höchstgeschwindigkeit auf der halben Strecke. Bremsen oder lenken? Von wegen. Erst der bergauf führende Auslauf stoppte mich.