Und manchmal piept's nicht richtig
26.12.2007 | 20:19 Uhr 2007-12-26T20:19:00+0100Bochum. Moderne Technik sollte die Drogenfahndung im Gefängnis leichter machen. Doch noch ist das System nicht ausgereift.
Kompliziert sieht das Gerät gar nicht aus. Im Prinzip wie ein Metalldetektor am Flughafen - nur größer, viel größer. Wer sich scannen lässt, geht allerdings nicht durch, sondern stellt sich hinein. Und los geht der Check - nur, dass es hier eben nicht um Waffen oder gefährliche Gegenstände geht, sondern um Drogen. Zum Jahreswechsel, in wenigen Tagen also, endet die Testphase in Bochum. Die Haftanstalt dort probiert das Gerät im Auftrag des Düsseldorfer Justizministeriums aus. Ob es aber schon sehr bald in allen 37 NRW-Gefängnissen aufgestellt wird, erscheint sehr fraglich. Noch gibt es viele technische Macken.
"Fünf Gefangene, die entweder von der Arbeit kommen oder gerade zur Arbeit ausrücken, testen wir täglich", erklärt der Vollzugsbeamte Jörg Balzer die Prüfungsphase. Die Männern stellen sich auf gelbe Markierungen, die wie Fußabdrücke aussehen. Sie kleben auf dem Boden des "Sentinel II" getauften Detektors. Genau dort wo die Gefangenen stehen müssen, damit der Luftstoß, des Geräts sie an den richtigen Stellen treffen kann. Der Apparat pustet dann mehrere Luftstöße aus den in seinem Rahmen angebrachten Düsen. So werden Staubteilchen, die an der Kleidung haften aufgewirbelt. Diese kleinsten Partikel saugt der Apparat wie ein Staubsauger wieder ein - und anlaysiert sie. Findet der "Sentinel" in der Staubprobe Spuren von Kokain oder Heroin schrillt die Alarmglocke. Auch auf die chemische Droge LSD, THC, den Wirkstoff von Cannabis, und die Partydroge PCP schlägt der Detektor an. Ob jemand Spuren von Amphetaminen oder Methamphetaminen an seiner Kleidung trägt, soll der Apparat auch herausfinden können. So verspricht es zumindest der Hersteller.
Bei einigen der regelmäßig durchgecheckten Gefangen in der Bochumer Anstalt hat der sensible Detektor bereits angeschlagen. "Einen haben wir dann auch überführt", ergänzt der Beamte. Per Urintest. Schon bevor er das Fläschchen in die Hand gedrückt bekam, hatte der Gefangene aber bereits eingesehen, dass Leugnen zwecklos ist, und gestanden.
Auch eine Handwaschcreme kann anschlagen
"Wir haben ab und zu einen positiven Befund", sagt Jörg Balzer. Ob der laute Alarm, den das Gerät mit durchdringenden Pieptönen von sich gibt, auch wirklich begründet ist, das freilich steht auf einem anderem Blatt. Spätestens auf dem Briefbogen, auf dem ein Labor das Ergebnis des Urintests notiert. Hier steht aber auch zu lesen, wenn es einen Fehlalarm gegeben hat. Was durchaus passiert. Das System sei noch nicht ausgereift, räumt Ralph Neubauer, Sprecher des Justizministeriums ein. "Unter anderem schlägt es bei einer Handwaschcreme positiv an, deren chemische Zusammensetzung Amphetaminen ähnelt.
Deswegen werden Gefangene, deren Detektortest positiv ausfällt, erst einmal von den Justizvollzugsbeamten in einen Nebenraum gebeten. Abgetastet und mit einem handlichen Metalldetektor kontrolliert. "Wenn jemand eine Plastiktüte mit Drogen in der Tasche hat, dann wird das ja nicht analysiert", zeigt Jörg Balzer die Grenzen des Kleidungs-Tests per Luftanalyse auf. Aufs Durchsuchen können die Vollzugsbeamten also auch in Zukunft nicht verzichten, wenn das Verfahren des Drogendetektors nach dieser Testphase noch einmal verbessert wird.
Dann könnte er dabei helfen, die Anstalt sauber zu halten. "Wir kriegen den Knast nicht mehr drogenfrei", konstatiert Werner Brüggemann, Sprecher der JVA, was korrekt Bereichsleiter Außenkontakte heißt. Der Vollzug sei schließlich ein Spiegelbild der Gesellschaft, bemüht er den alten Satz, der immer stimmt. "Und draußen sind Drogen doch an fast jeder Schule schon ein Problem", sagt er. An jedem Bahnhof könne man Drogen kaufen. Drinnen und draußen - innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern - wird gegen Rauschmittel gekämpft. In den Knästen ist der Drogenhandel ein großes Problem. "Gefangene, die Drogen haben, erpressen und unterdrücken andere", weiß Brüggemann, "der Handel blüht." Mit dem Drogendetektor hofft das Justizministerium den Knastdealern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Nur: Dafür muss der Apparat einwandfrei funktionieren. (NRZ)
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