Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Unfälle

Zur Not kommt Christoph Dortmund - Rettungshubschrauber gefragt wie nie

02.07.2012 | 17:34 Uhr
Zur Not kommt Christoph Dortmund - Rettungshubschrauber gefragt wie nie
Notarzt Dr. Andreas Borgmann während eines Fluges zum Einsatzort.Foto: Matthias Graben

Dortmund.   Für den Rettungshubschrauber Christoph Dortmund und seine Besatzung gibt es immer mehr zu tun. Weil es unten am Boden an Notärzten mangelt. Der am Dortmunder Flughafen stationierte Helikopter wird von der Feuerwehrleitstelle in Dortmund in den Notfall-Bedarfsplan mit eingebunden.

Andreas Borgmann, der Notarzt, schiebt die Tür des Hubschraubers schon auf, da ruckelt der noch bedrohlich nah über die Dächer dieses Firmengeländes. Rettungseinsatz in Schwerte. Keine zehn Minuten ist es her, dass der Notruf in der Station von Christoph Dortmund einging, nun lehnt sich Borgmann raus, um das Terrain zu sondieren und dem Piloten zu helfen, einen Landeplatz zu finden. Deutschlands Rettungsflieger sind gefragt wie nie zuvor. Weil es unten, am Boden, an Notärzten mangelt, kommt die Hilfe immer häufiger vom Himmel.

Da stehen sie nun und staunen, wie sich der rot-weiße Hubschrauber mit Getöse und viel Wirbel gen Boden drückt. Ihr Kollege hatte plötzlich einen Anfall, krampfte minutenlang und rutschte vor ihren Augen vom Lastwagen. Ein Notfall, keine Frage. Aber dieser spektakuläre Einsatz, der überrascht sie schon. Und während der Bruder des Patienten noch schockiert berichtet, dieser sei eigentlich völlig gesund, nehme auch keine Medikamente, hat Borgmann den Mann schon erstversorgt. Auf schnellstem Weg solle der nun in die Neurologie des Unnaer Krankenhaus transportiert werden.

Im Osten Dortmunds, auf dessen Flughafen, ist dieser Christoph stationiert und täglich von acht Uhr morgens bis Sonnenuntergang im Einsatz. Einer von 50 Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern der Deutschen Rettungsflugwacht in Deutschland, Österreich und Dänemark. Gemeinsam mit den Rettungsfliegern des ADAC absolviert die in Deutschland die meisten Flüge dieser Art. In Dortmund stiegen die Piloten, Notärzte und Rettungsassistenten im vergangenen Jahr fast 700mal in die Luft.

Verlegung von Intensiv-Patienten

Und immer öfter geht es dabei nicht um die eigentliche Aufgabe von Christoph Dortmund, um die Verlegung von Intensiv-Patienten aus dem Ruhrgebiet in Spezialkliniken irgendwo in Deutschland.

So wie an diesem Morgen. Es ist 10.03 Uhr, als der erste Notruf eintrifft, als Pilot Fred Rosenkranz die Turbinen anlässt, während Rettungsassistent Tobias Lütke-Uphues noch kurz im Computer den Einsatzort checkt. In einer Tierarztpraxis in Lüdenscheid ist ein älterer Mann zusammengebrochen.

Die fliegenden Ärzte sind schnell einsatzbereit

Ein eingespieltes Team: Die Handgriffe sitzen, die Aufgaben sind klar verteilt. Helme auf, Gurte angelegt, der Rotor schraubt sich auf Touren. Ein kurzer Kontakt noch zum Dortmunder Tower, schon hebt Christoph mit eleganter Kurve ab.

Fast eine Stunde wird ihr Einsatz dauern. Der ältere Mann ist kollabiert, blutet stark, weil er sich im Sturz am Kopf verletzt hat. Christoph Dortmund bringt ihn ins Lüdenscheider Klinikum. Wieder war kein Notarzt am Boden so schnell einsatzbereit wie die fliegenden Ärzte. „Man spürt, dass die Standorte am Boden stark ausgedünnt worden sind. Eine Folge des Ärztemangels“, erklärt Andreas Borgmann.

Waldarbeiter geborgen

Borgmann, 45, ist eigentlich Anästhesist in einem Soester Krankenhaus, arbeitet nebenberuflich bei den Rettungsfliegern. Er liebt den Job im Hubschrauber. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Obendrein macht die Fliegerei Spaß“, sagt er. 20 Jahre war er für die Bundeswehr tätig, oft in Krisengebieten. Nun hat er seine Arbeit im Krankenhaus reduziert, um zwei Tage im Monat den Dienst in Christoph Dortmund zu absolvieren. Abwechslungsreich tatsächlich, das ist diese Aufgabe. Beim Unglück auf der Loveparade waren die Flieger ebenso im Einsatz wie bei vielen Unfällen auf der nahen A 2.

Vor allem aber werden die Dortmunder angefordert, wenn es um den Transport von Intensiv-Patienten in Spezialkliniken geht. Babys, die zu Herzoperationen geflogen werden müssen. Unfallopfer, bei denen Minuten über Leben und Tod entscheiden. „Wir müssen damit leben, dass unsere Einsätze oft negativ ausgehen“, sagt auch Rettungsassistent Tobias Lütke-Uphues und: „Man darf das nicht so nah an sich rankommen lassen“.

Schwerverletztes Baby

Nicht immer gelingt das. Besonders dann, wenn kleine Kinder verunglücken. Vor Monaten erst flog Lütke-Uphues ein Baby in eine Spezialklinik nach Köln. Es war bei einem Autounfall in seinem Sitz durch die Frontscheibe geschleudert worden. „Ich war kurz zuvor selbst Vater geworden“, sagt der Rettungsassistent und erzählt, wie sehr es ihn mitgenommen hat, am Tag darauf zu erfahren, dass das Baby nicht überlebt hatte.

Aber es gibt auch glückliche Ausgänge. Kürzlich entdeckten sie im Sauerländischen nach langer Suche aus der Luft einen Waldarbeiter, der sich ins Bein gesägt hat. Lütke-Uphues: „Da gab es keine Straße und keine Hausnummer, stattdessen einen Landeplatz im Morast. Ein Rettungswagen wäre da nie hingekommen“.

Hayke Lanwert



Kommentare
03.07.2012
20:36
Zur Not kommt Christoph Dortmund - Rettungshubschrauber gefragt wie nie
von Matthias.s | #1

Es wird immer wieder ein Ärztemangel beklagt aber die Leute werden trotz Abi 1,0 Schnitt nicht unbedingt an den Unis angenommen.

Aus dem Ressort
Giftige Tiere im Haus werden verboten
Landesregierung
Nordrhein-westfälische Tierhalter sollen künftig keine giftigen Tiere mehr im Haus haben. Für andere, nicht ganz so gefährliche, wird eine Meldepflicht eingeführt. Denn in den letzten Jahren ist die Feuerwehr immer häufiger alarmiert worden wegen Schlangen und Skorpionen. Auch im Ruhrgebiet gab es...
102-Jährige übt für Tanzwettbewerb eines Seniorenstifts
Späte Stars
Mit einem Filmkalender machten die Contilia-Seniorenstifte zu Jahresbeginn weltweit Furore. Nun starten sie mit ihren Bewohnern ein Tanzprojekt, das sich an TV-Formate wie Let’s Dance anlehnt. Da tanzt die 102-Jährige mit einem 25-Jährigen. Der Contest wird sogar im GOP-Theater über die Bühne gehen.
Theaterpassage wird für Gastro-Kette Okinii umgebaut
Restaurant
Ein japanisches Szene-Lokal der Restaurant-Kette Okinii zieht ins Einkaufszentrum am Hirschlandplatz. Es soll der Theaterpassage den erhofften Besucher-Zuwachs bringen. Ein weiterer Mieter mit langer Tradition verlässt dagegen die Passage, in der auch ein Vapiano-Restaurant untergebracht ist.
Vorbestrafter Sex-Täter gesteht neue Vergewaltigung
Prozess
Die Beweislage ist recht eindeutig. Mitten in der Nacht flüchtete die Frau aus der Wohnung des Angeklagten. Ohne Kleider, völlig nackt, schellte sie zwei Häuser weiter und bat um Hilfe. Seit Montag muss sich der einschlägig vorbestrafte Gelsenkirchener Dirk B. wegen Vergewaltigung verantworten.
79-jährige Wittenerin geknebelt und mit dem Tod bedroht
Überfall
Vier maskierte Männer haben eine 79-jährige Herbederin am frühen Montagmorgen (20.10.) brutal überfallen und ausgeraubt. Sie rissen ihr Opfer aus dem Schlaf, fesselten die Frau und drohten ihr - bewaffnet mit einem langen Messer - mit dem Tod. Vermutlich hatten die Gangster das Haus ausspioniert.
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

 
Fotos und Videos