A 45-Neubau als Konjunkturprogramm für die Region

Der Neubau der Lennetalbrücke bei Hagen, der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, kostet alleine rund 120 Millionen Euro.
Der Neubau der Lennetalbrücke bei Hagen, der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, kostet alleine rund 120 Millionen Euro.
Foto: Hans Blossey/Archiv
Was wir bereits wissen
  • In den Aus- und Neubau der A 45 fließen 2,2 Milliarden Euro
  • Brückenbauten gehen an Spezialunternehmen
  • Heimische Industrie kann dennoch profitieren

Südwestfalen.. Es geht um eine Investitionssumme von mindestens 2,2 Milliarden Euro, die bis zum Jahr 2030 in den Neubau der Sauerlandlinie A 45 fließen sollen. Von dem Großprojekt mitten in der drittstärksten Industrieregion Deutschlands können durchaus auch örtliche Unternehmen profitieren – trotz europaweiter Ausschreibungen. Der durchgängig sechsspurige Ausbau der Autobahn könne „wie eine Konjunkturspritze“ wirken, sagt Ludger Siebert, Leiter der Regionalniederlassung Südwestfalen von Straßen NRW, die das Mega-Bauprojekt managen, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Beteiligung für heimische Unternehmen

Insbesondere Firmen des Tief- und Straßenbaus, aber auch „technische Büros, Baustatiker und Unternehmen aus der Verkehrstechnik“ könnten von der Baustelle vor der Haustür profitieren, so der Diplom-Ingenieur. Zwar müsse ab einem Auftragswert von fünf Millionen Euro europaweit ausgeschrieben werden; die Lose sollen aber so gestückelt werden, dass eine Beteiligung auch für heimische Unternehmen möglich wird. Und die bringen nach Sieberts Einschätzung einen Vorteil mit: die Nähe zur Baustelle und damit kurze Wege. Allerdings mahnt Siebert auch: „Die Firmen müssen sich rechtzeitig um gutes Personal bemühen.“

Bei den Neubauten der Tal- und Hangbrücken sieht Siebert allerdings wenig Chancen für die heimische Wirtschaft: „Da ist hohe Ingenieurskunst gefragt, die selbst deutschlandweit nur einige wenige Unternehmen überhaupt beherrschen.“ Zumal die Brückenarbeiten als Großprojekte an Generalunternehmen vergeben werden sollen.

Mehr Stellflächen für Lastwagen

Die Sauerlandlinie soll zwischen Siegen und Dortmund durchgängig sechsspurig ausgebaut werden; alle 38 Brücken müssen neu gebaut werden, weil sie inzwischen marode und für das heutige Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt sind.

„Unternehmergeist ist gefragt“

Der sechsspurige Ausbau der Sauerlandlinie inklusive des Neubaus aller 38 Brücken zwischen Siegen und Dortmund gilt als „größtes Straßenbauprojekt nördlich der Alpen“. Das wirft die Frage auf, ob und wie Unternehmen aus Südwestfalen, vor deren Haustür die Großbaustelle liegt, von dem Mammutprojekt profitieren können.

Wie hoch wird der Anteil heimischer Unternehmen an den geplanten 2,2 Milliarden Euro Gesamtkosten ausfallen?

Das lässt sich im Vorfeld nicht beziffern – schließlich müssen alle Arbeiten ausgeschrieben werden. Und die allermeisten auch europaweit. Dennoch haben heimische Unternehmen nach Einschätzung von Ludger Siebert, Leiter der Regionalniederlassung von Straßen NRW, gute Chancen, Zuschläge zu bekommen.

Welche Arbeiten kommen für heimische Unternehmen überhaupt in Frage?

Im Mittelpunkt steht der Neubau sämtlicher Brücken der A 45 zwischen Siegen und dem Autobahnende im Dortmunder Nordwesten. Ein klarer Fall für industrielle Groß- und Spezialunternehmen, von denen es selbst deutschlandweit nur einige wenige gibt. Dennoch: Es gibt etliche Arbeiten und Aufträge, die das Bauhauptgewerbe fordern. Etwa wenn es um Überführungsbauwerke geht, also kleine Brücken, die über die A 45 führen. Oder Wirtschaftswege, die angelegt werden müssen, um die Baustellen überhaupt zu erschließen. Jegliche Art von Erd-, Entwässerungs- und Asphaltierungsarbeiten inklusive Betonzulieferung. Die Herstellung von Parkplätzen oder von Regenrückhaltebecken. Und der Bau von Lärmschutzwänden, zählt Siebert auf; alles Arbeiten „für mittelständische Unternehmen, die sich auch zu Bietergemeinschaften zusammenschließen können“.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen, die sich beteiligen, mitbringen?

„Unternehmergeist ist gefragt“, sagt Ludger Siebert: „Die Firmen müssen sich mit dem Thema Autobahn beschäftigen“. Denn: Es wird im oder neben dem laufenden Verkehr gearbeitet und teils in sehr engen Zeitfenstern. „Die Arbeiten an und auf einer Autobahn sind gefährlicher, als auf einer freien Fläche. Die Firmen müssen sich daher mit dem Thema Arbeitssicherheit beschäftigen“, mahnt Siebert. Und für gutes Personal sorgen. Möglicherweise ist letzteres ein schwieriges Unterfangen. Siebert: „Wer will heute noch auf dem Bau arbeiten?“

Wie werden die Aufträge vergeben?

Alle Aufträge werden europaweit ausgeschrieben – in unterschiedlichen Losgrößen. „Liegt das Los über fünf Millionen Euro Gesamtkosten für das Hauptwerk, dürfen 20 Prozent national vergeben werden“, erklärt Siebert die Rahmenbedingungen. „Der Neubau der Talbrücken Kattenohl und Brunsbecke wird jeweils an ein Generalunternehmen vergeben, weil wir es als Großprojekt behandeln“. Das sind Aufträge, die klar im dreistelligen Millionenbereich liegen werden. Wie auch der Neubau der Lennetalbrücke bei Hagen, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Geschützte Kosten: 120 Millionen Euro. Den Zuschlag dort bekam der Hochtief-Konzern aus Essen, die aber „Nachunternehmen beschäftigen“, darunter „eine Straßenbaufirma aus Dortmund“.

Wer erhält den Zuschlag?

Wie üblich: der preisgünstigste Anbieter. „Den Zuschlag regelt also der Wettbewerb“, sagt Ludger Siebert. Die Angebote werden allerdings nachgerechnet, um sicherzustellen, dass die Anbieter keine unrealistischen Ansätze gemacht haben. Den Zuschlag vergibt dann die Zentrale des Landesbetriebs Straßen NRW, die als Behörde dem Landesverkehrsministerium untersteht; zuvor muss das Bundesverkehrsministerium, das die Gelder aus Bundesmitteln zur Verfügung stellt, zustimmen und eine „Vergabeermächtigung“ erteilen. Ein Widerspruch eines unterlegenen Bieters ist möglich. „Dann ist das Verfahren sofort gestoppt“, erklärt Siebert. Der Fall landet dann vor der Vergabekammer in Arnsberg.

Worin liegt der Reiz für heimische Unternehmen, mitzubieten?

„Es gibt vielfältige, spannende Aufgaben und Arbeiten“, sagt Ludger Siebert. Und es gibt eine rund „20-jährige Perspektive“, hebt der Diplom-Ingenieur auf die geplante Bauzeit ab.

Die Aufträge im Zusammenhang mit dem Neubau der A 45 werden auch auf der Vergabe-Plattform des Bundes, der öffentliche Auftraggeber und Anbieter zusammenbringen soll, im Internet veröffentlicht: www.evergabe-online.de