Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Trockenheit und...

Warten auf den Landregen

11.05.2011 | 18:36 Uhr
Warten auf den Landregen
Landwirt Friedrich Steinmann zeigt die Folgen der anhaltenden Trockenheit für die Landwirtschaft am (11.05.11) in Bottrop. Foto: Jakob Studnar - fotopool

Ruhrgebiet.  Die Landwirtschaft leidet unter der langen Dürre. Die Verbraucherpreise werden steigen, aber nicht bei allen Produkten.

Die gute Nachricht vorweg: Den Erdbeeren geht’s bestens. Sie reifen richtig schön knackig heran, weil ihnen die lange Dürre nichts anhaben kann. Die süßen Früchtchen freuen sich vielmehr über die Sonne, und ihren Durst löschen sie mittlerweile fast überall durch Wasser-Schläuche in der Erde. Auch der Spargel wächst unter seiner Folie bei Wüsten-Wetter prächtig, Verbraucher freuen sich deshalb über günstige Preise. Doch dann kommt auch schon die Schattenseite des Super-Frühjahrs. Allen anderen Anbau-Produkten macht die Trockenheit schwer zu schaffen, schon jetzt zeichnen sich Ernteeinbußen ab, die Preise werden nach oben schießen.

Sandige Böden sind
besonders anfällig

Trockener Ostwind trifft auf trockene Erde, wenn Friedrich Steinmann seine Felder inspiziert und einen Klumpen „Asche“ in die Hand nimmt. Ja wirklich, Asche, nicht Erde, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen zu seinem ausgetrockneten Stück Grund und Boden, das er gerade in der Hand hält. Für den Laien sieht es aus, als wäre auf seinem Kartoffelacker in Bottrop-Kirchhellen alles in bester Butter, auch auf dem Gerstenfeld ein paar Meter weiter die Straße entlang. Nicht selten kommt es im Frühjahr vor, dass die Trecker der Bauern vor lauter Regen im Matsch versinken. Doch jetzt? Ziehen sie dicke Staubwolken hinter sich her.

„Vor zwei Wochen habe ich meinen Kollegen noch geraten, den Ball flach zu halten. Aber jetzt werde ich langsam nervös“, sagt der 56-Jährige. Steinmann zupft einen Gerstenhalm aus dem ausgedörrten Boden. „Sehen Sie, die Pflanzen fangen schon jetzt an, Ähren zu schieben. Sie werden quasi frühreif, entwickeln dabei aber viel weniger Körner als üblich. Und wenn der Sommer ebenfalls trocken bleibt, ernten wir am Ende auch viel zu kleine Körner“.

Wenig Getreide, hohe Preise, das kann dem deutschen Brötchenkäufer schnuppe sein, eigentlich. „Eine zehnprozentige Weizenpreissteigerung schlägt sich beim Brötchen gerade einmal mit 0,3 Cent nieder“, beruhigt Steinmann. Ausbaden müssten die Dürre Menschen in Teilen der Welt, wo das Essen eh knapp sei und wo steigende Weltmarktpreise auch gleich größeren Hunger bedeuteten.

Bei Kartoffeln wie vielen anderen Gemüsearten sei das schon anders. Hier schlügen magere Ausbeute und teure Bewässerung deutlicher und direkter auf die hiesigen Verbraucherpreise durch, mehr oder weniger eins zu eins. Ganz klein sind die Knollen noch, viel zu winzig für die Jahreszeit.

Auf den sandigen Böden in Ruhrgebiet und Münsterland ist der Grundstoff für Pommes und Püree besonders anfällig, weil Sand ein miserabler Wasserspeicher ist. Schlechte Zeiten für Riesen-Fritten. Magere Zeiten aber auch für dicke Steaks, auch wenn das ein bisschen weit her geholt klingt: Die Bauern fahren kaum noch Heu ein. Im Herbst sitzen sie dann auf dem Trockenen und müssen teuren Mais verfüttern. Was dementsprechend die Maispreise schürt, vielleicht aber auch die für Rindfleisch.

Jeder weiß es, Mairegen bringt Segen, Steinmann sehnt ihn sich herbei. „Und zwar nicht in Form von kurzen und heftigen Gewittern, es muss zwei oder drei Tage anhalternder leichter Landregen sein, damit die Erde ihn aufsaugen kann“, sagt der Farmer und trifft damit anscheinend bei Wetterfröschen auf Gehör, ja sogar bei einer Wetter-Fee: „Ab Samstag soll es regnen, auch den Sonntag noch und am Wochenanfang, nicht nur schauerartig, sondern länger“, prophezeit Cornelia Urban vom Deutschen Wetterdienst Essen.

Das wäre ein regelrechter Segen für die Landwirte, aber eben nicht nur für diese: „Ich ärgere mich über Nachrichtensprecher, die Sonne automatisch mit gutem Wetter verbinden. Auch für die Verbraucher bedeutet schließlich: Lange Trockenheit verteuert die Nahrungsmittel“, stellt Steinmann klar.

Martin Tochtrop

Facebook
 
Kommentare
12.05.2011
13:40
Warten auf den Landregen
von Moeppkenbrot | #4

Würde sich der Landregen in irgendeiner Art auf die Benzinpreise auswirken?!

12.05.2011
08:18
Warten auf den Landregen
von hagfri | #3

#2 von thomas45472, warum diese Länder niedrige Preise haben? Weil auch mal ein verwelktes Blatt oder Flecken am Gemüse/Obst sein darf. Bei uns Ausschuss!!! Bewässern, Wasser ist genug in der Tiefe, nur die Technik, Strom, Diesel ist so wahnsinnig teuer. Denn das Wasser kommt nicht aus der normalen Leitung. Auch das wird aufwendig gefördert und zudem gereinigt. Wäre eine Wahnsinn das auf Felder zu vergeuden. Jedes Rohrnetz würde bei den Mengen zusammen brechen. Mal eine bischen mehr überlegen als ein plattes Thekengespräch

11.05.2011
23:18
Warten auf den Landregen
von thomas45472 | #2

Wie könne Lebnsmittel in Landern zu moderaten Preisen verkauft werden in denen es noch viel seltener regnet?
Vieleicht sollte mal jemand unsere Regierung dazu bewegen die Preise für Wasser zu senken.
Dann könnte man auch in Deutschland Felder bewässern und Lebensmittel erzeugen ohne diese aus dem Ausland zu kaufen.
5 Kg Kartoffeln kosten bei meinem Bauern derzeit 5€.Das ist so schon jetzt soviel wie noch nie zuvor.

11.05.2011
20:04
Warten auf den Landregen
von Emagic | #1

Na gut, den Pflanzen zuliebe arrangiere ich mich mit dem Regen;)) War ja jetzt ein paar Wochen richtig schön.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4637401/create

Aktuelle Fotos und Videos
Abriss des RWE-Stadions
Bildgalerie
RWE
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Aus dem Ressort
Suspendierter islamistischer Polizist kennt geheime Akten
Salafismus
Ein salafistischer Polizist soll auch Glaubensbrüder observiert haben. So konnte er wohl auch streng vertrauliche Dokumente durchforsten. Der Beamte aus Duisburg wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Innenminister Ralf Jäger prüft nun Konsequenzen.
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte im Eichmann-Prozess
Eichmann-Übersetzerin
Ruth Levy-Berlowitz dolmetschte den Prozess gegen NS-Verbrecher Eichmann. Im Bonner Haus der Geschichte erzählt sie, was damals in ihr vorging. „Ich lebte, aß, trank Eichmann“, sagt sie. Trotzdem bekam sie von dem Grauen im Prozess längst nicht alles mit.