"Wir brauchen Sex, Drugs und Rock 'n' Roll"
24.02.2008 | 22:55 Uhr 2008-02-24T22:55:19+0100Meint Frank Dopheide von der Werbeagentur Grey, die die Metropole Ruhr international bekannt machen will.Die Voraussetzungen dafür seien denkbar schlecht: Denn das Ruhrgebiet habe zwar "ein großes Herz, aber kein Gesicht"
Bochum. In zehn Jahren wird es weltweit 20 Knotenpunkte geben, an denen sich das große Geld und die kreativen Köpfe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst konzentrieren werden, sagt Frank Dopheide voraus, der Vorstandschef der Düsseldorfer Werbeagentur Grey. "Die Chance, dass das Ruhrgebiet dazu gehören wird, ist ziemlich klein."
Die Agentur entwickelt derzeit für die 70 im Initiativkreis Ruhrgebiet vereinten Unternehmen eine Kampagne, mit der die Metropole Ruhr international auf sich aufmerksam machen will. Das Konzept soll im März vorgestellt werden. Am Wochenende vermittelte Dopheide, der aus Marl stammt, rund 100 Spitzenvertretern der Ruhr-CDU im Wattenscheider Technologiezentrum einen Eindruck von der Größe der Aufgabe, vor der das Ruhrgebiet steht.
"Der Druck zu handeln ist groß", so Dopheide. Während weltweit immer mehr Menschen in die Städte zögen, Jahr für Jahr 70 Millionen, werde das Ruhrgebiet allen Prognosen zufolge bis 2018 zehn bis fünfzehn Prozent seiner Einwohner verlieren. Drei Dinge seien nötig, um den Trend zu brechen: "Sex, Drugs und Rock 'n' Roll."
Sex: Dem Ruhrgebiet fehlten hoch qualifizierte Fachleute, die sich Herausforderungen stellen und mit ihnen wachsen wollen. Das Ruhrgebiet habe sie bisher nicht anlocken können. Der Grund dafür: "Wir springen nicht weit genug."
Drugs: Metropolen entwickelten sich dort, wo die unterschiedlichsten Fähigkeiten ungewöhnliche Kombinationen eingingen, sagt Dopheide. "Mutation ist besser als Kooperation." Wichtig sei es, Risiken einzugehen, weil sie Chancen eröffneten.
Rock 'n' Roll: Wie passt das zum Ruhrgebiet? Was ist der Markenkern der Region? "Teamwork" sei das Zauberwort, mit dem sich das Ruhrgebiet verkaufen müsse, sagt Dopheide. "Wir packen gemeinsam an, wir haben keine Angst vor Schweiß."
"Das Ruhrgebiet hat ein großes Herz, aber kein Gesicht", so Dopheide. Die Voraussetzungen, Metropole zu werden, seien dramatisch schlecht. "Warum haben wir es bisher nicht geschafft? Weil wir uns nicht trauen. Wir müssen unsere Klappe aufmachen und Aufmerksamkeit erwecken." Jürgen Klinsmann habe es vorgemacht. Als er sagte: Wir wollen Weltmeister werden, sei er zunächst belächelt worden. Doch dann hätten sich daraus die phantastischen drei Wochen der WM entwickelt, die das Bild Deutschlands in der Welt veränderten.
Etwas Ähnliches, empfahl Dopheide unter starken Beifall der Zuhörer, könne auch das Ruhrgebiet in Gang setzen, "wenn es sagt: Wir wollen der coolste Platz der Welt sein". Und riet dann dem Ruhrgebiet und der Ruhr-CDU noch spöttisch, beim Werben um die Hochqualifizierten tunlichst das Wort "Verwaltungsstrukturreform" zu vermeiden.
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