Äpfel aus Westfalen bleiben in der Region

Hochsaison hat jetzt die mobile Saft-Kelterei von Klaus Schulte und seinem Team.
Hochsaison hat jetzt die mobile Saft-Kelterei von Klaus Schulte und seinem Team.
Foto: Kai Kitschenberg
Die Obsternte läuft jetzt auf Hochtouren. Und der Agrar-Ingenieur Klaus Schulte aus Balve ist mit seiner mobilen Saft-Kelterei im ganzen Land unterwegs.

Balve..  Was Klaus Schulte und seinem Team dieser Tage in die Finger kommt, wird bis zum letzten Tropfen ausgepresst. Mit der brachialen Kraft von 380 bar wird Druck ausgeübt. Gut, dass es sich nur um Obst, in der Hauptsache um Äpfel, handelt, die der Agrar-Ingenieur aus Balve so bearbeitet. Mit seiner Obstpresse auf Rädern ist er dieser Tage in ganz Westfalen unterwegs, um für Privatleute Obstsäfte zu pressen und abzufüllen: vom Münster- bis ins Hochsauerland. Was die geläufige Meinung widerlegt, der westfälische Landesteil sei kein gutes Pflaster für Äpfel, Birnen und Pflaumen.

Die Anbaugebiete

„Die westfälischen Gebiete sind beim Garten- und Obstanbau natürlich nicht zu vergleichen mit dem Rheinland“, ordnet Bernd Dinkhoff, Gartenbauexperte bei der Landwirtschaftskammer, die Verhältnisse im Bindestrichbundesland ein. Wo es bergig ist, ist das Klima einfach rauer. Beim Kernobst komme Westfalen auf „200 bis 330 Hektar Anbaufläche“ beim Steinobst seien es 150 Hektar.

Die Sorten

„Es gibt Sorten, die wachsen auch gut in höheren Lagen“, erklärt Agrar-Ingenieur Klaus Schulte. „Der Gravensteiner taugt nicht für Meschede“, gibt Schulte ein Gegen-Beispiel: Die seit dem 17. Jahrhundert bekannte Apfelsorte aus Dänemark kommt mit dem Klima im Hochsauerland eben nicht klar. „20 bis 30 Sorten“ seien aber sehr wohl auch für höhere Lagen im Sauer- und Siegerland geeignet: die Rote Sternrenette etwa – ein klassischer Apfel für Streuobstwiesen – der Bohnapfel, Boskop oder Prinz Albrecht von Preußen – kurz Albrechts-apfel genannt. Es handelt sich dabei um alte Kultursorten, keine Neuzüchtungen. Ähnliches gilt bei Birnen: Die vielfach bekannte Williamsbirne gedeiht in Südwestfalen eher weniger gut, die Winterkippe schon besser. „Pflaumen wachsen eigentlich in allen Lagen Westfalens“, so Schulte. Von Sauerkirschen rät er ab: „Die sind sehr empfindlich und anfällig für Krankheiten.“ Der Rat des Obstexperten: Lieber auf Süßkirschen setzen.

Die Vertriebswege

„Die meisten Früchte gehen, anders als bei den großen Erzeugern im Rheinland oder im Alten Land in der Elbmarsch, in den Direktvertrieb“, sagt Bernd Dinkhoff von der Landwirtschaftskammer über die wenigen, kommerziellen Obstanbauer in Westfalen, d. h. die Früchte sind als regionales Obst in Hofläden, an Marktständen und in einigen Supermärkten, die regionale Produkte in ihren Regalen haben, zu bekommen. Privatpersonen können sich entscheiden, ob sie ihre Ernte als Früchte verwerten und einlagern – oder Saft daraus machen lassen. Etwa bei „Obst auf Rädern“, einer mobilen Saftpresse, wie sie Klaus Schulte betreibt.

Die Verwendung

Wie viel Saft sich aus dem Obst herausholen lässt, hängt von mehreren Faktoren ab: im Wesentlichen vom Reifegrad und der Größe der Früchte. „In einem kleinen Apfel nimmt das Kerngehäuse relativ viel Raum ein – und da ist nur Luft drin“, erläutert Klaus Schulte. Wer einen Obstbaum im Garten stehen hat, kann mit „bis zu 100 Kilogramm“ an Früchten bei alten und großen Bäumen rechnen. Beim Saftpressen gilt die Faustregel: 60 Prozent vom Gewicht der Früchte kommt in flüssiger Form aus der Obstpresse; der Rest ist platt gedrückte Maische. Eine Ehepaar aus Neuenrade, das mit rund 50 Kilo Äpfeln aus dem heimischen Garten bei Klaus Schulte auf dem Hof Horst in Balve anrückt, fährt zufrieden mit 35 Litern Apfelsaft nach Hause. Die Faustregel stimmt also offenbar.

Der Saft

Ab einer Mindestmenge von 50 Kilogramm verspricht Klaus Schulte seinen Kunden Saft aus den eigenen, mitgebrachten Äpfeln. Das ist ein Grund, warum Maximilian Hoffmann aus Arnsberg zu „Obst auf Rädern“ nach Balve gekommen ist. Zwei Äpfelbäume hat er abgeerntet; die Sorten: Cox und Elstar. Mit über 100 Litern Saft aus diesen Früchten tritt er die Heimfahrt an, abgefüllt in Fünf- und Zehn-Liter Kunststoffschläuchen, die in einen Pappkarton gesetzt werden. Über ein Ventil, mit dem der Einfüllstutzen der Schläuche verschlossen wird, lässt sich der Saft später zapfen. „Bis zu sechs Wochen“ sei der Saft auch nach Anbruch haltbar. Nach dem Häckseln und Pressen ist der Obstsaft zunächst auf 80 Grad erhitzt worden, bevor Klaus Schulte ihn abfüllt. Durch das Pasteurisier-Verfahren „gehen die Hefespuren im Saft kaputt und er kann nicht gären“. Apropos gären: Obstbrand wäre auch noch eine Verwendungsmöglichkeit. Aber das ist eine andere Verarbeitungsform, die ohne Druck auskommt.