Wie sich "Jugend forscht" für Marec Hase auszahlte
20.02.2012 | 17:57 Uhr 2012-02-20T17:57:00+0100
Waltrop. Was wird aus jungen Menschen, die bei „Jugend forscht“ gewinnen? Marec Hase, heute 40, kann von seiner Idee leben und baut Spezialfahrräder. Seine Firma in Waltrop verkauft europaweit und beschäftigt 40 Mitarbeiter.
Alles kann der Chef dann doch nicht selbst. Die defekte Anhängerkupplung am Firmentransporter muss sein Mitarbeiter Igor Pawiltchenko reparieren. Autos mag Marec Hase ohnehin nicht. Er liebt Fahrräder, in allen Varianten. An ihnen schraubt und bastelt er seit seiner Kindheit. Sie machten ihn zum Sieger bei „Jugend forscht“. Und zum Chef einer eigenen Firma, die zu den Weltmarktführern im Bereich der Liegefahrräder zählt. Eine Erfolgsgeschichte.
Eine, die ihn selbst überrascht. „Ich habe erst spät Radfahren gelernt“, erzählt Marec Hase. Doch nicht nur das Fahren, vor allem die Technik begeistert ihn von Anfang an. „Das Fahrrad ist das erste Gerät, an dem man rumbasteln kann“, sagt er. Er repariert in der elterlichen Garage in Bochum Fahrräder, baut sie mit alten Teilen um und konstruiert nebenbei ein Kettcar mit Gangschaltung.
Als eine Radtour durch die Niederlande mit Freunden geplant wird, von denen einer blind ist, lässt er sich etwas Außergewöhnliches einfallen: ein Tandemliegedreirad. Darauf sitzen die Fahrer nebeneinander, einer lenkt, aber beide können unabhängig voneinander in die Pedale treten. „Es ist faszinierend, so zu sitzen“, sagt Hase und schwärmt bis heute von der Fahrdynamik und dem Geschwindigkeitsgefühl, das auch der blinde Freund spüren konnte.
Seine Mutter kommt 1989 auf die Idee, den Sohn bei „Jugend forscht“ anzumelden. Der ist zunächst wenig begeistert. „Es ist doch nur ein Fahrrad“, sagt er. Dennoch nimmt er teil. „Ich habe mir nicht viele Gedanken gemacht und hatte keine Erwartungen“, sagt er.
NRW-Landessieger im Bereich Technik
Der Wettbewerb verändert Marec Hase. Er lernt, sich gegenüber anderen Teilnehmern und der Jury zu behaupten, frei zu reden, Rückschläge wegzustecken. Erstmals erfährt er außerhalb des Elternhauses Aufmerksamkeit für sein Hobby, spürt, dass mehr daraus werden könnte. Auch in der Schule nimmt man den 17-Jährigen fortan stärker wahr. Denn Marec Hase wird bei seiner ersten Teilnahme 1989 mit seinem Tandemdreirad gleich NRW-Landessieger im Bereich Technik. „Ich war beeindruckt vom Wettbewerb und den Leuten. Das hat mir einen ordentlichen Schub gegeben, mehr Engagement in mein Hobby zu legen“, sagt er rückblickend.
Sein Entschluss steht: Er will sein Hobby zum Beruf und sich selbstständig machen. Nach Abitur und Zivildienst lässt er sich zum Feinmechaniker ausbilden, investiert das erste Geld schon in Maschinen. Wenig begeistert von der Idee des Sohnes ist diesmal ausgerechnet die Mutter. „Ich hatte keinen Business-Plan oder so“, erzählt Hase, der auch mit 40 noch jugendlich wirkt.
Dafür hat er Ideen. Und er hat schon einen Mitarbeiter: Igor Pawiltchenko ist vom ersten Tag an mit dabei. Von der heimischen Garage aus werben sie ab 1994 um die ersten Kunden. Schnell wird es in Bochum zu eng, zur Jahrtausendwende zieht die Firma Hasebikes auf ein altes Zechengelände in Waltrop. Längst produziert er seine Spezialräder in Serie, verkauft sie europaweit und beschäftigt 40 Mitarbeiter. 1350 Räder verkaufte er im letzten Jahr in alle Welt, acht Prozent mehr als 2010.
Elektroliegefahrräder eignen sich hervorragende für kurze Strecken
„Bei Entwicklungen schraube ich noch selbst mit“, sagt Hase. Seine Mitarbeiter, darunter zehn Auszubildende, sind Testfahrer. Sein neuestes Projekt: Elektroliegefahrräder. „Die eignen sich wunderbar um auf kurzen Strecken zu pendeln“, sagt Hase, mittlerweile Diplom-Ingenieur. Solange seine E-Trikes keine Massenware sind, kosten sie aber noch fast so viel wie ein Kleinwagen: 7000 Euro.
Für Marec Hase trotzdem eine lohnende Investition in eine ökologischere Zukunft. Er mag ja ohnehin keine Autos. Er besitzt auch keins. Nur seine Frau hat eins. Und falls am Firmentransporter mal etwas kaputt geht, hat er ja immer noch Igor Pawiltchenko. Der muss lachen, als er an die Anfangszeit zurückdenkt: „Das war ein Abenteuer!“
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