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Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori

21.02.2012 | 18:40 Uhr
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori

Wuppertal.   Wird Anori der nächste Knut? Wuppertal freut sich über seinen kleinen Eisbären. Das Medieninteresse ist bundesweit groß. Doch Tierschützer sind nicht erbaut vom erwarteten Rummel um den Nachwuchs. Sie lehnen die Haltung von Eisbären in Gefangenschaft generell ab.

Das Eisbär-Knäuel rollt sich auf Mutter Vilma zusammen und lässt sich abschlecken. Schnitt. Anori nuckelt und schläft und kuschelt sich an Mamabär. Schnitt. Siehe da: Es hat die Augen geöffnet und blickt zum ersten Mal in diese Welt. In Endlosschleife sind Anoris erste Eisbärwochen auf einem Bildschirm im Pinguinhaus des Wuppertaler Zoos zu sehen -- eine zehnminütige Zusammenschau der süßesten Szenen, die Videokameras mit leichtem Blaustich seit dem Geburtstag am 4. Januar rund um die Uhr in der Geburtshöhle aufzeichnen. Steuert Wuppertal da auf eine Knut-Hysterie zu?

Tödlicher Beschützerinstinkt

Kein Mensch darf diesen Raum betreten. Vilmas Beschützerinstinkt wäre vermutlich tödlich, erklärt Zoodirektor Ulrich Schürer. Also gibt es Kameras. Tierpflegerinnen beobachten das Mutter-Kind-Verhältnis und notieren, wie oft Anori trinkt. Und Parkbesucher bekommen durch die Bilder immerhin schon einen ersten Eindruck von dem Kleinen. Die Aufnahmen lassen vermuten, dass es ein Weibchen ist, sagen die Pflegerinnen. Sie schätzen, dass das Tier inzwischen rund vier Kilo wiegt und so groß ist wie ein Schnauzer. Noch bis mindestens April werden sich Mutter und Baby in der Höhle verkriechen. Spätestens mit den ersten Schritten raus ins Gehege wird es vorbei sein mit Ruhe und Zweisamkeit. 

Blitzlichtgewitter, dichtes Gedränge vor der Eisbärlandschaft, Kinderhände, die an Gehege-Scheiben patschen: So wird es vermutlich ablaufen. Anori ist in diesem Jahr das einzige Eisbärbaby, das in einem deutschen Zoo zur Welt gekommen ist. Vater des Kleinen ist Lars – der Eisbär also, der 2006 Knut zeugte, die Berliner Tiergarten-Sensation. Knut war eine Handaufzucht, die Mutter hatte ihn verstoßen. Das ist bei Anori – bisher – nicht passiert. Trotzdem ist das Medienecho auf das Kleine in Wuppertal schon jetzt riesig, sogar in Gottschalks Vorabendshow waren die Kamerabilder zu sehen.

Eisbär-Baby bekommt mehr Aufmerksamkeit als Nachwuchs beim Roten Felsenhahn

Hunderte Tierbabys kommen jedes Jahr im Wuppertaler Zoo zur Welt. Wenn aber etwa der Rote Felsenhahn Nachwuchs bekommt, was zoologisch durchaus eine Sensation ist, lockt das maximal zehn Ornitologen mehr in den Tiergarten. Anori hingegen, so viel scheint festzustehen, wird ein Publikumsmagnet. „Klar kommen wir wieder, wenn man das Baby sehen kann“, sagt Besucher Uwe Heldmann, der mit Tochter Cleo im Moment noch lieber die lebendige Pinguin-Parade beobachtet als den flackernden Eisbär-Bildschirm gegenüber.

„Anori ist in erster Linie ein Erfolg für die Nachzucht“, findet Zoodirektor Schürer. Seit 1976 dürfen Tiergärten keine in freier Wildbahn gefangenen Eisbären aufnehmen. Sie brauchen die eigene Nachzucht, sonst könnten sie die Raubtiere bald nicht mehr zeigen. Für Schürer ist es deshalb nicht mehr als „ein schöner Nebeneffekt“, dass wegen des knuddeligen Eisbärenbabys im Frühling höchstwahrscheinlich deutlich mehr Gäste in den Park strömen werden, behauptet er. Rund 650 000 sind es bisher im Jahr.

Das wollen ihm Tierschützer nicht abnehmen. „Hier soll ein neuer Star aufgebaut werden. Marketing und Eintrittsgelder sind Wuppertal wichtiger als eine nachhaltige Eisbärzucht“, kritisiert Marius Münte vom Deutschen Tierschutzbund. Warum sonst, fragt er, begleitet der Zoo jeden kleinen Eisbärfortschritt eigens mit einer Pressemitteilung?

Enormer Stress in Gefangenschaft

Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund oder Peta lehnen eine Eisbärhaltung in Zoos ab. Die Raubtiere seien in Gefangenschaft einem enormen Stress ausgesetzt, argumentieren sie. Eisbären seien Einzelgänger, die in freier Wildbahn täglich bis zu 100 Kilometer übers Packeis wanderten. Gehege in Tiergärten könnten diesen natürlichen Lebensraum niemals abbilden.

Problematisch sind aus Tierschützersicht auch die Nachzuchtbemühungen. Weil es nur eine begrenzte Zahl von Eisbären in europäischen Zoos gibt, müssten zur Zeugung meist Tiere zusammengebracht werden, die bereits miteinander verwandt sind, will Edmund Haferbeck von Peta wissen. Diese Inzucht könne junge Eisbären verstärkt anfällig für Krankheiten machen, urteilt er. Anoris Eltern, Lars und Vilma, hätten denselben Großvater.

Eltern sind miteinander verwandt

Zoodirektor Schürer will die verwandtschaftliche Beziehung der Eisbäreltern nicht bestätigen. Von „diesem Blödsinn“ will er ohnehin nichts mehr hören. Dass Vilma und Lars entfernt miteinander verwandt sind, habe „überhaupt keine Bedeutung“ für das kleine Eisbärbaby. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms werde streng kontrolliert, welche Tiere Kinder miteinander zeugen dürfen. Ohnehin: Bislang zeigten die Kamerabilder ein gesundes Junges, das von seiner Mutter liebevoll aufgepäppelt werde.

Die kritische Phase ist allerdings noch nicht vorbei. Noch immer kann es passieren, dass Vilma sich von Anori abwendet. Ein Geschwisterbaby, das mit Anori zur Welt gekommen war, hatte es nicht geschafft. Die Mutter hat es aufgefressen, nachdem es gestorben war. Wie bei Eisbären üblich.

Verlegung in einen anderen Zoo

Bis an ihr Lebensende zusammen bleiben werden Vilma und Anori ebenfalls nicht. Sollte Anori zu einem gesunden Eisbären heranwachsen, wird sie nach einem Jahr in einen anderen europäischen Zoo verlegt. Um dort mit einem Partner für weiteren Nachwuchs zu sorgen.

Nachwuchs in Wuppertal

 

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Kommentare
16.04.2012
10:17
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von LiquidSnake | #10

Tierschutz ist eine wichtige Sache - und sie wird leider nicht sehr konsequent betrieben.
Wie auch - wenn die Tierschützer immer an den falschen Schauplätzen kämpfen?

Mal Butter bei die Fische: Wann ist der Mensch bereit etwas zu schützen?

Mh? Genau - wenn er weiß, sieht und beGREIFT was er schützt.
Anori kann mehr PR-Arbeit für die Arterhaltung der Eisbären in freier Wildbahn als jeder hyperaktive Tierschützer es je könnte.

Hier sehen die Menschen, warum es geht - die majestätische Schönheit der Eisbären, auch wenn sie in Gefangenschaft leben - eine Gefangenschaft, die sicherlich nicht artgerecht ist, aber sicherlich mittlerweile einfacher und sicherer als das (Über-)leben in freier Wildbahn.

Ja - die Zoos sind sicher noch nicht da angekommen, dass sie alle durch die Bank artgerechte Lebensräume für ihre Tiere anbieten können. Aber für meine Begriffe sind Zoos Orte, die einen nachdenklich machen: Will Mensch wirklich nur noch Tiere aus der Konserve sehen oder aktiv werden?

13.04.2012
15:21
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von informierter.zuschauer | #9

Peta sollte lieber vor der eigenen Haustüre kehren. Damit haben sie nämlich genug zu tun, was www.petakillsanimals.com eindrucksvoll beweist.

22.02.2012
07:59
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von kowalhski | #8

Ach die Wort zum Sonntag Prediger haben sich den Eisbären ausgesucht... Wäre ja auch mal ein Wunder, wenn die mal einfach ihre oberlehrerhafte Klappe halten würden.

21.02.2012
22:38
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von Gothaur | #7

Das kann doch wohl nicht wahr sein.
Tatsache ist, der Mensch wächst an Zahl und somit Umweltbeeinflussung ins uner(träg)messliche,
Tatsache ist auch, daß dadurch Fauna und Flora nicht nur betroffen sind, sondern leiden, bishin zum endgültigen Aussterben verdrängt, verjagd, vernichtet werden.
Tatsache ist es auch konkret, daß diese großen Eisviecher wohl das Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr erleben werden,
und da motzen diese dollen Tierschützer gegen den einzigen, sich um realistisch aktiven Tierschutz bemühende Institutionen an, und erdreisten sich auch noch, diese zu verdammen?
Es braucht Geld und Publicitiy, vor allen in Zeiten der mauen, knappen öffentlichen Kassen und da ist es nur legitim, sich so Aufmerksamkeit zuzusichern.
Also sollte endlich diesem Tierschützergeschwafel ein Riegel vorgeschoben werden.
Gruß

21.02.2012
21:51
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von heinrichh | #6

Wer wirklich denk Zoos züchten Tiere zur Arterhaltung, der schaue sich die WDR Dokumentation

"Die Story: Zoogeschichten - Was passiert wirklich mit Eisbär, Elefant & Co.?"
http://www.youtube.com/watch?v=NC1OkeFbB-4

an.

21.02.2012
21:45
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von heinrichh | #5

Ich bin zwar kein Tierschützer würde aber weder in einen Zoo oder Zirkus gehen.

Allein die Unterbringung von Tieren in Zirkussen ist unter aller Sau. Und dann werden die Tiere noch in engen Wagen transportiert. Zb. Seelöwen in einer "Wanne" im LKW.
Wenn ich sehe wie man in Duisburg Delfine in Planschbecken hält kommen mir die Tränen.

Oder im Berliner Zoo. 12 Affenarten alle hinter Glascheiben in 12 kleinen Gehegen,

In Stuttgart hat mal ein Elefant einen Pfleger an die Wand gedrückt. Man hat dem Elefant Stahlseile um die Beine gelegt und ihn dann mit einer Seilwinde auseinandergezogen damit er das "Kunststück hinlegen" lernt.

Wenn man wirklich Arten erhalten wollte, dann könnte man Zb. für jede Art ein Zuchtstation mit großem Auslauf bauen. Aber das kostet ja Geld.

1 Antwort
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von Geier05 | #5-1

Also, dafür das sie in keinen Zoo gehen, geben Sie hier aber viel von sich. Leider alles von hören sagen oder aus der Zeitung.

Bei einem Zirkus könnte ich Ihnen Recht geben. Bei einem Zoo sehe ich das ganz anders. Mit den Zuchtstationen sehe ich das wie Sie. Dafür geben die Zoos auch viel Geld aus. Viele Organisationen beteiligen sich weltweit daran.

Leider weder PETA noch der Tierschutzbund, obwohl der Tierschutzbund 800000 Mitglieder hat. Also viel Geld. PETA hat weit über 2 Millionen im Jahr und gibt kein Geld direkt für Tiere aus. Die betreiben weder ein Tierheim, noch beteiligen sie sich finanziell an solche Unternehmungen

21.02.2012
21:33
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von Geier05 | #4

Natürlich wird Anori ein Publikumsliebling. Dazu haben die Medien ja prächtig beigetragen. Selbst Ihre Zeitung hat mit diesem kleinen Eisbären die Seiten gefüllt. Jetzt auch noch in Mitarbeit mit Tierrechtsbewegungen. Beklagen soll sich doch keiner. Der Tierschutzbund und PETA wollen doch jetzt nur dort weitermachen, wo sie bei Knut aufgehört haben. Diesen Organisationen geht es um Medienpräsenz. Medienpräsenz bringen Spenden. Dann spielen auch die Argumente, wenn man die Hetzerei als Argumente überhaupt gelten lassen kann, auch keine Rolle. Beide Organisationen wollen keine Eisbären in Zoos, PETA will sogar die Zoos abschaffen. Also ist alles Recht um diese Ziele zu erreichen. Alles andere, nämlich das Wohl des einzelnen Tieres, ist Nebensache.

21.02.2012
21:33
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von heinrichh | #3

bearny, ja der Dortmunder Zoo bzw. der damalige Zoodirektor hat Zb. wilde Giraffen eingefangen um sie dann in ein Gehege zu sperren.

Oder im Berliner Zoo hat man zwei Eisbärweibchen und ein Männchen (Kuschelknut) in ein Gehege gesperrt. Das Männchen wurde von den Weibchen dauend bedrängt. In der Natur sind Eisbärmännchen nur in der Paarungszeit zusammmen. Der Zoo bzw. der Senat hat kein Geld für ein weiteres Gehege genehmigt.

"Kuschelnut" war das Ergebnis von Inzucht. Der "Papa" hat 8 Junge in Inzucht gezeugt. Alle sind frühzeitig eingegangen.

Das hat mit Arterhaltung nichts zu tun, das ist nur Gier.

2 Antworten
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von Geier05 | #3-1

@Heinrich
Selber nicht in Berlin gewesen? Nur Bildzeitung gelesen? Ja, die haben geschrieben, dass Knut gemoppt wurde. Die Zoobesucher haben das aber ganz anders gesehen.

Lars hat 14 Junge gezeugt, keine 8. Also auch nur Bildzeitung. Alle, außer die zwei in Wuppertal sind in Berlin von 3 Weibchen geboren worden. Jetzt hat es in Wuppertal geklappt. Haben Sie sich einmal gefragt, dass das auch an dem Gehege in Berlin, oder an den Weibchen gelegen haben könnte? Erzählen Sie uns doch mal, wo Lars die Jungen in Inzucht gezeugt hat.

Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von joshi33 | #3-2

"gemoppt"?

so mit Eimer und Wischmop?

21.02.2012
19:59
Tierschützer ärgern sich über Rummel um Eisbär-Baby Anori
von nussknacker | #2

Gibt es denn eigentlich irgend etwas worüber sich "sogenannte" Tierschützer nicht ärgern?
Ich ärgere mich auch, und zwar über diese Tierschützer!
Sollen ihre Zeit mal sinnvoll nutzen und die Tiergärten säubern!

21.02.2012
19:41
Arteneinfalt
von bearny | #1

Einer der Gründe, die für eine Haltung in Zoos gelten, ist der der Arterhaltung.
Sollte dre Klimawandel nicht gestoppt werden, so ist der Zoo fast die einzige Möglichkeit, die Eisbären als Art zu erhalten. es sei denn, man friert ein paar ein, und taut sie in ca. 300 Jahren wieder auf, nachdem die Welt ohne Ölverbraucher wieder etwas abgekühlt ist

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