Welpen aus dem Supermarkt
27.03.2011 | 13:42 Uhr 2011-03-27T13:42:00+0200
Duisburg. Eine Duisburger Zoohandlung will ab Spätsommer Hundewelpen verkaufen. Tierschützer sind empört über das bundesweit einmalige Vorhaben.
Der Puppy-Luv-Pinguin ist für 4,99 Euro zu haben, das „Puppy Potty Welpen WC“ für 15,99. Und schon bald wird, wer bei „Zoo Zajac“ in Duisburg Spielzeug oder Klo erwirbt, das dazu passende Hundebaby gleich mit in den Einkaufswagen packen können: Ab Spätsommer hat der „größte Zoo-Supermarkt der Welt“ auch Welpen im Angebot.
Auf 10 065 Quadratmeter erstrecken sich bereits jetzt die Geschäftsräume in Neumühl, 600 weitere kommen fürs neue Welpen-Areal dazu. Die Arbeiten sind im Gange. Vom „Bauvolumen eines Zehn-Familienhauses“ spricht Norbert Zajac (56), geschäftsführender Gesellschafter der Firma. Seit sechs Jahren plane er das deutschlandweit einzigartige Projekt, eine halbe Million Euro habe er allein in Baumaterial investiert. „Wenn wir fertig sind“, sagt der „Unternehmer des Jahres 2010“, „sind wir nicht nur der größte Zoofachhandel der Welt, sondern genau doppelt so groß wie der zweitgrößte“, ein Geschäft übrigens in – Kanada.
Platz für neun Würfe wird Zajac dann haben. Gekauft würden nur familientaugliche Tiere und nur bei Privatleuten, den eigenen Kunden am liebsten. Weshalb der Duisburger Firmenchef die Welle der Empörung, die seine Pläne auslösten, zwar verstehen („Die Züchter fürchten um ihre Felle!“), Verwerfliches darin aber nicht erkennen kann. Was der Deutsche Tierschutzbund anders sieht. Und nicht nur der.
Tatsächlich ist Zajac juristisch nichts vorzuwerfen, der Handel mit Welpen nicht verboten. Aber bereits vor 20 Jahren haben sich die Mitglieder des „Zentralverbands der Zoologischen Fachbetriebe“ (ZZF) in ihren „Heidelberger Beschlüssen“ verpflichtet, auf „Präsentation und Verkauf von Hunden“ zu verzichten, 2005 fixierten sie die Übereinkunft erneut. Der Verband sorge sich um artgerechte Unterbringung, „Sozialisierungsprobleme“ und spätere Verhaltensauffälligkeiten der Welpen; er fürchte zudem, dass vor allem Tiere aus fragwürdigen, aus Massenzuchten angeboten würden, erklärt ZZF-Sprecherin Antje Schreiber.
Norbert Zajac aber ist kein Mitglied des ZZF, „Und wenn ich nicht im Karnevalsverein bin, muss ich mir keine Pappnase aufsetzen“, glaubt er.
Nicht alles, was legal sei, sei auch ethisch vertretbar, glaubt dagegen Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes: „Herr Zajac hat eine Grenze überschritten, die nie hätte überschritten werden dürfen“, Gerade in der Prägephase bräuchten Welpen vertraute Gesichter und klare Ansagen, keine „Zwischenlagerung“. Tiere dürften zudem niemals „Angebote im Supermarkt“ sein; „unüberlegte Spontankäufe“ führten nur zu weiterer Überfüllung der Tierheime. „Und da leben bereits 70 000 Hunde“, so Schröder, die ebenfalls ein neues Zuhause suchten... Dass Zajac von privaten Hobbyzüchtern kaufen wolle, mache die Sache nicht besser, „Wir kennen das doch von den Kleintieren. Da kriegt das Meerschweinchen Nachwuchs und keinen kümmert’s. Kann man ja im nächsten Baumarkt abgeben...“
Peter Friedrich, Präsident des Verbandes für das deutsche Hundewesen, behauptet, dass Norbert Zajac sich „mit Kalkül“ über die Selbstbeschränkung seiner Kollegen hinweg setze: „Auf Kosten der Jungtiere sollen Menschen ins Geschäft gelockt werden.“ „Profitgier“ werfen dem Unternehmer auch die „Duisburger Hundefreunde“ vor, die seit Wochen vor Ort gegen den Welpenverkauf bei Zoo Zajac mobil machen. „Was der Mann vor hat, ist eine Katastrophe“, warnt Sprecher Ralf Kathmann . „Tiere ohne Papiere will er verkaufen, ohne genetische Untersuchung, ohne Abstammungsnachweis.“
„Peta“ rief zu einer Protestaktion auf, daraufhin schickten bislang über 15 000 Tierschützer Mails an Norbert Zajac: mit der Forderung, die Geschäftsidee zu verwerfen. Erste Futtermittelhersteller brachen die Geschäftsbeziehungen zur Duisburger Firma ab. Man lehne „Angebot und Verkauf von Hundewelpen über die Vertriebsschienen des Zoofachhandels grundsätzlich ab“, erklärte etwa die Mars-Holding (Pedigree). Und auch im Internet formiert sich Widerstand: Per Facebook wird gerade eine große Demo vor dem Geschäft am Konrad-Adenauer-Ring organisiert (Montag, 10 Uhr). Am Mittwoch hatten 134 Menschen ihr Kommen bereits zugesagt.
Norbert Zajac selbst findet all das nur „schäbig“; die Aktionen seien „gesteuert“, die Vorwürfe weit hergeholt. 500 Euro wenigstens sollte ein Welpe kosten, an Gelegenheitskäufe glaube er nicht. Und natürlich sei es „traurig“, dass die Tierheime voll wären. „Aber wenn ich Kinder hätte, würde ich mir da keinen Hund holen“, sagt er. „Das Risiko wäre mir zu groß.“ Bei Züchtern gäbe es schwarze Schafe, beim Verkauf von Privat an Privat gar keine Beratung.
Letztendlich, schließt Zajac, entscheide sowieso der Kunde, „mit den Füßen“. Weshalb ihn der ganze Rummel wohl kalt lässt. Sein Geschäft mache ja ordentlich Umsatz, aktuell zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr und „keinen Monat unter 500 000 Euro“.
21:47
Sehr geehrte Nutzer,
vielen Dank für Ihre ausführlichen Kommentare zum Thema Welpenkauf im Supermarkt. Dieses Thema ist unserer Ansicht besser in unserem Forum aufgehoben. Dort können sie sich ausführlich das Für und Wider austauschen.
Das Forum zu diesem Thema finden sie unter diesem Link: http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?f=96&t=24753
Miriam Lessmann
Community Management
20:01
Es gibt seit Mitte der 70er Jahre im Fachverband der deutschen Zoofachhändler (ZZF) die Übereinkunft das im Zoogeschäft keine Hunde gehandelt werden. Ein gesetzliches Verbot dafür gibt es nicht und gab es nie. Keiner hat es bisher gewagt dieses Tabu zu brechen und wahrscheinlich hätte sich auch kein Veterinäramt gewagt derartiges irgendwo zu genehmigen, doch Zoo Zajac hat da einiges in der Hinderhand was andere nicht haben und auch die Möglichkeit für derartige Vorhaben Wege zu gehen, die für andere Geschäftsleute nicht gangbar sind (zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen aus Mangel an Beziehung in den höheren Kreisen). Er ist auch nicht einfach zur Stadt und zum Veterinäramt gegangen und hat gesagt ich möchte in meinem Geschäft Hunde verkaufen und brauche dafür Eure Genehmigung, sondern er hat das Pferd von hinten aufgezäumt. Es wurde ein Ingenieur-Büro damit beauftragt in Zusammenarbeit (!) mit dem Veterinäramt, der Stadtverwaltung Duisburg, den beiden bei Zoo Zajac angestellten Tierärzten und Hundefachleuten (wer auch immer das ist) eine Anlage für die artgerechte Unterbringung, Pflege, Aufzucht, tierärztliche Betreuung und Präsentation von Hundewelpen zu projektieren. Der Investitionsrahmen dafür beträgt allein für das Baumaterial 500.000 €. Vorgabe dafür war zum einen alle Auflagen des Veterinäramtes deutlich zu übertreffen, alle Empfehlungen der Hundefachleute umzusetzen und die Anlage für Kunden optisch höchst attraktiv zu gestalten. Eine Vorgabe des Veterinäramtes lautete: für 8 bis 12 Hundewelpen (Wurfstärke) sollen 15 m² Raum zur Verfügung stehen, die Anlage von Zoo Zajac ist so konzipiert das für 8 bis 12 Welpen 35 m² zur Verfügung stehen. Die Räume in der Welpenanlage sind mit Klimaboden ausgestattet, es gibt Aktivitäts-, Futter- und Ruheräume, zwei Quarantäne-, einen Kranken- und einen Pflegeraum. Des weiteren wird es eine weiträumige Außenanlage geben. Die Böden im Außenbereich und in den Aktivitätsräumen sind mit verschiedenen, nach Empfehlungen der Hundefachleute ausgewählten Materialien gestaltet. Der für Kunden sichtbare Bereich wurde von Künstlern gestaltet, die Wände zeigen Blumenwiesen mit vielen Schmetterlingen, Bachlauf etc., ein Raum vermittelt den Eindruck eines harmonisch möblierten Zimmers, was wohl veranschaulichen soll wie gut die Hunde sich für eine Haltung in der Wohnung eignen. Der Kunde schaut durch Schalldichte Glaswände auf die Welpen, davor ist eine Absperrung, die verhindern soll das an die Glaswand geklopft wird. Es sollen 60 bis 80 Welpen in der Anlage präsentiert werden, eigens dafür sind fünf Mitarbeiter vorgesehen. Pro Jahr wird von Zoo Zajac anvisiert 1000 Welpen zu verkaufen, das sind pro Monat über 80 Welpen. Interessiert sich ein Kunde für einen Welpen, gibt es dafür einen separaten Raum in dem der Kunde in Beisein eines Mitarbeiters der Welpenanlage mit dem Welpen Bekanntschaft machen kann und dabei von dem Verkäufer beraten wird. Beim Verkauf der Welpen berät ein Tierarzt, es gibt eine vierwöchige Gesundheitsgarantie, die Welpen sind gechipt, haben Impfausweis, einen sogenannten Gesundheitspass (?), ein speziell auf die Rasse abgestimmtes Informationsheft und einen Ernährungsplan. Dies alles soll den Eindruck vermitteln, das alles artgerecht, tierschutzgerecht und veterinärmedizinisch korrekt zugeht. Norbert Zajac ist ein alter Haase und seit über 30 Jahren in der Branche. Er wusste sehr genau was bei seinem Vorhaben auf ihn zukommt und wie er es den Kunden, den Ämtern und den Medien präsentieren muss. Alle Proteste, Aktionen, Aufrufe und Bitten wurden von Norbert Zajac ignoriert und zum Teil mit Spott kommentiert. Seine offizielle Meinung dazu: letztendlich entscheidet der Kunde mit den Füßen, aber ich bin da sehr zuversichtlich, denn die Nachfrage ist da.
Woher weiß ich das alles ? Ich bin beruflich seit vielen Jahren mit dem deutschen Zoofachhandel verbandelt (auf welche Art und Weise lasse ich hier offen), kenne zahlreiche Zoofachhändler, sowie Franchiser und bin auf fast allen Zoo-Fach-Messen unterwegs. Der gesamte deutsche Zoofachhandel schaut derzeit mit Spannung auf Zoo Zajac und es hat bisher den Anschein das dort der Welpenhandel ohne größere Widerstände anlaufen wird. Das wird Signalwirkung haben und das Tabu wäre gebrochen. Woher aber kommen die Welpen ? Eine Auflage des Veterinäramtes lautet das Zajac für jeden einzelnen Welpen nachweisen muß woher er ihn bezogen hat. 80 Welpen pro Manat von Privatpersonen ? Hier ist jetzt folgendes interessant: seit sich abzeichnet das Zoo Zajac das Tabu, im deutschen Zoofachhandel keine Hunde zu verkaufen, brechen wird, bekommen seit einigen Wochen größere deutsche Zoomärkte Post von einer ungarischen Firma. Diese Firma ist bereits seit vielen Jahren Lieferant für den deutschen Zoofachhandel und auch auf allen wichtigen Zoo-Fach-Messen in Deutschland gut vertreten. Spezialisiert ist diese Firma (bisher) vor allem auf die Lieferung von Reptilien, Insekten, Spinnen und Vögel. Jetzt bietet dieser Lieferant an Welpen fast aller Rassen auf Bestellung an deutsche Zoogeschäfte zu liefern. Die F.C.I. Listet derzeit 332 Rassen, wenn man jetzt davon ausgeht das die ungarische Firma mit „fast alle Rassen“ die geläufigen Hunderassen meint und keine Exoten und seltene Rassen, so kann man doch immer noch von 150 Hunderassen ausgehen. Wie kann aber nun jemand anbieten Welpen fast aller Rassen zu liefern ? Es funktioniert folgendermaßen: Diese Firma züchtet selbst keine Tiere, sie hat aber in ganz Europa (vor allem Osteuropa, aber auch Deutschland) einen ständig wachsenden Pool von Züchtern und privaten Leuten zusammengefasst, die an diese Firma regelmäßig melden welche Tiere verfügbar sind. Es wird wöchentlich ein Verfügbarkeitskatalog erstellt und an Zoogeschäfte versendet je nach Marktlage kauft dann die ungarische Firma die Tiere auf und liefert. Die Preise richten sich nach Seltenheit und Nachfrage. Da die Firma nur nach Marktlage ankauft, hat sie nie mit Überbeständen zu kämpfen. Deutsche Zoohändler müssen gegenüber den Veterinärämtern die Herkunft der von ihnen angebotenen Tiere nachweisen können. Der Lieferbeleg der ungarischen Firma (selbstverständlich mit veterinäramtlicher Bescheinigung für den Zoll) reicht dafür aus. Woher der ungarische Lieferant die Tiere hat, kann der deutsche Zoohändler (offiziell) natürlich nicht wissen und hier endet auch seine Nachweispflicht. Ein deutscher Zoohändler darf auch keine Massenzucht unterstützen und würde sich mitschuldig machen wenn er bei einem Massenzüchter einkauft. Aber warum gibt es dann Massenzüchter in Deutschland und wo werden die ihre Hunde los ? Vielleicht kaufen ausländische Firmen (z.Bsp. aus Ungarn) bei denen ???
Zufällig trifft das nun zeitlich mit dem geplanten Welpenverkauf von Zoo Zajac zusammen. Oder doch nicht zufällig ? Böse Zungen aus der Zoobranche behaupten nun das Norbert Zajac den Anstoß für den Welpen-Züchter-Pool bei der ungarischen Firma gegeben hat und dort auch Zuversicht erzeugt hat, das die sich daraus ergebende Lieferbreite interessant für den gesamten Zoofachhandel in ganz Europa ist.
Hofft hier jemand das die Kunden von Zoo Zajac den Welpenhandel boykottieren ? Vergesst es ! Zajac hat sich 6 Jahre auf diesen umstrittenen Geschäftszweig vorbereitet, er hat alle Vorhaben der Ämter dermaßen übererfüllt, das deren Skepsis in Begeisterung umschlug, er hat es verstanden die Medien zu nutzen und sein Vorhaben als etwas Tolles und Großartiges darzustellen und er hat es vor allem verstanden sich nach allen Seiten abzusichern. Jetzt ist das Tabu gebrochen und für alle die nun auf diesen anrollenden Zug aufspringen wollen, ist auch schon ein zuverlässiger Lieferant vorhanden. Kenner der Branche glauben sich sicher zu sein was das für die Zukunft, nicht nur der Zoobranche, sondern auch für die Hundezucht, bedeutet.
Ich hoffe das sie sich irren !
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16:34
Der größte Gau diesbezüglich ist, daß es solchen Typen überhaupt in Deutschland erlaubt ist, mit Tieren zu handeln. Keine Verbote, kaum Tierlobby...da machen diese Typen doch was sie wollen. Narrenfeiheit!
12:07
Ich denke mal, dass der Einzugsbereich für den Laden ziemlich begrenzt sein wird, auch wenn er noch so groß ist. Von daher wird der Kunde hoffentlich das Angebot dieser armen Tiere regulieren. Zum Glück gibt es ja auch genug Konkurrenz zu diesem gewissenlosen Viehhändler und ein Boykott seines Ladens könnte die Investition zum Bumerang werden lassen.