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Roma

Roma leben am Rand der Gesellschaft

Wer am Elend der Roma in Deutschland verdient
Der Putz bröckelt von den Häuserfassaden, Müll und Unrat liegen auf der Straße. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind viele Roma aus Südosteuropa nach Duisburg-Hochfeld gekommen. Dort fristen sie ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft.Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool

Evelina Rohn ist Sozialarbeiterin in Duisburg. Sie arbeitet für den Verein Zukunft Orientierte Förderung. Dem einzigen Verein in Duisburg, der Kontakte zu Roma unterhält und sich vor Ort auskennt. Evelina Rohn berichtet, dass vor kurzem ein junges Mädchen, vielleicht 13 Jahre alt, in einer Toilette in einem Café in Hochfeld gefunden wurde. Das Mädchen saß da und weinte. Es sagte, es sei aus Bulgarien entführt worden. Die Polizei in Duisburg brachte das Mädchen in ein Kinderheim, sagt Evelina Rohn. Dann habe sich die Polizei bei den Behörden in ­Bulgarien erkundigt. Dort hieß es, das Kind sei rechtmäßig in Deutschland. Die Eltern hätten eingewilligt. Evelina sagt, sie habe sich um das Mädchen kümmern wollen. Doch das Kind sei verschwunden, einfach weg. Evelina Rohn gesteht, sie habe Angst um das Mädchen.

Die Roma sind leichte Opfer. Das Zentrum für Demokratiestudien in Bulgarien schreibt: „Weil den Roma der Weg in die normale Gesellschaft weitgehend verbaut ist, hat sich unter ihnen eine Schattenelite gebildet, die sich auf ihre Erfolge unter anderem in der Kriminalität stützt.“

Todesstrafe gegen König Kiro

Dieser Fakt führe zu Missverständnissen. Es sei genauso falsch, die Verbrechen der Roma mit der sozialen Misere allein zu erklären, wie die Roma-Clans als kriminelle Organisationen insgesamt abzuschreiben. Vielmehr seien die Roma in ein Gesellschaftssystem eingebunden, das ihnen auch mit kriminellem Handeln das Überleben ­sichert. An der Spitze des Systems steht ein eigener Rat, der Kris ­Romani, auch „meshere“ genannt. Dieser Rat sei für die Roma eine Art Regierung und Gericht mit eigenen Gesetzen und Gebräuchen.

Gesellschaft
Roma-Integration:  Von Berlin-Neukölln lernen

Angesichts der Armutswanderung von EU-Bürgern aus Südosteuropa nach Westeuropa fordert die EU-Kommission Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland auf, sich mehr um die Integration der Migranten zu kümmern. Ein Berliner Problemstadtteil macht vor, wie Roma-Familien in den Alltag einbezogen werden.

Was passiert, wenn der Rat seinen Daumen senkt, zeigt das Schicksal von König Kiro. Im Winter 2012 ­haben seine Männer einen 19-Jährigen Jungen getötet, einen Bulgaren. Es kam zu Ausschreitungen. Der Rat wollte für Ruhe sorgen. Er hat deshalb die „Todesstrafe” über ­König Kiro verhängt. „Kein Roma wird jemals wieder für König Kiro einstehen”, sagte ein Vertreter des Rates. Fast gleichzeitig wurde König Kiro von der bulgarischen Polizei verhaftet. Momentan sitzt er in Haft und beteuert seine Unschuld.

„Euch gibt es doch gar nicht“

In Duisburg-Hochfeld hatte Juri einen schlechten Tag. Er hat auf dem Bau gearbeitet, für eine tür­kische Firma. Er hat Fenster eingesetzt und Türen getragen. Es sollte 30 Euro Lohn geben. Das hätte gereicht, seine Familie satt zu machen. Aber der Unternehmer hat nicht gezahlt. „Der Türke hat gesagt, geht doch zur Polizei. Ihr habt hier keine Rechte. Ihr habt nicht mal einen Vertrag. Euch gibt es gar nicht.“

Juri sagt, er kenne König Kiro. Aber er wisse nicht, ob der Einfluss in Duisburg habe.

David Schraven

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