Überraschender Fund im eingestürzten Kölner Stadtarchiv
19.04.2009 | 21:12 Uhr 2009-04-19T21:12:00+0200
Köln. In den Ruinen des zerstörten Gebäudes wurden 1200 Regalmeter an unversehrten Dokumenten entdeckt. Die sollen nun erst einmal geborgen werden, bevor der Rückbau weiter geht. Laut neuen Schätzungen verursachte die Tragödie Kosten in Höhe von über einer Milliarde Euro.
Die Rückbauarbeiten in den Trümmern des Historischen Archivs der Stadt Köln verzögern sich, weil unerwartet intakte Kellerbereiche mit hochwertigen Archivalien entdeckt wurden. Wie die Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte, wurden die Funde am Freitag gemacht. Im sogenannten Bibliothekskeller unter dem Lesesaal sowie im südlichen Teilbereich des Magazinkellers befinden sich den Angaben zufolge insgesamt rund 1200 Regalmeter Archivgut. Die Leiterin des Historischen Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, hofft nun, einen wesentlichen Teil des Archiv- und Bibliotheksbestandes Anfang der Woche unversehrt bergen zu können.
Gebremster Rückbau
Der Rückbau des hinteren Archivteils sollte ursprünglich bis zum Ende der Osterferien abgeschlossen sein. Nachdem die intakten Kellerbereiche entdeckt worden waren, entschied die Stadtverwaltung, vor Abschluss der Rückbauarbeiten zunächst das Archivgut in den Kellerbereichen zu bergen. Die hierfür notwendigen vorbereitenden Arbeiten sind inzwischen nahezu abgeschlossen. Die Bergungsarbeiten werden zu Beginn der neuen Woche durchgeführt, so dass der Abschluss der Rückbau- und Verfüllarbeiten Mitte der Woche erfolgen kann. Alle Beteiligten seien bemüht, den Betrieb einer nahe gelegenen Schule durch die anstehenden Bergungs- und Bauarbeiten so wenig wie möglich zu stören, hieß es.
Der Einsturz des Stadtarchivs könnte laut einem Medienbericht einen «Schaden in Höhe von einer Milliarde Euro» verursacht haben. Wie das Nachrichtenmagazin «Focus» meldete, stammt diese erste Schätzung von Matthias Vollstedt, dem für Verkehr zuständigen Hauptdezernenten bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Seine 50-köpfige Abteilung hat seit 2004 die Bauarbeiten der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) insgesamt 26 Mal überprüft.
Wer die Kosten trägt, ist noch offen
Wenn die Prognosen stimmen, würden die Folgen des Unglücks laut «Focus» die Summe der Baukosten der vier Kilometer langen U-Bahn-Trasse in Höhe von 950 Millionen Euro übertreffen. Wer die Kosten trägt, hängt vom Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab.
Auch die Debatte um die baurechtlichen Konsequenzen des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen. Der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp, forderte im WDR-Magazin «Westpol» eine bundesweit einheitliche Neuregelung. Bei U-Bahn-Bauten müssten Bauaufsicht und Bauherr gesetzlich getrennt sein. Die bestehenden Vorschriften reichten nicht aus. «Aus der Verordnung kann jeder erlesen, dass da eine Lücke bleibt, die die Sicherheit beeinträchtigt», sagte der Ingenieur.
Die Entscheidung der Düsseldorfer Bezirksregierung, der Stadt Köln und den KVB die Bauaufsicht wieder zu entziehen, kann nach Ansicht Bökamps nur ein erster Schritt sein. Sicherheit müsse in allen Bundesländern mit dem gleichen Maßstab gemessen werden.
Beim Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Gebäude waren am 3. März zwei Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen. Ein Wassereinbruch in die U-Bahnbaustelle am Stadtarchiv gilt als wahrscheinlichste Unglücksursache. (ddp)
15:36
@4
Ach ja. Und was können Sie mit diesem Begriff anfangen?
Schmerzensgeldansprüche sind zunächst einmal im Grundsatz vererbbar. Allerdings spricht vieles dafür, dass durch den sofortigen Tod der Verunglückten gar keine Ansprüche entstanden sind. (s. LG Nürnberg-Fürth (r+s 1994, 418))
Und jetzt?
Die Toten werden leider nicht mehr lebendig und irgendwann werden weitere Köpfe dafür rollen - ich jedenfalls freue mich über jedes Dokument, das noch gerettet werden kann. Kultur gehört nämlich für mich auch zum zivilisierten Leben.
12:58
Es gibt sehrwohl den Begriff des Schmerzensgeldes im deutschen Rechtssystem..
23:42
@1
Ist den Angehörigem überhaupt ein materieller, bezifferbarer Schaden entstanden?
Oder denken Sie an eine Art Blutgeld?
- Die Verwandten sollen durch den Tod der Verunglückten Gewinn machen?
Oder ist es einfach nur Ihre übliche Stammtischpolemik?
22:43
Wie du erwartest eine Entschädigung?
22:36
wurde den Angehörigen schon eine Entschädigung gezahlt?