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Waschbären

Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung

05.11.2012 | 17:43 Uhr
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
Putzig und nervig: Der Waschbär wird auch im Ruhrgebiet immer häufiger zum ungebetenen Mitbewohner.Foto: Thinkstock

Ruhrgebiet.   Sie sehen klein und niedlich aus, machen vielen Leuten aber großen Ärger. Der Waschbär wird zum Problembär in NRW, denn er plündert Mülleimer und gefährdet andere Tiere. Jagdverband und Naturschützer streiten sich, ob eine Bejagung des Bären nötig ist.

Wir wollen die Familie hier lieber Meier nennen, denn sie hat es nicht immer leicht gehabt, seit sie sich abfällig äußerte über die Waschbären. Über den Kot, den sie hinterließen, über den Garten, den Meiers entnervt aufgaben, und über „flaschenweise Reinigungsmittel“, welches sie versprühten, um die Tiere im Vertrauen auf deren dünnhäutigen Geruchssinn entschlossen zu vertreiben. Heute möchte Frau, naja, Meier sich nicht mehr äußern: „Man macht sich nicht beliebter bei Nachbarn.“

Das Tier entzweit offenbar. Im Bad Laaspher Stadtteil Wallachei, wo sich Fuchs und Waschbär „Gute Nacht“ sagen, legen die Einen Wackersteine auf ihre Mülltonnen, damit das ewig hungrige Raubtier sie nicht öffnet; und die Anderen gehen Lebensmittel kaufen, damit das putzige Bärchen bloß nicht hungert. Im Sauerland gilt er als Plage, im Gelsenkirchener Zoo geht er als Attraktion durch . Und in der NRW-Politik streiten jetzt Jagdverband und Naturschützer längs der vorhersehbaren Fronten über die Bejagung von Waschbären.

In NRW darf der Waschbär gejagt werden

„Ja“ sagt Andreas Schneider vom „Landesjagdverband“ und verweist darauf, dass Kröten und „im Bestand gefährdete Bodenbrüter geschützt werden müssen“. „Nein“ sagt Holger Sticht vom „Bund für Umwelt und Naturschutz“, weil der Waschbär „weder Krankheiten überträgt noch andere Tierarten ausrottet“. Zur Zeit darf er gejagt werden in NRW, 8000 wurden im letzten Jagdjahr erlegt. Und 500 überfahren.

Meldung vom 13.10.2009
Waschbär ist ein fingerfertiger Neubürger

Wittgenstein. Mit Gesichtsmaske getarnt, macht sich das Nachtgespenst ans Werk. Fingerfertig öffnet er Tonnen und Türen. Der Waschbär ist zum quirligen Neubürger im Wittgensteiner Raum geworden.

Nun ist Bad Laasphe weit, man kann von da nach Hessen Steine werfen. Aber der Waschbär ist nah: „Er umzingelt das Ruhrgebiet zunehmend von Osten her“, sagt Jörg Wipf, der Betriebsleiter von „Ruhr Grün“ mit über 16 000 Hektar Freifläche im Ruhrgebiet. Gerade am Ballungsrand mit viel Abfall und Müll könne er „zu einer gewaltigen Dichte anwachsen“, so Wipf. Ja, es zieht den Waschbären sogar noch weiter, weiter hinein in die Städte; denn da schießt keiner auf ihn, und das leckerste Essen liegt sozusagen auf der Straße – unzureichend geschützt durch Mülltonnen, Abfalleimer oder gelbe Säcke. Mmmh! Man sagt ja auch: „Waschbärbauch.“

Der Waschbär kam aus Nordamerika nach Deutschland

Eigentlich kam das Tier aus Nordamerika. 1934 wurden am Edersee in Hessen gleich zwei Waschbären mit Migrationshintergrund freigelassen, um die Natur zu bereichern, andere entkamen später aus Pelzzuchtfarmen in Hessen, Brandenburg und der Eifel. Die Folge: Vor allem in Hessen, im Sauerland und in Ostwestfalen sind Waschbären heute heimisch – und ungewöhnlich unbeliebt.

Denn sie dringen in Gärten und auf Terrassen vor, sie besiedeln Lauben, leer stehende Häuser und Dachböden, als Mietnomaden, versteht sich. Aus dem romantischen Paar vom Edersee und den heroischen Pelzfarm-Flüchtlingen wurden heute: 500 000 Waschbären in Deutschland. Es ist der Siegeszug eines Problembären.

In Bottrop, Essen, Hattingen und Unna ist der Waschbär auf dem Vormarsch

„Wenn man einen sieht, sind ganz viele da“, sagt Jörg Wipf, der Mann von „Ruhr Grün“. Tatsächlich gibt es inzwischen nicht nur zwei stabile Vorkommen in Bottrop und in Essen, sondern auch recht viele Sichtungen in Randlagen. Unna. Lünen. Hagen . Schwelm. „Sie sind mächtig auf dem Vormarsch", sagt ein Förster.

In Hattingen wurde eine Frau geweckt vom Lärm und stieß vor der Haustür auf einen Waschbären, der gerade das Katzenfutter fraß (und, als sie mit dem Fotoapparat zurückkehrte, sich an einem Deko-Maiskolben versuchte). In Langenberg wunderte sich eine Familie über den enormen Verbrauch von Vogelfutter: Bis sie entdeckte, dass ein Waschbär das Vogelhäuschen plünderte. Und in Witten fielen zwei Waschbären über Taubenschläge her. Die beiden kamen freilich nicht aus dem Wald. Sondern vom Grundstück nebenan. Eine Nachbarin hielt sie dort. Als und für zahm. Wir wollen die Frau hier lieber Meier nennen.

Hubert Wolf


Kommentare
09.11.2012
14:32
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08.11.2012
21:23
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07.11.2012
19:57
Waschbären machen sich in NRW breit
von a_ha | #14

"Antwort von Terrier74
Ja, klar kann man Waschbären essen. Die schmecken sogar ziemlich gut. Allerdings ist der Waschbär ein Allesfresser, er kann also mit Trichinen infiziert sein. Das kann ein Tierarzt aber schnell feststellen. Wenn du das Fleisch gut durchbrätst oder durchkochst, sind die Trichinen abgetötet, aber Wurst und Schinken darfst du von trichinösem Fleisch auf keinen Fall herstellen und essen. Am besten ist es, wie gesagt, du lässt das Fleisch vorher vom TA auf Trichinen untersuchen. Wenn es clean ist, dann wünsche ich dir guten Appetit." gutefrage.net

Ja, dann.......

07.11.2012
15:49
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von a_ha | #13

Bevor ich dazu Stellung nehme -
kann man die essen?

07.11.2012
14:23
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von fuffzigpfennig | #12

Es hat in Deutschland Tradition, alles was im menschlichen Umfeld Schaden anrichtet, unter Natur-, Arten-, Tier- oder sonstigen sinnfreien Schutz zu stellen. So z.B. auch Maulwürfe und Marder! Diese Viecher sind allesamt eine Plage, die mit allen Mitteln bekämpft werden sollten.

Nur wer sie effektiv bekämpfen will, macht sich leider im schlimmsten Fall auch noch strafbar. Zum Glück dürfen Erdratten wenigstens noch gejagt und getötet werden. Davon erlege ich pro Woche im Schnitt 2-3 Exemplare!

1 Antwort
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von freimeinung | #12-1

Maulwürfe sind relativ nützlich, sie sorgen für eine gute Durchlüftung des Bodens und fressen Wühlmäuse. Von "nur schädlich" kann da also gar nicht die Rede sein.

07.11.2012
08:34
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von PantheraOnca | #11

Naja, der Mensch ist in Australien oder Amerika auch erst "eingewandert". Sollte man die dort nicht auch "bejagen" ?
Wenn nicht überall diese mordlüsternen, schiesswütigen Jäger rumlaufen würden, hätte die Natur auch mal die Chance, sich selbst zu regulieren.
Aber die Menschen haben ja keine anderen Antworten, als Lebensräume zu vernichten und anschließend zu beschweren, dass die Tiere in die Städte kommen - um dann wieder die "Knarrenbrüder" loszujagen. Mensch, du bist einfach nur bekloppt....

1 Antwort
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von Jorgel | #11-1

Noch so eine bescheuerte "Erklärung". Die Waschbären sind eben nicht in Europa "eingewandert", wie der Mensch auf den amerikanischen Kontinent. Sie sind ausgesetzt und aus Käfigen ausgebrochen. Das ist etwas ganz anderes.

Deshalb gehören Waschbären nun mal nicht zu unserer heimischen Natur und das ist hier nicht ihr Lebensraum. Auch wenn die vermeintlichen Naturschützer händeringend nach Argumenten suchen, um ihren Feldzug gegen alle Versuche diese unkontrolliert wachsende Population einzudämmen, zu rechtfertigen...

07.11.2012
08:26
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von aufkoks | #10

Erwische ich einen mache ich mir ne Mütze draus.

07.11.2012
07:52
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Name von Moderation entfernt | #9

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07.11.2012
06:13
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von BauerKleppe | #8

Die Folgen der Aussetzung nichtheimischer Tier- und Pflanzenarten sind ja eigentlich hinlänglcih bekannt - Extrembeispiele wie Kaninchen in Australien und Ratten auf Südsee- Inseln sind natürlich weit weg.
Hier haben wir auch genug Beispiele, wie Flusskrebse, Krötenarten, Herkulesstaude und Springkraut, aus denen wir eigentlich gelernt haben müssten.
Aber nein, der Waschbär ist ja putzig, den müssen wir schützen...
Ich bin bestimmt kein Jagdfreund, mir wäre sicher auch lieber, man fände eine Möglichkeit, die Tiere über Köder unfruchtbar zu machen oder ähnliches, aber m. E. ist eins sicher: eingrenzen müssen wir das.

07.11.2012
00:30
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von knutknutsen | #7

Auch ohne menschliches Zutun haben Tiere und Pflanzen von Natur aus die Fähigkeit sich neue Lebensräume zu erschliessen.
In der Natur gibt es keinen "Gleichgewichtszustand". Populationen entwickeln sich vielmehr wellenförmig.
Wie soll den auch ein von Jägern oder Naturschützern geformter Planet aussehen? Haben wir dann wieder Dinos die durch das Ruhrgebiet stapfen weil die hier ursprünglich hingehören?
Waschbären nicht abschießen aber bitte auch nicht zufüttern...

1 Antwort
Waschbären machen sich in NRW breit - Streit um Bejagung
von Jorgel | #7-1

Ich stelle mir gerade vor, wie die Waschbären über den Atlantik geschwommen sind oder wie sie rein zufällig und gleichzeitig auf dem amerikanischen Kontinent und in Europa entstanden sind...

Mit anderen Worten, es ist unmöglich, dass sich die Waschbären von allein den neuen Lebensraum hier erschlossen haben oder durch wellenförmige Evolution gleichzeitig und unabhängig voneinander auf zwei Kontinenten entstanden sind.

Deswegen gehören sie hier nicht zur Natur und somit haben Naturschützer in Deutschland mit diesen Tieren nichts zu tun. Aber wie man sieht, es mangelt nicht an "Erklärungen" mit denen man sich die Realität zurechtbiegen kann.

Da werden sogar die Dinosaurier bemüht, die es schon gab als die Kontinente noch verbunden waren, ganz im Unterschied zu Säugetieren wie den Waschbären...

Nur sind solche an den Haaren herbeigezogenen Phantasien wahren Naturschützern wenig zuträglich. Die werden natürlich mit diesen Verrücktheiten in einen Topf geworfen. Leider...

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