Alexandra Popp: Müssen gegen Frankreich die Chefs sein

Sie will nicht mehr nur mitjubeln: Alexandra Popp (links) möchte gegen Frankreich ihr Torkonto erhöhen.Foto: dpa
Sie will nicht mehr nur mitjubeln: Alexandra Popp (links) möchte gegen Frankreich ihr Torkonto erhöhen.Foto: dpa
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Im Viertelfinale der WM trifft die Gevelsbergerin Alexandra Popp mit den deutschen Fußball-Frauen an diesem Freitagabend (22 Uhr / live ZDF) auf Frankreich - als Stürmerin. Was gegen Elodie Thomis nicht selbstverständlich ist.

Montreal/Gevelsberg..  Überall Bretterzäune, Baugerüste und Bagger. Doch von dieser merkwürdigen Umgebung lässt sich Alexandra Popp auf dem weichen Kunstrasen vor dem längst noch nicht fertig gestellten Stade de Soccer von Montreal nicht ablenken. Sie übt unverdrossen Abschlüsse, Torabschlüsse. Denn wie das Prestigeprojekt an der Avenue Papineau hinkt die Gevelsbergerin derzeit etwas hinterher. Nicht einem Zeitplan, sondern ihrem persönlichen Torplan bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada.

Plötzlich Verteidigerin

19 Treffer erzielte die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid bislang - und zog souverän in das Viertelfinale gegen Frankreich an diesem Freitag (22 Uhr MESZ/live ZDF) ein. Anja Mittag verbuchte fünf auf ihrem Konto, Celia Sasic ebenfalls. Popp? Eins - erzielt per direkt verwandeltem Freistoß beim 10:0-Triumph gegen die Elfenbeinküste. „Besser als gar keins“, sagt die 24-jährige Stürmerin gelassen und grinst fröhlich, bevor sie ergänzt: „Davon lasse ich mich gewiss nicht herunterziehen.“

Denn nicht nur sie kennt ihre Qualitäten, ihre Bedeutung für die Nationalelf. Auch Silvia Neid vertraut der deutschen Nummer 18.

Popp ist fleißig, sie schafft Räume für ihre Mitspielerinnen. Sie ordnet ihr Ego dem Mannschaftserfolg unter. „Anja und Celia machen das überragend“, sagt sie. Und: „Wir können doch froh sein, dass wir mit so vielen Spielerinnen gespickt sind, die Tore erzielen.“ Neun verschiedene Namen verzeichnet die Statistik.

Wie wenig das Wohl und Wehe der Blondine vom VfL Wolfsburg, die neben der Karriere als Fußball-Profi eine Ausbildung zur Tierpflegerin im Tierpark Essehof nahe Braunschweig absolviert, von selbst erzielten Toren abhängt, zeigte sich bereits im Mai 2013. Damals standen die Niedersachsen erstmals im Finale um die Champions League und trafen an der Stamford Bridge in London auf das französische Top-Team Olympique Lyon. In dessen Dienst: die pfeilschnelle Elodie Thomis.

Nach einem Bänderriss im rechten Fuß meldete sich Alexandra Popp erst kurz vor der Partie wieder fit - und erlebte eine Überraschung. Sie, die Angreiferin, die Nationalstürmerin, wurde von ihrem Vereinstrainer Ralf Kellermann auf die linke Abwehrseite beordert und zur Verteidigerin umfunktioniert. Popp, deren Karriere in der Defensive begann, sollte Elodie Thomis ausbremsen. Der Plan ging auf, den Siegtreffer zum 1:0 erzielte Martina Müller per Strafstoß - und die Gevelsbergerin freute sich dennoch wie Bolle über den Titel.

Sie entscheidet Spiele. Mit Toren oder ohne.

„Als klar war, dass wir auf Frankreich treffen, habe ich zu Tabea Kemme gesagt: Ich hätte schon ein bisschen Bock, wieder hinten links zu spielen“, antwortet Popp, als sie in Kanada auf dieses Kuriosum angesprochen wird.

Ein Scherz. Obwohl Elodie Thomis erneut mit von der Partie ist.

Doch diesmal will Deutschlands „Fußballerin des Jahres 2014“ mit Toren überzeugen, will nicht wie zuletzt fahrlässig mit Chancen umgehen, sondern sie eiskalt nutzen. Viele Möglichkeiten werden sich gegen die starken Französinnen jedoch nicht ergeben, Popp weiß das. Alle wissen das. Deshalb sagt sie: „Wir müssen geduldig sein. Und wenn wir in der 89. Minute treffen, ist es die 89. Minute - und wir gehen als Sieger vom Platz.“

Wer das Tor schießt? Das kümmert sie nicht.

„Wir müssen zeigen, dass wir von Anfang an die Chefs auf dem Platz sind“, sagt Popp. Die Devise ist klar: Den filigranen Französinnen mit aggressivem Vorgehen gleich mal weh tun. Sie bildet als Linksaußen mit Simone Laudehr und Anja Mittag jene lauf- und einsatzfreudige Dreierreihe, die den Gegner früh unter Druck setzt.

Wie ein Auswärtsspiel

„Wir müssen von Anfang an Präsenz zeigen und mit Leidenschaft auftreten. Es wird entscheidend sein, dass wir Frankreich nicht ins Spiel kommen lassen“, verlangt Silvia Neid, die anstelle der gesperrten Saskia Bartusiak in der Innenverteidigung Babett Peter aufbieten wird. Im Olympiastadion, dem Spielort, wartet übrigens ein fast absurd anmutendes Ambiente auf die DFB-Auswahl. Der Oberrang bleibt aus baulichen Gründen gesperrt, der Unterrang wird weitgehend von frankophonen Unterstützern besetzt sind. Macht aber alles nichts. „Ist doch cool, wenn ein ganzes Stadion gegen uns ist“, sagt Alexandra Popp.

Sie lässt sich nicht ablenken. Durch nichts.

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