90-Jähriger fehlen rund 160 000 Euro

Hagen..  Die nette Nachbarin (37) kümmerte sich rührend um die alte Dame (90) im Haus gegenüber. Sie kam zum Putzen, zum Einkaufen und liebend gern auf ein Schwätzchen. Jetzt fehlen der Rentnerin mehr als 160 000 Euro.

„Sie hat mir ihr Geld geschenkt, weil ich sie so gut betreut habe“, behauptet die angeblich so hilfsbereite Nachbarin, die seit gestern vor dem Schöffengericht Hagen angeklagt ist. Es könnte schwer werden, ihr das Gegenteil zu beweisen, weil die 90-jährige Frau im Rollstuhl schwer demenzkrank ist.

„Geld geradezu aufgedrängt“

Allein zwischen Oktober 2012 und Juli 2013 ist die Angeklagte 30 Mal mit der EC-Karte der alten Dame einkaufen gegangen: Ein Laptop, ein iPad, Bettwäsche, Kosmetika, Bekleidung und acht Paar Schuhe – insgesamt für 4900 Euro. Auch hat sie Bargeld abgehoben: 54 000 Euro, „ich durfte das.“

Die Angeklagte, eine Teilzeit-Textilverkäuferin, behauptet, das Geld sei ihr von der 90-Jährigen, die keine Angehörigen mehr hat, geradezu aufgedrängt worden. Weil sie sich über Jahre so rührend um sie gekümmert habe: „Wenn sie mich brauchte, war ich immer für sie da.“

Aus dem Vermögen der alten Dame wurde auch die Mutter der Angeklagten mit Geld versorgt. „Die lebt in Polen, hat nur wenig Rente und kann ihre Medikamente nicht bezahlen.“ Auch der Ehemann der Angeklagten bekam 20 000 Euro ab. Seinen Peugeot Cabrio bezahlte der Autoschlosser mal eben in bar.

Ein handgeschriebener Zettel

Vor wenigen Jahren besaß die alte Dame noch ein Wertpapierdepot für 290 000 Euro. Das wurde plötzlich aufgelöst. Das bemerkte ein aufmerksamer Postbank-Angestellter (28). Er schaltete die Kripo ein: „Irgendetwas stimmt da nicht.“

In der Gerichtsakte befindet sich auch ein handgeschriebener Zettel, auf den sich die Angeklagte beruft. Darauf hatte die demente alte Dame ihrer hilfsbereiten Nachbarin bescheinigt: „Sie konnte Geld abheben nach meinem Wunsch und wie ich es wollte. Ich möchte nicht, dass sie Schwierigkeiten bekommt.“

Am 17. Februar wird der Prozess fortgesetzt. Der Hausarzt der Geschädigten soll befragt werden, ob ihre Demenz zum Tatzeitpunkt schon fortgeschritten war.