Um 22 Uhr stand kein Tisch mehr auf der A 40
19.07.2010 | 16:03 Uhr 2010-07-19T16:03:00+0200
Essen.Zähfließender Verkehr zwischen Bochum und Essen. Auf der A 40 ist am Montagmorgen Alltag eingekehrt – mit dem Stau als gewohntem Still-Leben. Von den 20 000 Tischen, den fast 3000 Toiletten und 30 Kilometern Absperrung ist dagegen keine Spur. Tausende Heinzelmännchen haben sie noch in der Nacht aus dem Weg geräumt.
Und Heinzelfräulein: Melanie Bühnen hat den vermeintlich schwersten Job. Zusammen mit rund 800 anderen Volunteers muss die 37-Jährige die Menschen von der Strecke fegen, bevor an Dreck und Tische zu denken ist. Als ein Flieger gegen 17 Uhr den Spruch „Dat war’s!“ enthüllt, gibt es allerdings nur wenige, die nicht verstehen.
„Wie kommen wir denn jetzt zu unserem Auto?“, schimpft das Ehepaar mehr als es fragt. Trotzdem bittet Melanie Bühnen auch diese beiden Gäste in Mülheim-Winkhausen von der Bahn. „Schalten Sie doch Ihren Kopf ein“, springt ihr ein Mann mit dunkler Sonnenbrille zur Hilfe, der beim Thema Gastfreundlichkeit in den Schulungen wohl gefehlt hat. „Das hier ist Timing, Timing, Timing!“ Mann und Frau folgen der Anweisung, lassen es sich aber nicht nehmen, noch Wörter wie „Unding“ und „das Allerletzte“ zu fauchen.
Ausnahmen. Es geht auch friedlich. „Hattet ihr Spaß?“, fragt Supervisor Thomas Vieten fünf Rocker, die gegen 19 Uhr noch immer auf der Strecke sind, als der Abbau längst begonnen hat. Auch für sie heißt es dann aber: Nächste Ausfahrt Styrum. Ein paar Stunden zuvor wurden an dieser Stelle türkische Spezialitäten angeboten. Nun wandert nur ein einsamer Mann im Ganzkörperkondom noch gen Duisburg. Einer der letzten Menschen auf der A 40.
Klack, klack
Abgesehen von den Helfern: Klack, klack. Klack, klack. Zwei Männer vom Technischen Hilfswerk spielen ein improvisiertes Biertisch-Stakkato. Fast 500 Meter Tische und Bänke haben sie in einer halben Stunde zusammengeklappt und an die Wand gelehnt. Jetzt setzt sich hinter ihnen ein Trupp in Bewegung, der alles auf Paletten stapelt, festzurrt und vom Gabelstapler in den Lkw heben lässt.
„Besonders viel Spaß macht das nicht“, sagt Julian Wieszniewski, einer dieser „Hochstapler“ – und man glaubt es dem kräftigen 22-Jährigen. „Viele von uns haben schon beim Aufbau geholfen und sind einfach müde.“ Als Supervisor Thomas Vieten im schwarzen Kleinwagen „angeflitzt“ kommt (vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h), droht Unheil: „Die Tische müssen richtig einrasten“, korrigiert Vieten. Zentimeter, die anderenfalls später fehlen können, wenn die letzten Paletten in den Lkw sollen. Also noch mal abladen und neu beginnen. „Das ist der Grund, warum ich lieber irgendwas ausleuchte . . .“, sagt THW-Mann Wieszniewski. Aber er lächelt. Wenigstens früh gemerkt.
Duell der Ortsvereine
„Die Jungs vom THW sind cool drauf“, lobt dann auch Aufseher Vieten. „Die wollen die Schnellsten sein.“ Auf 60 Kilometern sind ebenso viele THW-Trupps unterwegs. So wird der Abbau zum Duell der Ortsvereine. In diesem Fall: Mönchengladbach gegen Krefeld. Die Nachbarn sind wohl ähnlich weit, erfährt der Krefelder Wieszniewski. Neben der Aussicht auf Schlaf ist das ein weiterer Antrieb.
Als die Dämmerung einsetzt, ist kein Tisch mehr, wo er war. In Essen-Holsterhausen sammelt ein Bulli Reste einer Bühne ein. Der Lkw mit den Klos ist bereits durch. Auch die niederländische Firma, die alle Strom-Aggregate per Kran auf ihren Laster gehoben hat. „130 sind das insgesamt“, hat der Mann von der Ladefläche herübergerufen. Zehn Wagen seien unterwegs. Dann haben er und seine Kollegen sich wieder in Bewegung gesetzt. Über das nächste Aggregat in Richtung Feierabend.
Kekse und Kreide
Nur noch der letzte Dreck ist nun auf der Strecke. Plastikbecher und -tüten, Kekse und Kreide, wenige Bierdosen und unzählige Zigarettenstummel pusten die Kehrmaschinen Richtung Mittelstreifen, um sie später dort aufzuwischen. Den meisten Müll haben die Gäste aber in blauen Säcken mitgenommen – und nicht nur den. Ein beliebtes Andenken: die 3000 Kilometerschilder. Als alles vorbei ist, sammelt der Veranstalter gerade einmal 40 wieder ein. Der Rest ist mitgenommen worden – möglicherweise im Tausch für die Fahrräder, die hier und da im Graben lagen. Sie sind inzwischen in einem Truck verstaut, der sie auf die städtischen Fundbüros verteilen wird.
Gegen Mitternacht beginnt dann das wahre Still-Leben. In Essen schaut THW-Gruppenführer Ulrich Ney auf eine nackte Straße. Mit Schnitzelbrötchen hält sich das Team des 59-Jährigen auf den Beinen, bis es die A 40 um fünf wieder dem Berufsverkehr übergibt. Thomas Vieten, der Supervisor, geht da gerade ins Bett. Julian Wieszniewski, der Abbauhelfer, steht schon wieder auf. Um sechs muss der Azubi bei der Arbeit sein.
10:12
Ein absolut faszinierendes Erlebnis ! :-)
Hier gibts meinen Bericht über das A 40 Still-Leben :
http://www.derwesten.de/community/rhonda1410/stories/1640163/
10:09
Ein absolut faszinierendes Erlebnis ! ;-)
Hier gibts meinen Bericht über das Still-Leben auf der A 40 :
http://www.derwesten.de/community/rhonda1410/stories/1640163/
21:10
3 1/2 Stunden von Häfen bis Kaiserberg und zurück. Überall mal probiert, viel gelacht, gesungen und hier und da mal was geschrieben. Den Organisatoren ein dickes Lob. Es war einfach toll und ich war dabei.
Ori Ellebro
18:35
http://www.youtube.com/watch?v=Ff5yqKLsILo
Ein kleiner Film über das Projekt STILLLEBEN!
17:45
Ein dickes Lob an alle fleißigen Helfer !!!!
Ohne den freiwilligen Einsatz so vieler helfender Hände, wäre dieser Tag nicht das geworden, was er war: ein einmaliges Superereignis, dass um die Welt gegangen ist und die beste Werbung für das Ruhrgebiet und seine Menschen ist, die man sich ausdenken kann !!
DANKE !!!!
17:26
@1 stimmt, haben die Jungs und Mädchen vom THW gut gemacht.
War für viele von ihnen eine harte Woche, zwei Stürme und die A40.
Reife Leistung!!
Bin stolz auf die blauen Engel,
(Hab selbst zwei davon in der Familie)
16:51
Brav, habt ihr fein gemacht! Und Danke an die Helfer!