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Union der Superhelden kämpft ums Ruhrgebiet

12.11.2008 | 18:24 Uhr
Copyright: Arne Schulenberg, Fotografie: Jens Sundheim.
Copyright: Arne Schulenberg, Fotografie: Jens Sundheim.

Dortmund. Eine Foto-Love-Story, nur ohne Liebe, dafür mit Superhelden? Nein, Arne Schulenburg macht ernstzunehmende Foto-Comics – aus Spaß und für den Profit. Und in einem solchen Comic stellt er seine „Union der Helden“ bei DerWesten vor.

Marc, der Erzengel, rettet seine Freundin Jana. (Copyright: Arne Schulenberg, Fotografie: Jens Sundheim)

Die originalverpackte Comicfigur „Spider Jerusalem“ hängt an der Wand, Handpuppen sind aufgereiht, Comicbücher stapeln sich im Regal und dazwischen ein übergroßer Bildschirm und viel Technik. Es ist klar: In dem kleinen Raum in der Wohnung in der Dortmunder Innenstadt wirkt ein kreativer Kopf. Arne Schulenberg hat seine „Union der Helden“ auf dem Bildschirm aufgerufen und klickt begeistert auf seiner  Internet-Seite hin und her. Fotos in Comic-Stil aufbereitet sind dort zu sehen. Die Handlung spielt eindeutig im Ruhrgebiet. Doch kein "Zosch!" oder "Zong!", sondern klare Dialoge sind in den Sprechblasen zu lesen. „Es gibt keine ernstzunehmenden Comic-Superhelden aus Deutschland. Die sind alle importiert“, sagt der 32-Jährige. „Das will ich ändern.“

Mit Lucky Luke und Asterix hat Arne Schulenberg angefangen, bei Batman und Spiderman ist er gelandet. Jetzt will sich der Dortmunder selbst in die Riege ihrer Erschaffer einreihen. Im Internet bietet er die  „Union der Helden“ an, die als fotografierter Comic nahezu einzigartig sind.

Wenn „Oppa Kalle“ Grubenwasser trinkt

Und das ist die Geschichte: Marc ist eigentlich ein ganz normaler Dortmunder. Denkt er. Bis er eines Tages Besuch von dem „Einen der Weiß“ bekommt. Der Gentleman mit ungeahnten Fähigkeiten nimmt Marc mit in eine Parallelwelt. Dort gibt es Superhelden – und Marc wird zum Erzengel. Obwohl es um eine andere Welt geht, spielt der Comic im Ruhrgebiet. Während Peter Parker etwa von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen wird und so zu „Spiderman“ mutiert, hat Marcs „Oppa Kalle“ ein Grubenunglück überlebt, indem er mit unbekannten Substanzen verseuchtes Grubenwasser trank. Dadurch mutierten seine Gene, so dass jetzt Marc – in der dritten Generation – mit Metallen interagieren kann. Der Erzengel – ein echter Ruhrpott-Superheld eben. Natürlich hat Marc in der Parallelwelt sofort Feinde wie Manero, den Fürsten der Bochumer Unterwelt.

Somit ist das Bermuda-Dreieck natürlich Spielort Nummer eins für die „Union der Helden“. Wer demnächst in dem Bochumer Kneipenviertel ein Foto-Team sieht, das sich in Superheldenanzügen gegenseitig verfolgt – dann ist das die „Union der Helden“. Denn um sein Projekt zu realisieren, hat sich Arne Schulenberg ein professionelles Team zusammengestellt: Gemeinsam mit Fotograf Jens Sundheim, Schauspielern, die er auf einer Casting-Seite akquiriert hat, und Freiwilligen führt er Stück für Stück seinen Comic weiter.

Bessere Schauspieler als in der Foto-Lovestory

Gezeichnet wird nur noch die Vorlage für die Fotos, die dann vom Fotografen unter Arne Schulenbergs Regie umgesetzt werden. (Foto: Vera Kämper)

Damit das Ganze so realistisch wie möglich wird, hat der 32-Jährige ein Superhelden-Outfit für Marc, den Erzengel, von einer Designerin schneidern lassen, die Brosche und das Multifunktionsarmband für den allwissenden „Einen der Weiß“ sind eigens angefertigt. „Die Arbeit für den Comic macht unheimlich viel Spaß“, sagt Arne Schulenberg. „Es ist wirklich witzig, wenn der Darsteller des ,Einen der Weiß’ vor einem sitzt und immer wieder ein- und denselben Satz in verschiedenen Stimmungen und mit anderen Gesichtsausdrücken wiederholt, damit es auf dem Foto am Ende auch überzeugend aussieht.“ Mittlerweile seien alle Darsteller für das Projekt Feuer und Flamme.

Auch wenn Fotografieren aufwendiger als Zeichnen ist, entschied sich Arne Schulenberg für die fotografierte Version: „Weil ich nicht so zeichnen könnte, wie es zur Geschichte passt.“ Gezeichnet wird nur noch die Vorlage für die Fotos, die dann vom Fotografen unter Schulenbergs Regie umgesetzt werden. Dass viele dabei zuerst an die Geschichten ihrer Jugend denken, macht dem Kommunikations-Designer nichts aus: „Jeder kennt die Bravo-Foto-Lovestory. Die meisten verbinden damit eher billige Geschichten mit schwachen darstellerischen Leistungen. Im Gegensatz dazu versuchen wir spannendere Geschichten zu erzählen, und bei unseren Darstellern entgleisen die Gesichtszüge nur dann, wenn es von der Handlung her auch passt. Wir versuchen, von der Schauspielerei her so realistisch wie möglich zu bleiben.“

Werbepartner können Teil der Geschichte werden

Marcs Freundin Jana wird vom bösen Manero bedroht. Kann Erzengel Marc sie retten? (Copyright: Arne Schulenberg, Fotografie: Jens Sundheim)

Arne Schulenberg weiß genau, was er mit seiner „Union der Helden“ noch erreichen will. Seine Ideen für den Plot reichen für mehrere Jahre, seine konkrete Planung steht immerhin bis Ende dieses Jahres. Rund 4000 Besucher landen zurzeit pro Monat auf seiner Homepage. Doch das reicht Arne Schulenberg nicht. Denn auf lange Sicht soll die „Union der Helden“ auch Profit bringen. Die Idee: Neben Werbebannern, die auf der Seite eingebunden werden können, können Werbepartner auch selbst in der Geschichte auftauchen. Wer sich fragt, warum der „Eine der Weiß“ ausgerechnet ein Omelette mit Schnittlauch für Marc zubereitet, weiß jetzt: Die Küchenutensilien werden vom Hersteller beworben. Auch die Tapete über Marcs Bett sind Produkt-Platzierungen eines Tapeten-Online-Shops. Die Bücher in Marcs Regal können mit einem Klick bei einem online-Buchhändler bestellt werden.

„Mein damaliger Partner und ich haben uns 2007 mit der Idee beim Start to grow-IT-Wettbewerb der Dortmunder Wirtschaftsförderung beworben. Wir landeten unter den ersten Zwanzig. Und das Feedback auf unsere Idee war durchweg positiv“, sagt Schulenberg. Also ist das Team ins kalte Wasser gesprungen, hat einen Kredit aufgenommen und betreibt jetzt den Online-Comic. Rund 90 Seiten stehen bereits auf dem Portal, jeweils montags, mittwochs und freitags kommt eine neue Seite hinzu. „Wenn ich überlege, was ich mit der Union der Helden erreichen will, dann habe ich erst den ersten Schritt gemacht. Der Marathon liegt noch vor mir.“

Ob Superkräfte nötig wären, um diese Ziele zu erreichen? Noch spielt Arne Schulenberg jedenfalls nicht in dem Foto-Comic mit. Wenn, könnte er sich eine Rolle ganz am Rande vorstellen – mit Superkräften, versteht sich: „Teleportieren wäre ganz nett. Und ich würde ja gerne fliegen können. Auf der anderen Seite habe ich Höhenangst“, sagt er und lacht.

Mehr zum Thema:

Zur Union der Helden

Vera Kämper

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Kommentare
10.07.2009
17:23
Union der Superhelden kämpft ums Ruhrgebiet
von suedkurvenbiggi | #2

absolut empfehlenswert - unbedingt weiterverfolgen!

10.07.2009
13:36
Union der Superhelden kämpft ums Ruhrgebiet
von nr.2 | #1

dankeschön!
klasse sache!
kannte ich noch gar nicht.

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