Umweltbundesamt startet Online-Schadstoffregister
03.06.2009 | 19:50 Uhr 2009-06-03T19:50:00+0200Essen. Wieviel Kohlendioxid ein Industriebetrieb in die Luft bläst, wieviele Schwermetalle er in die Flüsse leitet und wo er seine Abfälle entsorgt: Ein Schadstoff-Register gibt ab sofort online und kostenlose Auskunft über diese Daten. Die allerdings sind bereits zwei Jahre alt.
"Nie war der Blick hinter die Werkstore bequemer als heute", erkärte am Mittwoch Michael Müller, Staatssekretär im Bundesumweltministerium beim Start des neuen Portals. Für Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes, sorgt das neue Informationsangebot nicht für mehr Transparenz in Bezug auf Anreiner von Industriebetrieben. Holzmann sieht das Register auch als ein "gutes Instrument, Anreize für Innovationen zu schaffen", wie er auf der Portal-Startseite schreibt.
Über 4000 Unternehmen melden laut Umweltbundesamt ab sofort jährlich ihre Daten über Schadstoffemissionen in Luft, Wasser und Boden, zudem geben sie Auskunft, wo Abfall und Abwasser landen. Alle Werte werden im neuen Schadstoff-Freisetzungs- und -verbringungsregister PRTR gesammelt und veröffentlicht, dessen Kürzel für die internationale Bezeichnung "Pollutant Release and Transfer Register" steht.
Aktuelle Daten haben den Stand 2007
Zur Offenlegung verpflichtet sind große Industriebetriebe und Organisationen aus der Energiewirtschaft, der chemischen Industrie, aber auch Betriebe mit Intensivtierhaltung und große Kläranlagen. Die Daten der Unternehmen werden von den Landesumweltämtern überprüft. Die Unternehmen müssen ihre Schadstoff-Angaben spätestens 15 Monate nach Ende eines "Berichtjahres" dem Register melden; die derzeit verfügbaren Daten beziehen sich daher auf das Berichtsjahr 2007.
Im Ruhrgebiet lässt sich so mehreren Dutzend Unternehmen in die Karten gucken, und etwa deren Tätigkeitsfelder (z.B. "Warmwalzen von Eisenmetallen") erfahren. In Dortmund sind beispielsweise zehn Firmen erfasst, in Bochum 13, in Essen 15 und in Dortmund 31.
Die Suche lässt sich per Postleitzahl oder Ort in Gang setzen. Die Ergebnisliste ist zudem auf einzelne Schadstsoffgruppen beschränkbar - was aber nicht unbedingt zu konkreten Erkenntnissen führen muss. Oft findet sich der Hinweis "Es wurden keine Freisetzungen ... angegeben". Durchgängig nachzulesen sind eigentlich nur die Angaben zu den Abfall-Aufkommen eines Unternehmens. Ein Glossar gibt zudem Auskunft, mit welchen Verfahren die Daten behördlich erfasst werden - es sind insgesamt 15 Mess- und Berechnungsverfahren mit ihren Abkürzungen zu finden, die von ALT und NRB bis "Wiegen" reichen.
Vorstufe für ein europäisches Register
Das frisch freigeschaltete nationale Register soll Vorstufe sein für eine europaweite Übersicht, erkärte Thomas Holzmann,Vizepräsident des Umweltbundesamtes. Sobald das EU-Register freigeschaltet sei, würden auch internationale Vergleiche möglich, sagte Holzmann. Mit der Eröffnung des EU-Registers werde noch im Herbst gerechnet.
Umweltstaatssekretär Michael Müller hob hervor,dass das Register auch Klagen gegen Unternehmen erleichtere, die sich nicht an Schadstoffgrenzwerte halten. Gleichwohl rechnete der Düsseldorfer SPD-Politiker nicht mit einer Klagewelle. Durch die Transparenz würde auch der Wettbewerb zwischen den Unternehmen um eine gute Umweltbilanz angeregt. Holzmann berichtete zudem, die Industrie habe sich durchaus aktiv beteiligt. Die Unternehmen sähen auch die Vorteile, die ihnen entstehen, wenn sie gute Umweltleistungen erbringen.
Die Landesbehörden führen laut Holzmann Routinekontrollen und Plausibilitätsprüfungen der Daten durch. Müller sagte, je mehr Einzelheiten die Datenbank enthalte, "desto weniger kann man tricksen". (mit AP)
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23:29
Das ist ein erster Schritt, gut gemacht, wenn ich aber an die Düsseldorfer (bewiesen) Vertuschungsversuche denke, wird mir dennoch um die Glaubwürdigkeit Angst und Bange.