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Wieder eskaliert eine Demonstration in Köln

10.01.2016 | 15:51 Uhr
Wieder eskaliert eine Demonstration in Köln
Pegida-Anhänger: kurz nach dem Start ihres Demonstrationszugs am Samstag in Köln werden sie von der Polizei gestoppt.Foto: RTR

Köln. Erst war es der Ausnahmezustand, jetzt scheint es fast schon Routine: Wieder einmal ist in Köln eine Demonstration eskaliert. Dieses Mal aber hat die Polizei durchgegriffen. Härter als in der Vergangenheit, wenn auch nach Ansicht einiger Kölner nicht hart genug.

Samstag, 12 Uhr, am Kölner Hauptbahnhof. Es ist voll und wenn man raus geht, wird es noch voller. Auf der Treppe hoch zum Dom sind Hunderte Frauen zusammengekommen. Sie schlagen auf mitgebrachte Trommeln, pfeifen, schwenken Fahnen und Transparente und rufen Parolen gegen sexuelle Gewalt. Sie sind laut, aber sie sind friedlich. „Wir lassen uns nicht anfassen“, sagt eine und fordert „mehr Sicherheit“. „Aber nicht von denen da drüben.“

Die „da drüben“ sind Anhänger von „Pegida“, die sich auf der anderen Seite des Bahnhofes, am Breslauer Platz, am Samstag zu einer Demo versammeln, um die vermeintliche Gunst der Stunde nach den Ereignissen in der Silvesternacht zu nutzen.

„Die da drüben“

Und bald weiß man nicht, worüber man sich mehr Gedanken machen muss. Über die zahlenmäßig recht überschaubare Gruppe Hooligans und Neonazis, die sich – meist ganz in schwarz und mit dunklen Brillen – lautstark grölend unter die Demonstranten gemischt hat oder über die vielen völlig unscheinbaren Männer und Frauen, die die Übergriffe zum Jahreswechsel und die steigende Zahl von Asylbewerbern offenbar verstärkt in die Arme von Pegida & Co. treiben. „Merkel ist schuld“ skandieren sie und glauben „Wir sind das Volk“. Dazu werden Deutschland- und Reichskriegsflaggen geschwenkt.

Gegen 15 Uhr sind es rund 1700 Menschen, die sich versammelt haben. Die Landes-Polizei hat die gleiche Anzahl von Beamten aufgeboten. Viel mehr geht nicht in Nordrhein-Westfalen, schon etwas weniger wäre wohl problematisch geworden. Denn kaum hat sich der Demonstrationszug in Bewegung gesetzt, wird er von der Polizei auch schon gestoppt. Immer wieder fliegen Böller und Flaschen aus einer gewaltbereiten Gruppe an der Spitze des Zuges. Drei Beamte und ein Journalist werden verletzt. Über Lautsprecher durchgegebene Hinweise und Anordnungen der Polizei werden ignoriert oder belacht. „Verhaften“, fordert ein Passant, „alle verhaften.“

Doch erst kurz nach 16 Uhr reißt den Beamten der Geduldsfaden. „Ihr asoziales Verhalten ist nicht tolerierbar“, sagt die Stimme aus den Lautsprechern und löst die Veranstaltung offiziell auf. Ein Teil der Demonstranten kehrt feiwillig zum Bahnhof zurück, andere aber müssen durch Wasserwerfer, Pfefferspray und den Einsatz von Schlagstöcken an weiteren Ausschreitungen gehindert werden. Rund um den Bahnhof und im Gebäude selber kommt es bis zum späten Nachmittag immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Rechten. Größerer Schaden aber entsteht nicht. Noch während sie – eskortiert von Beamten der Bundespolizei - in ihre Züge steigen grölen die angetrunkenen Männer: „Wo wart ihr Silvester?“

„Bis zum nächsten Mal“

Erst am Abend kehrt wieder Ruhe in der Domstadt ein. Die Beamten der Hundertschaften packen zusammen. Ein Wurstverkäufer vor dem Bahnhof hebt grüßend die Hand. „Bis zum nächsten Mal.“

Andreas Böhme

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2016-01-10 15:51
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