Zum Sterben schön
30.10.2008 | 10:21 Uhr 2008-10-30T10:21:00+0100Vest. Von Designersärgen, Papyrusschiffen und "normalen" Bestattungen. „Die Form der Rituale hat sich geändert”, weiß der Marler Bestatter Wolfgang Paßmann.
Nebel steigt auf. Blütenblätter schweben, mehr als dass sie fallen. Teelichter und Tücher verstärken die angespannte Atmosphäre. Aus dem Hintergund erklingen leise die ersten Töne von „Time to say goodby” von Sarah Brightman und Andrea Bocelli. Dennoch: Stille beherrscht den Raum. Wer sich in einem Popkonzert der ruhigeren Art wähnt, liegt falsch. Es handelt sich um eine Trauerfeier, besser gesagt: um ein Trauer-Event.
„Die Form der Rituale hat sich geändert”, weiß der Marler Bestatter Wolfgang Paßmann. „Weg vom Herkömmlichen, hin zu aufwändigen Beerdigungen. Weniger Lobreden, mehr Technik. Beispiel: Lebensstationen des Verstorbenen werden mittels Beamer in Großaufnahme gezeigt.”
Doch man kann es auch noch etwas exclusiver haben. Wer schon zu Lebzeiten von einer Seereise geträumt hat, sich mehr oder weniger dem Meer verbunden fühlt und seine letzte Reise auf den Wellen antreten möchte, dem kann geholfen werden. Beispielsweise auf einem Schiff aus Papyrus, das sich auf dem Wasser innerhalb von einer Stunde völlig auflöst.
„Wenn das zu dem Verstorben passt, der Mensch also in dieser Form gelebt hat, ist das alles in Ordnung. Ansonsten wirkt das eher aufgesetzt.” So Paßmann, der darauf hinweist, dass sich die unterschiedlichen Beerdingungsarten vom Preis gar nicht so sehr unterscheiden. „Wenn man in den normalen Preisklassen bleibt, kostet eine Sargbeerdigung komplett zwischen 3500 und 4500 Euro, ein Urnenbegräbnis zwischen 2500 und 3500 Euro und eine Seebestattung zwischen 2500 und 3500 Euro. Es ist eben auch möglich, mit begrenzten finanziellen Mitteln eine würdige Bestattung durchzuführen.”
Die Preisgrenze nach oben ist allerdings völlig offen. Beispiel: Designersärge oder auch teure Urnen. Beides entworfen von Luigi Colani. „Der Sarg kostet ungefähr 5000 Euro”, erklärt Paßmann. Wer allerdings lieber die Asche seines Verstorbenen mit nach Hause nehmen möchte, dem kann auch mit wertvollen Urnen geholfen werden. Wahre Kunstwerke in den unterschiedlichsten Stilen gehören zum Sortiment. „Seit 2004 kann man die Asche des Verstorbenen auch zuhause verwahren. Er muss es nur bei einem Notar im Testament verfügt haben.”
Aber es gibt auch eine andere Seite der Bestattungen. Es kommt immer häufiger vor, dass der Pastor und der Bestatter die einzigen Begleiter auf dem sogenannten letzten Weg sind. Wolfgang Paßmann: „Der Grund: Es fehlen die familiären Bindungen. Das ist traurig.”
Wie sagte schon der große Theatermacher Bertolt Brecht; „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.” Für manche gilt das heutzutage wohl schon zu Lebzeiten.
20:18
Zitat des Marler Bestatters Wolfgang Paßmann: „Seit 2004 kann man die Asche des Verstorbenen auch zuhause verwahren. Er muss es nur bei einem Notar im Testament verfügt haben.”
Diese Aussage irritiert mich schon. Wer kennt die Rechtsgrundlage für diese angeblich legale Möglichkeit der Aschenaufbewahrung?
Fakt: in Deutschland gilt immer noch der von den Nazis eingeführte bornierte Friedhofszwang für Totenaschen. Um dieser staatlichen Bevormundung zu entgehen wählen immer mehr Bundesbürger den Umweg über liberale Nachbarländer: http://www.postmortal.de/Bestattung-Beisetzung/Alternativen/Umweg/umweg.html