Zwischen den Fronten
14.04.2010 | 20:26 Uhr 2010-04-14T20:26:00+0200
Essen.Im Prozess um die Todesschüsse auf ein Gelsenkirchener Mitglied der Rockerbande „Bandidos“ sagte am Mittwoch unerwartet doch eine wichtige Zeugin aus. Die 25-Jährige soll für den Angeklagten der Anlass gewesen sein, seinen Nebenbuhler zu töten.
Der Angeklagte stellt sein Grinsen ein, als sie den Saal betritt, fast besorgt blickt er das Mädchen an, das er übers Internet kennen gelernt hat. Dem er eine Wohnung besorgte und einen Job: „In einem Bordell“, sagt die 25-Jährige leise, mancher hatte es geahnt – dass es gar nicht um Gefühle ging in dieser Sache, sondern um Geld. Die Zeugin aber hatte wohl Gefühle, Eschli sei ihr „Traummann“ gewesen; es ist der Moment, da Timur sein Lachen wiederfindet.
Freunde oder Feinde?
Möglich, dass die junge Frau gar nicht begriffen hat, zwischen welche Fronten sie damit geriet – das bleibt auch für Außenstehende schwierig. Ein Mädchen aus der Berliner Bandido-Szene, das im Ruhrgebiet an einen Hells Angel gerät, aber einen Bandido liebt. Einen, der in der Hauptstadt Freunde hat, aber offenbar auch Feinde. Jedenfalls berichtet die Zeugin, wie die „Gruppe” ihr den Kontakt verbot, wie sie „Stress bekam” und nun wegen ihrer Aussage erneut unter Druck geriet.
Angeblich sind ihre Berliner Bandidos inzwischen „Engel“ geworden, wovon man selten hört. Angeblich gab es Tage vor den Todesschüssen Streit zwischen Duisburg, Berlin und Timur A. Schwer zu durchschauen, ebenso schwer zu erfragen: Mehrfach muss Richter Joachim Schwartz die Zeugin ermahnen, ihr das „Gezicke” untersagen. „Wechselspiel” nennt er ihren Umgang mit den beiden Männern, die sie voneinander fern hielt. Am Tatabend traf sie sich mit dem einen: Timur, wegen des Bandenstreits „auf 180“ und mit einer Waffe im Hosenbund. Und verabredete sich danach mit Eschli, der ein Messer bei sich trug. Doch der ging nicht mehr an sein Telefon. Durch das Läuten des Handys hörte die Freundin die Schüsse.
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