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Hungrige Schüler

Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten

20.05.2009 | 13:37 Uhr

Hagen. Kartoffeln mit Möhren und Hähnchenschnitzel stehen oft auf dem Speiseplan der Schulkantinen. Nicht wenige Schüler dürfen daran aber nur riechen. Trotz des Landesprogramms „Kein Kind ohne warme Mahlzeit” bleiben sie hungrig. Die Eltern können sich das Essen für ihre Kinder nicht mehr leisten.

Nicht für alle selbstverständlich: Kinder einer Ganztagsgrundschule in Essen nehmen in der Pause das Mittagessen ein. Foto: ddp

Die Zahl der offenen Ganztagsschulen, die tägliche eine warme Mahlzeit für durchschnittlich 2,50 Euro anbieten, nimmt stetig zu. 500 000 von insgesamt 2,8 Millionen Schüler in NRW profitieren davon. 70 000 der 500 000 Schüler gelten als bedürftig und erhalten von Land und Kommune einen Zuschuss von 1,50 Euro.

1 Euro ist oft immer noch zu teuer

„Eigentlich müssten alle Schüler versorgt sein”, erinnert Dr. Thorsten Jacobi an das Versprechen von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Die Realität sehe anders aus, so der Gemeindepfarrer aus Hagen-Hohenlimburg. „Vielen Müttern und Vätern ist selbst ein Euro am Tag immer noch zuviel.” Es sei erschreckend, wieviele Hartz-IV-Empfänger ihre Kinder von der Schulspeisung abmelden würden, weil sie sich 22 Euro im Monat nicht leisten können.

„Immer mehr Erzieherinnen berichten uns, dass sie es nicht mehr mit ansehen können, wie Schüler hungrig dem Unterricht folgen müssen”, erzählt Jacobi. So manche Lehrkraft habe selbst dafür gesorgt, dass sie etwas zu Essen bekommen. „Sie haben das aus ihrer eigenen Tasche gezahlt.”

Eigeninitiative in Hohenlimburg

Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi. Foto: wp

Damit in den Kindertagesstätten, Grundschulen oder Förderschulen in Hohenlimburg alle Schüler satt werden, hat der Gemeindepfarrer engagierte Mütter und Väter an einen Tisch gebracht. Gemeinsam haben sie den Verein „Kindertafel Hohenlimburg” gegründet. „Wir kommen für all' diejenigen auf, die sich keine Schulmahlzeit leisten können.” Der Verein sei auf Spenden angewiesen. „Aber wir sind guten Mutes.” Freie Träger, Vereine, Kirchen, Schulen, Eltern - alle hätten zugesagt, ihren Beitrag zu leisten.

Für Ivonne Vogtland, der ersten Vorsitzenden der Kindertafel, war es keine Frage, ob sie helfen kann. „Da kann man doch nicht Nein sagen.” Auch die junge Mutter zweier Söhne hat von hungrigen Kindern gehört, die andere Schüler um Butterbrote anbetteln. „Das ist leider trauriger Alltag”, sagt die 36-Jährige. „Meine Familie ist gesund und glücklich. Ein Teil dieses Glückes will ich nun ehrenamtlich weitergeben.”

470 Schüler besuchen die Engelbert-Grundschule in Brilon. Nur 50 nehmen an der offenen Ganztagsschule teil. „Die Zahl derjenigen, die es sich nicht leisten können, nimmt kontinuierlich zu”, berichtet Marianne Hücker. Die Schulleiterin, seit 30 Jahren im Dienst, weiß, dass die Zeiten härter werden. Auch im Sauerland. „Viele Eltern”, sagt sie frei heraus, „sparen an der falschen Stelle.”

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Ein voller Magen, so Marianne Hücker, sei auch aus rein pädagogischen Gründen enorm wichtig: Ansonsten seien die Kinder gereizt, müde und ließen sich leicht in Streit verwickeln. Mithin verschlechterten sich ihre Chancen, dem Unterricht zu folgen.

Christa Burghardt, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes in Hagen, traut sich kein Urteil über betroffene Eltern zu. Die Ursachen seien Vielfälltig und differenziert zu betrachten. „Es gibt Hartz-IV-Empfänger, die kommen mit ihrem Geld aus, andere tun es nicht. Über Letztere möchte ich den Stab nicht brechen. Denn ich weiß nicht, ob ich mit dem wenigen Geld auskommen würde.”

Hautnah ist Christa Burghardt mit der neuen Kinderarmut mitten in Deutschland konfrontiert. „30 bis 40 Mahlzeiten geben wir zurzeit pro Tag in unserem Kinderschutzbund-Haus an Bedürftige aus. Tendenz steigend.” Es sei ein Skandal, dass in einem so reichen Land wie Deutschland immer mehr Kinder hungern müssten. Die Trägerin des Verdienstordens des Landes NRW fordert deshalb kostenloses Schulessen für alle: „Dafür kann man anteilig das Kindergeld einfrieren, was bereits debattiert wird - oder irgendetwas anderes. Hauptsache unsere Kinder werden satt!”

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Rudi Pistilli

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Kommentare
12.06.2009
13:54
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von Fassungslos | #87

Hungernde Kinder in unserer Mitte!?
ARMES DEUTSCHLAND!!!
Wie weit runter geht es wohl noch???

23.05.2009
16:20
Blockierter Kommentar.
von daniel.otto | #86

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.05.2009
09:44
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von GegenHartz4 | #85

Entweder wir akzeptieren die Grundrechte und billigen jedem Menschen in diesem Lande zu, seine Persönlichkeit frei zu entfalten oder wir VERGESSEN dieses Alles und schreiben jedem H4-ler vor, wie er zu leben hat und was er täglich an Nahrung zu sich nehmen darf und muss ! Was soll also diese hirnlose Diskussion um die betroffenen H4-ler. Um ein menschenwürdiges individuelles Leben in einer freien Gesellschaft wirklich führen zu können gehört selbstverständlich Geld dazu. M.E. hat jeder Mensch das Recht dazu, seinen persönlichen Neigungen und Interessen - wie z.B. Theater, Reisen, Schwimmen und Kino - nachzugehen weil dieses zu einer freien Entfaltung der Persönlichkeit einfach dazu gehört. Ebenso kann mir kein Mensch vorschreiben, wie ft ch täglich dusche und wie ange ich in meinem häuslichen GEFÄNGNIS Fernsehen schaue. Tatsache ist jedoch dass dieses unsere Politik und viele Menschen aus der bürgerlichen Schicht - die noch im Besitz einer bezahlten Arbeit sind - nicht begreifen wollen und in den Medien die sog. Unterschicht fast täglich diskriminieren und beleidigen, als wären sie nicht schon genug mit ihrer Stuation bestraft. Hartz 4ist kein Zuckerschlecken sondern ene Schande für ein Land wie Deutschland. Menschen verhungern und aus Verzweiflung müssen sogar inzwischen viele Menschen in Deutschland sterben, weil sie nicht mehr mit ihrer persönlichen Situation fertig wrden können. Grundrechte ja - aber nur für die arbeitende Bevölkerung. Freie Berufswahl ist bereits für die H4-ler eingeschränkt. Hochqualifizierte Menschen müssen jede Arbeit annehmen ob sie wollen oder nicht, obwohl das Grundgesetz eine freie Berufswahl garantiert. Ebenso können H4-ler nicht einfach ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen. Auch hier wird ein Grundrecht engeschränkt. Wer sich von seinem Wohnort einfach entfernt ohne sich rechtzeitig vorher ordnungsgemäß ab- und wieder anzumelden, erhält für diesen Zeitraum kein Geld und wird sanktioniert. Es wird auf den Girokonten herumgeschnüffelt - ebenfalls ein Eingriff in die Bürgerrechte von H4-lern - und herumgeschnüffelt, weil hinter jedem H4-ler staatlicherseits ein Betrüger vermutet wird. Gleichzeitig leben millionenschwere kriminelle Steuerbetrüger z.B. in ihrem Schloss in Italien. Die verfassungsmäßigen Grundrechte der BRD gelten inzwischen zum großen Teil nur noch für die arbeitende Bevölkerung !!! Wer arbeitslos nd arm ist, hat hier kaum noch wirkliche Rechte. Die ärztliche Versorgung wird mittellosen Menschen schon fast verweigert, weil die Ärzte sich jeden zusätzlichen Handgriff am Patienten bar bezahlen lassen. Dieses können sich nur Privatpatienten oder Reiche leisten Die Bildung wird ebenfalls nur noch denen zugebilligt, die sich Privatschulen oder Nachhilfestunden für teures Geld leisten können. Alles in diesem System Deutschland ist dem Geld unterworfen, welches den H4-lern nur im beschränken Masse zur Verfügung steht. Gerne würde ich einmal mit meinen Kindern in das Kino gehen, oder am Wochenende irgendwo hinfahren, wo man Luft holen kann, von den täglichen Strapazen des Einkaufens mit wenigen EUROS in der Geldbörse. Da bereits ab dem 20. jeden Monats kein Geld mehr zum Essen vorhanden ist, müssen täglich leere Flaschen in den Mülleimern gesucht werden, damit noch ewas Brot und Milch für die Kinder gekauft werden können. Von einem täglichen SCHULESSEN können inzwischen nur die Kinder träumen, die Eltern mit eine höheren Einkommen haben. Viele Deutsche wissen überhaupt nicht, welches DRAMA sich in den Hartz-Familien wirklich abspielt. Das Bild was sich auf der Strasse und in den Schulen zeigt, ist nicht das wahre Bild der betroffenen Menschen. Ich habe gesehen, was in vielen Familien den Schulkindern Mittags - wenn überhaupt - zum Essen vorgesetzt wird. Trockenes Brot und Wasser aus der Wasserleitung sind bei vielen schon tägliches Essen. Traurig, traurig das alles ! Und täglich wird gegen H4 gehetzt und diese Menschen diskriminiert, während die politischen VERUSACHER dieses Dramas n SAUS und BRAUS leben. Ich denke mal z.B. an Clement und Schröder - beide SPD - die inzwischen viel Geld in der Wirtschaft verdienen, weil sie ihre damaligen politischen Stellungen genutzt haben, sich nach dem politischen Rausschmiss, tolle und gut dotierte Posten in der Wirtschaft zu verschaffen. Millionen stecken die sich jetzt ein, während deutsche Schulkinder hungern müssen. PFU TEUFEL Ihr Politiker der SPD !!! Gott wird Euch alle strafen - ich bete - möglichst bald !!!

21.05.2009
14:01
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von Stammtischstimme | #84

Was verlangen eigentlich die Harz 4 Eltern vom Staat ohne ihrgendeine Gegentleistung zu erbriegen noch alles ? Wir brauchten dann keine Polnischen Erntehelfer mehr jetzt im Sommer .Aber zum Amt gehen ist halt einfacher als aufs Feld .

20.05.2009
18:04
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von Elektrosteiger | #83

Es ist in D halt wichtiger, die Casinobanker und Konsorten zu unterstützen, als arme Schulkinder zu unterstützen.

Und wieder geht D ein Stück mehr den Bach runter.
Aber ist ja auch egal, hauptsache der Wähler macht an der richten Stelle das Kreuz. Alles andere interessiert nicht...

Aber nur solange, bis die ersten Autos in D brennen...

20.05.2009
17:43
Blockierter Kommentar.
von A.S. | #82

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.05.2009
17:06
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von m.lichter | #81

_________________________________

Mehdorn (ehemals Deutsche Bahn) will noch 2,98 Millionen einklagen. Zumwinkel (ehemals Deutsche Post) hat kürzlich 20 Millionen EUR Pensionsansprüche ausgezahlt bekommen.

Das macht 22,98 Millionen EUR für zwei Menschen denen Moral ein Fremdwort zu sein scheint.

Das sind aber auch für zwei Jahre die Zuschüsse für die 70.000 Schüler, wenn man von 165 Schultagen ausgeht.

Was ist in Deutschland mehr wert?

Mich wundert es nicht, dass die Auswanderungszahlen in Deutschland von Jahr zu Jahr weiter steigen. Die Anständigen (und damit meine ich nicht diese Herren)
verlassen das Land - sofern sie können. Der Rest schaut in die Röhre. Nur bei 166.000 Auswanderern (mehr als jemals zuvor seit 1954) handelt es sich sicherlich nicht um Millionäre in der Vielzahl.

Soll ich noch mehr aufrechnen?

In Sachen Ethik und Moral scheint dieses Land einfach nur noch kaputt zu sein.
_________________________________

20.05.2009
15:34
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #80

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.05.2009
15:15
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von Otto99 | #79

#60 m.lichter

Was meinen Sie damit Die Anständigen verlassen das Land?
Mir wäre lieber, die Schmarotzer, die auf Kosten anderer leben und gar nicht genug vom Sozialstaat kriegen können, verließen das Land.
Dann ginge es vielen besser. Die arbeitende Bevölkerung brauchte dann nämlich nicht soviel Sozialabgaben zu entrichten.

Übrigens: Ihr Zumwinkel hat auch das Land verlassen. Er hat hier, trotz seines Vergehens immer noch mehr Steuern bezahlt als Beckenbauer, Schumacher usw.

20.05.2009
15:07
Viele Eltern können sich Schulessen nicht mehr leisten
von Pit01 | #78

1 Euro Zuzahlung kann nicht zuviel sein. Da stimmt etwas nicht mit den Eltern.
Hartz 4 gehört aber abgeschafft. Die alten Regeln waren auch für den Staat preiswerter.
Übrigens finde ich auch, dass hier in dieser Kommentar - Funktion die Deutschstunde ruhig mal ausfallen sollte.

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