Vorbild fürs Ruhrgebiet - das Vorzeigeviertel in Malmö
19.10.2009 | 12:47 Uhr 2009-10-19T12:47:00+0200
Malmö. Der Moderator des Initiativkreises Ruhr hat eine Vision: Wulf Bernotat plant ein Vorzeigeviertel mit niedrigem Energiebedarf. Im schwedischen Malmö gibt es ein solches Modellprojekt für den Klimaschutz bereits. Bernotat benötigt nun Verbündete, aber er stößt auch auf Gegenwind.
Man mag es als Zeichen verstehen. Die kalte Brise, die quer durch den Öresund nach Schweden ins Hafengebiet von Malmö bläst, lässt Wulf Bernotat frösteln. Nachdenklich steht er da, der Chef des größten deutschen Energiekonzerns Eon. Dann schlägt er den Kragen seines Mantels hoch und marschiert los. Er pfeift auf Gegenwind.
Wulf Bernotat, 61, ist Vorsitzender des Initiativkreises Ruhr. Knapp 60 führende Unternehmen vereint dieses Bündnis, das sich für die Zukunft des Ruhrgebiets einsetzen will. Bernotat sagt, er verstehe sich als Dienstleister der Region, und meint es wörtlich. Eine Modellregion für Energieeffizienz und Klimaschutz will er im Ruhrgebiet erschaffen. Eine Niedrig-Energie-Stadt, ein nahezu Kohlendioxid-freies Musterviertel, das ganz Deutschland zeigen soll, „wie nachhaltiges Wohnen, Arbeiten und Leben aussieht”.
Bernotat will die Kräfte bündeln: das Technologie-Wissen der Ruhr-Unternehmen, die Expertise der Wissenschaftler an den Ruhr-Unis und Instituten. 2010, im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr also, sollen der Vision von der Energie-Exzellenz erste Taten folgen.
Sonne, Wind und Erdwärme
In Malmö, am Südzipfel Schwedens am Fuße der Öresundbrücke, gibt es ein Stadtviertel, das in etwa erahnen lässt, was Bernotat meint. Västra Hamnen (Westhafen) ist ein Vorzeigeviertel, in dem die Bewohner ihren Strom und ihre Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen: Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse.
Dort, wo einst Werften verfielen und Arbeitslosigkeit um sich griff, entstanden im Zuge der internationalen Bauausstellung Bo01 im Jahr 2001 zunächst 1000 Wohnungen, futuristisch anmutende Wohnblocks mit Solarzellen an den Fassaden und Kollektoren auf dem Dach. Heute wohnen hier über 4000 Menschen, meist Besserverdienende. Ein Ort wie dieser sei die Antwort auf eine tiefe industrielle Krise, sagt Ilmar Reepalu, der Bürgermeister Malmös. Wie aber lebt es sich in Västra Hamnen, das optisch so viel Ähnlichkeit mit dem Duisburger Innenhafen hat? „Es ist nicht nur Leben, sondern eine Lebenseinstellung”, sagt Bewohner Richard Lehmann, der 2002 ein Appartement bezog. Nicht viel teurer als anderswo sei es hier, sagt er. Aber eben anders.
Alle Busse mit Biogas betrieben
In Västra Hamnen fahren kaum Autos. Man geht zu Fuß, nimmt das Rad. Alle Busse werden mit Biogas betrieben. Gewonnen wird das Gas aus den alltäglichen organischen Abfällen, die über Fallrohre in unterirdische Sammelbehälter und in eine Biogasanlage geleitet werden.
Ein Windrad produziert nahe der Wohnblocks einen Teil des benötigten Stroms. Den Rest der Energie liefern die Fotovoltaikanlagen auf den Gebäuden oder das Biomasse-Kraftwerk am Ufer des Öresunds. Auch die Wärme stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Auf 2600 Quadratmetern Kollektorfläche erwärmt die Sonne das Brauchwasser in den Wohnungen. Für Wärme im Winter und Kühle im Sommer sorgt das Grundwasser, das eine Wärmepumpe aus einem Speicher in 90 Metern Tiefe fördert. Kurz gesagt, Västra Hamnen ist der Alptraum der Ölscheichs. Es ist nahezu unabhängig vom Öl.
Wulf Bernotat sucht eine Stadt. Klein sollte sie sein, und sie muss das Ruhrgebiet repäsentieren. Dort will Bernotat zeigen, „was machbar ist in Sachen Energieeffizienz”. Wirtschaftlich, bezahlbar müsse es sein. Und anders als in Västra Hamnen, wo die Häuser aus dem Boden gestampft wurden, müsse der Wandel im Ruhrgebiet an den bestehenden Gebäuden vollzogen werden.
Gegenwind aus dem Initiativkreis erhielt Bernotat. Nicht alle Unternehmen stehen hinter dem Aufruf, die CO2-Emissionen in der Ruhr-Metropole zu verringern. Low Carbon Ruhr heißt das Initiativkreis-Projekt. Dafür will Bernotat kämpfen: „Wir brauchen alle Unternehmen, wir brauchen die Wirtschaftsministerin, wir brauchen den Forschungsminister. Und wir brauchen einen Bürgermeister wie Ilmar Reepalu.”
Zeitplan für Projekt im Revier steht
Am 7. November, wenn sich der Initiativkreis Ruhr trifft, will Wulf Bernotat sein Konzept einer Energie-Musterstadt im Ruhrgebiet vorstellen. Er schlägt eine Ausschreibung vor, will Kriterien ermitteln, nach denen sich Städte bei ihrer Bewerbung richten sollen. Bis Ende des Jahres soll die Vorzeigestadt gefunden sein. Bis März 2010 soll das Projekt „auf die Schiene gesetzt werden”.
19:51
... und, lieber Björn, wie sie es geschafft hat, damit um weitere 20.000 Einwohner zu wachsen, ohne energietechnisch zu kollabieren oder vor der eigenen Zielsetzung der CO2-neutralen Stadt zu kapitulieren.
Wenn Herr Bernotat allerdings sein Ansinnen ernst genommen und folglich mit der Bahn nach Malmö gereist ist, hat er sich ja sehr wahrscheinlich zwischendurch in Kopenhagen informiert, auf welche Weise man dort oder in anderen Städten des Climate Neutral Network der UNEP versucht, in die richtige Richtung zu gehen. Bisher sind übrigens weder der Initiativkreis Ruhr noch Eon Mitglieder des Climate Neutral Network. Gleiches gilt allerdings auch für den Eon-Wettbewerber RWE und die WAZ-Gruppe, beide Mitglieder des Initiativkreises Ruhr. Aber vielleicht erklärt sich so auch die Aussage der knapp 60 führenden Unternehmen, denn der Initiativkreis Ruhr hat nach eigener Aussage derzeit 68 Mitglieder. Übrig bleiben etwa zehn, die nicht führend sind. Auf Eon und RWE trifft dies in Umweltbelangen sicher zu.
12:10
Ein schlechtes Beispiel für Energieeffizienz, da in Västa Hamnen alles aus dem Boden gestampft wurde. Wie sich ein Wandel vollzieht, sieht man in andern Beispielen viel besser.
Vielleicht wäre Herr Bernotat oder auch die WAZ mal lieber knapp 200km weiter ins schwedische Växjö gefahren. Dort geben sich seit Jahren internationale Politiker die Klinke in die Hand um zu verstehen, wie es die knapp 60.000 Einwohnerstadt geschafft hat, zu Europas grünster Stadt zu werden...
11:24
Ist ja schön und gut das die in Sachen Umwelttechnologie so fortschrittlich sind aber dann bau ich doch lieber weiterhin dreckige Kohlenkraftwerke wenn es uns dann nicht so ergeht wie den Menschen in Malmö!
Informiert euch mal über Malmö und was die für ein Theater mit Migranten haben...........
No-Go Areas und jedes Jahr werden die Vergewaltigungsstatistiken aufs neue von Zuwanderern gebrochen........Ok die Schwedinnen sind echt heiß aber das muss doch nicht sein!
Nein dann lieber Kohlekraftwerke
11:24
der Haken :...wohnen hier über 4000 Menschen, meist Besserverdienende
Diese wohnen hier bereits so, wie sie es wünschen. Der Rest wird von der FDP abgehalten, dazu zu stoßen.
Also: einmotten.
10:28
Subventiert den Leuten ihr Blockheizkraftwerk, wenn sie ihre alte Gasheizung austauschen wollen. Das bringt mehr als ein teures Prestigeprojekt für EON, Die Technik ist vorhanden. Sie kann flächendeckend eingesetzt werden. Modellregionen, mit denen sich Wichtigtuer und Konzerne brüsten wollen, brauchen wir nicht.
09:33
Leider ist gerade eon einer dieser fiesen Wucherkonzerne, die den Leuten per Monopolstellung und Kartell die Taschen leer pumpen, um den Gewinn zu steigern. Das vor allem mit Hilfe der roten Ruhrgebietsstädte, die Beteiligungen und SPD besetzte lukrative Aufsichtsratpöstchen schachern. Da glaubt man kaum, das bei solch ein Projekt der Umweltschutz im Vordergrund steht. eon war es auch, die per Lobby die Schwarz/Gelben zur Verlängerung der Atomkraft drängte - bloß um den Gewinn zu steigern!!! Andererseits: eon ist nicht doof - sie begreifen, dass in ein paar Jahrzehnten Gas, Öl und Kohle erschöpft sein werden. Daher ist die Investition in solche Projekte sehrwohl richtig und hoffentlich bringt es auch was der Region Ruhr! Besser als ein Leuchtturmprojekt wäre allerdings, schon jetzt mehr in vernünftige Umweltpolitik zu investieren, sprich Solar, Wind, Geothermie, BHKW in Deutschland direkt zu fördern - vor allem an der Ruhr - um den technologischen Vorsprung hier zu fördern anstatt zu verhindern. 1-2% vom Umsatz ist da herzlich wenig Engagement!
08:14
er erhilet gegenwind...klar, jedes unternehmen das auch nur ein klein wenig mit energieunternehmen in verbindung gebracht werden kann, dazu die städte und gemeinden in denen energiekonzerne ihre steuern abdrücken bzw die aktien dieser unternehmen halten werden alle solch ein projekt nicht befürworten. sind sie doch alle abhängig von den steuern und erlösen die dort erwirtschaftet werden.
07:44
Hört sich gut an. Ich hoffe das viele Große Unternehmen ihn und sein Projekt weiter unterstützen und das diese Projekte später im großem stiel weltweit entstehen.
Nieder mit den Ölscheichs <- die haben genug kohle gemacht!