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Brand

500.000 Menschen im Siegerland nach Brand ohne Telefon

21.01.2013 | 19:25 Uhr
500.000 Menschen im Siegerland nach Brand ohne Telefon
Es brennt bei der Telekom in Siegen. Noch ahnt niemand, welche Folgen das Feuer hat.Foto: Jürgen Schade

Siegen-Wittgenstein/Olpe.   Wegen eines Feuers in einem Telekom-Gebäude waren am Montag rund 500.000 Menschen im Siegerland vom Kommunikationsnetz abgeschnitten. Sparkassen-Filialen mussten geschlossen werden, Unternehmen konnten ihre Aufträge nicht bearbeiten. Nur langsam normalisierte sich das Netz wieder.

Um 7.30 Uhr quellen dichte schwarze Rauschwaden aus der dritten Etage der Telekom-Vermittlungsstelle in der Siegener Innenstadt. Dutzende Feuerwehrwagen rücken aus. Bis die Feuerwehr zum Brand vordringen kann, vergeht wertvolle Zeit. Denn im Haus muss zunächst der Strom abgeschaltet werden, bevor mit dem Löschen begonnen werden kann.

Eine halbe Million Betroffene

Die Auswirkungen des Feuers sind verheerend. Es kommt zwar kein Mensch unmittelbar zu Schaden. In Siegen-Wittgenstein und Kreis Olpe sowie angrenzenden hessischen Kommunen und im rheinland-pfälzischen Landkreis Altenkirchen sind die Folgen für fast jeden Bürger wahrnehmbar: für mindestens 500.000 Menschen.

Die Banken

Die Telekommunikation ist für Stunden komplett lahm gelegt – jedenfalls für Kunden der Deutschen Telekom. Kein Festnetz, kein Mobilfunk, kein Internet. Bei Banken und Sparkassen geht fast nichts mehr. Geldautomaten versagen ihren Dienst. Auch an Bankschaltern kann kein Geld abgehoben oder eingezahlt werden, da das Buchungssystem darnieder liegt. Findige Lösungen in Wittgenstein: In der Einmann-Sparkassen-Außenstelle in Girkhausen trägt eine Bankangestellte die Ein- und Auszahlungen wieder in das gute alte Kassenbuch ein. „Die werden dann einfach etwas später gebucht“, sagt Andreas Droese, Leiter des Vorstandssekretariats der Sparkasse , der gegen 11.40 Uhr sogar den Normalzustand bei allen Systemen melden kann: „Wir haben alle Verbindungsprobleme über eigene Backup-Leitungen in unseren Rechenzentren gelöst“.

Die Polizei und Feuerwehr

Ein Krisenstab wird eingerichtet. Da stundenlang telefonisch überhaupt kein Notruf möglich ist, besetzt die Feuerwehr in Siegen-Wittgenstein sämtliche 122 Gerätehäuser in Siegen-Wittgenstein mit Personal. Fast 400 Feuerwehrleute sind in der Spitzenzeit im Einsatz. Einsatzfahrzeuge fahren durch Siegener Ortsteile, um die Bewohner per Lautsprecherdurchsage über den Stand der Dinge zu informieren. Sie geben eine Notrufnummer durch, da in Außenbezirken Festnetz und Internet noch nicht stabil funktionieren.

Telekom-Brand
Netzausfall legte gesamten Kreis lahm

Ein Brand bei der Telekom in Siegen hat am Montag Morgen auch die Kommunikation im Kreis Olpe weitgehend lahm gelegt. Ab ca. 7.30 Uhr funktionierten weder Internet und e-Mail, Handys blieben stumm, nur das Festnetz funktionierte in Teilen des Kreises noch.

Die Polizei fordert eine Hundertschaft zur Verstärkung an. Das Konzept: Präsenz zeigen. Viel mehr Streifen als üblich sind unterwegs. Das bleibt bis in die Nacht so, vor allen in den Ortsteilen, die weiterhin kein Festnetz haben.

Gute Nachrichten aus dem Kreis Olpe: Keine technischen Probleme hatten Polizei und Rettungsleitstelle, denn die hängen nicht am Telekom- , sondern am Unitymedia-Kabelnetz. Deshalb wurde die Kommunikation der Polizei in Siegen und der 112-Notruf der Rettungsleitstelle Siegen nach Olpe umgeschaltet. Polizeisprecher Stephan Ommer: „Es gibt bei uns für einen Netzausfall Notfallpläne.“

Die Krankenhäuser

Blickpunkt Stadtkrankenhaus in der Siegener Oberstadt: Während einer Operation am Vormittag benötigen die Ärzte Informationen des Hygieneinstituts, das wenige Kilometer entfernt auf dem Wellersberg liegt. Da telefonisch kein Kontakt möglich ist, wird der Hausmeister losgeschickt, um die Auskunft einzuholen. Erst als er zurückkehrt, kann die OP fortgesetzt werden. Mit Erfolg.

Der Produktionsausfall

„Wir können unsere Mitarbeiter zum Teil nach Hause schicken“, sagt Heinz-Werner Weber, zuständig für die IT des Verbindungselemente-Herstellers EJOT aus Bad Berleburg. Hintergrund ist vor allem der Ausfall des Buchungssystems SAP. „Wir können unsere Standorte von China bis Mexiko nicht erreichen“, so Weber. Die Produktion weiterlaufen zu lassen, mache in einigen Bereichen wenig Sinn: „Wir können einen Teil der Aufträge weder ein- noch ausbuchen.“

Wie lange es dauert, bis die Datenverbindungen wieder hergestellt sind, weiß niemand. „Wir haben einen Werkvertrag mit der Telekom. Achtstündige Ausfälle dürfen maximal einmal im Jahr vorkommen“, so Weber weiter. Doch eine Haftungspflicht der Telekom für Produktionsausfälle ist bei einem Feuer unwahrscheinlich. „Das ist höhere Gewalt. Da bleibt uns nur, den Blick gen Himmel zu richten und zu hoffen, dass der Schaden bis zum Abend behoben ist“, kommentierte EJOT-Geschäftsführer Winfried Schwarz die Situation.

„So ein Ausfall zeigt die deutliche Abhängigkeit von unserer Kommunikationsstruktur, die wir uns selbst geschaffen haben“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Franz-Josef Mockenhaupt.

Der Einzelhandel

Problematisch ist die Situation aber in Geschäften oder an Tankstellen, wo die Kunden nicht per EC-Karte zahlen können. Überall in der Stadt Siegen kleben teilweise selbst geschriebene Zettel an den Kassen, auf denen steht, dass die EC-Kartenzahlung nicht möglich ist. „Die Kunden haben dafür Verständnis“, sagt Oliver Kluth, Assistent der Geschäftsführung beim Lebensmittelgeschäft Dornseifer. 90 Prozent der Kunden zahlen sowieso lieber mit Bargeld.

Die Facebook-Seite

Kein Telefonat, keine SMS, kein Facebook. Für Fachabiturientin Daniela Weiß (19) aus Siegen kommt das schon einer kleinen, privaten Katastrophe gleich. Alle paar Minuten schaut sie normalerweise auf ihr Smartphone. „Das hat mich selbst so genervt, deshalb habe ich es jetzt ausgestellt“, sagt die Schülerin. Ihre Klassenkameradin Deborah Nebe (18) aus Siegen-Birlenbach ärgert sich eher über das ausgefallene Internet: „Ich arbeite viel im Netz und ohne geht es nicht.“

Boris Schopper, Ilka Wiese, Jens Plaum, Lars-Peter Dickel und Volker Ebertz

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Kommentare
22.01.2013
06:35
500.000 Menschen im Siegerland nach Brand ohne Telefon
von Kohlensteiger | #2

omma und oppa musse mitzählen

21.01.2013
23:25
500.000 Menschen im Siegerland nach Brand ohne Telefon
von Juelicher | #1

West 3 nannte heute abend 90.000 Betroffene!
War der WAZ die Zahl nicht reißerisch genug?
Waren die im Artikel genannten Berecihe überhaupt betroffen? Wenn ja, waren sie komplett betroffen? Leben in diesen Bereichen überhaupt insgesamt 500.000 Menschen? Dies ist sehr unwahrscheinlich.

1 Antwort
Im WDR war die Rede von "90.000 Haushalte ohne Telefon".
von noriskjustfun | #1-1

"Haushalte" und "Menschen" ist zweierlei.
Viele Menschen haben außerdem nur noch Handy, und die Mobilfunkverbindungen der TK waren bekanntl. auch weg.
Passt also schon.

Als Betroffener in der Region kann ich sagen, es stimmt. Nicht nur Kreis SI-Wittgenstein, sondern bis rauf nach Meinerzhagen gabs Ausfälle.

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